Jüdisches Museum Wien zeigt Arik-Brauer-Werke

Anlässlich des 90. Geburtstags der Wiener Künstlers Arik Brauer zeigt das Jüdische Museum Wien eine Ausstellung, die die verschiedenen Facetten seines Lebens und seiner Arbeit präsentiert.

Die Schau, die von 3. April bis 20. Oktober 2019 zu sehen ist, zeige nicht nur sein künstlerisches Schaffen, von der Malerei über Keramik, Musik, Tanz, Bühnenbild bis zur Architektur, sondern verweise auf die enge Verknüpfung von Arik Brauers Werk mit Wien, Israel und mit dem Judentum, heißt es in einer Aussendung vom Dienstag.

Arik Brauer an der Akademie der Bildenden Künste auf einem Stuhl stehend

Privatbesitz Arik Brauer

Arik Brauer an der Akademie der Bildenden Künste

1929 als Erich Brauer geboren, wuchs er im Wiener Vorort Ottakring als Gassenbub mit jüdischen Wurzeln auf. Einen großen Teil seiner Freizeit verbrachte er mit anderen Kindern in den Gassen und Parks des Bezirks. Schon früh sei Brauer ein guter Beobachter des Alltagslebens geworden, so die Aussendung. „Dies ist anhand seiner Kinderzeichnungen nachzuvollziehen. Personen in seiner Nachbarschaft beflügelten seine Phantasie und einige sind als Figuren in seinen Bildern wiederzufinden“, so die Aussendung.

Gassenbub mit schöner Stimme

Neben der Volksschule besuchte er auch den jüdischen Religionsunterricht, wo ein Lehrer seine schöne Singstimmte erkannte und ihn zum Vorsingen in den Turnertempel schickte. Der „Anschluss“ 1938 habe seine sorglose Kindheit „brutal“ beendet, schreibt das Museum. Sein Vater, ein orthopädischer Schuster, wurde im Konzentrationslager in Lettland ermordet. Der Sohn blieb mit seiner Mutter und seiner Schwester in Wien und arbeitete als Tischlerlehrling für den „Ältestenrat“ der Israelitischen Kultusgemeinde. In einem Schrebergarten versteckt habe er das Ende der Nazi-Diktatur und die Befreiung Wiens durch die sowjetische Armee erlebt.

Gemälde "Bekasso Kisso Kasso" von Arik Brauer

Privatbesitz Arik Brauer/Sebastian Gansrigler

Arik Brauers „Bekasso Kisso Kasso“

Feine Phantasiegestalten

Nach 1945 studierte Arik Brauer an der Akademie der bildenden Künste Wien. „Zu dieser Zeit eroberte die abstrakte Malerei die Kunstwelt. Die entgegengesetzte Richtung etablierte sich im Turmzimmer der Meisterklasse von Albert Paris Gütersloh, die Arik Brauer besuchte. Ausgehend vom Surrealismus wurden hier in altmeisterlicher Technik Phantasiegestalten erfunden und gemalte Geschichten erzählt“, so das Museum. Trotz der Vorbehalte der Kunstkritik seien die Reaktionen der Bevölkerung positiv gewesen. Gemeinsam mit Rudolf Hausner, Ernst Fuchs, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden gehörte er der Wiener Schule des Phantastischen Realismus an, deren Feinmalerei bald Erfolge feierte.

Ausstellungshinweis

Die Ausstellung „Arik Brauer. Alle meine Künste“ ist von 3. April bis 20. Oktober 2019 im Jüdischen Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien zu sehen. Öffnungszeiten: Sonntag bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr.

In Israel traf Brauer „die Liebe seines Lebens, Naomi Dahabani“. „Die jemenitisch-jüdische Tradition, aus der seine Frau stammt, die sinnlichen Erfahrungen der Natur und die daraus resultierenden farblichen Eindrücke, finden sich unmittelbar in seiner Malerei wieder“, heißt es in der Presseaussendung. Brauer reiste auch mit dem Fahrrad durch Europa und Afrika, trat als Tänzer auf und zog mit seiner Frau Naomi nach Paris. Dort habe er nicht nur neue Impressionen bekommen, sondern auch den künstlerischen Durchbruch geschafft. Als etablierter Maler kehrte er mit seiner Familie nach Wien zurück.

Figur - Fisch Spinnerin Vogel von Arik Brauer

Privatbesitz Arik Brauer/Sebastian Gansrigler

Arik Brauers Figur „Fisch Spinnerin Vogel“

Wegbereiter des Austropop

Durch seine im Wiener Dialekt verfassten Lieder wurde Brauer in den 70er Jahren zu einem Wegbereiter des Austropop und schaffte es in die Hitparade. Der ungeahnte Erfolg sei ihm jedoch zu viel geworden, weshalb er die Musikerkarriere wieder beendete. Das Malen sei aber weiterhin zentrales Element in seinem Leben geblieben.

Sendungshinweis

„Religionen der Welt“ widmet sich der Ausstellung am Samstag, 16.55 Uhr in ORF2

Bereits in den 1970er-Jahren interessierte sich Brauer für Architektur, sprach von grünen Fassaden und trat für die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs ein. Anfang der 1990er Jahre baute er in der Gumpendorferstraße für den sozialen Wohnbau. Die Fassade ist mit Keramikbildern geschmückt und plastisch bewegt. Im Hof befinden sich ein Rodelhügel und ein Biotop, das Haus hat begrünte Dachgärten und Terrassen und beherbergt einen Kleintierzoo und Aquarien in der Eingangshalle.

Auf kritische Stimmen, dass nur Architekten Architektur schaffen könnten, konterte Brauer: „Jeder Mensch sollte sich mit Architektur beschäftigen. ... Wir leben mit Architektur, wir genießen und erleiden Architektur. Also zu sagen, das geht nur die Architekten was an, finde ich unsinnig“, schreibt das Museum in seiner Aussendung.

religion.ORF.at

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