Litauen gedenkt Auflösung des Ghettos vor 75 Jahren

In Litauen hat das Gedenkprogramm zur Erinnerung an die Auflösung des jüdischen Ghettos in Kaunas vor 75 Jahren begonnen. Mit Filmvorführungen, Konzerten und Exkursionen in das ehemalige Ghettogebiet soll der Opfer des Holocaust gedacht werden.

„Wir wollen eine Botschaft vermitteln über die Tragödie und ihr Ausmaß, damit so etwas nie wieder passieren wird. Wir möchten dies für die jüngere Generation betonen“, sagte die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Kaunas, Ieva Cerneviciute, der Agentur BNS.

Nur wenige Überlebende

Angesichts der näherrückenden Front hatten die deutschen Besatzer das aus zwei Teilen und seit 1941 bestehende Ghetto in Kaunas im Sommer 1944 aufgelöst.

Nach Angaben des litauischen Forschungszentrums für Völkermord und Widerstand wurden die Gebäude niedergebrannt und bis zu 7.000 Bewohner in nationalsozialistische Vernichtungslager transportiert. Etwa 1.000 Bewohner wurden während der Auflösung des Ghettos getötet, nur 300 bis 400 Menschen überlebten.

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Kaunas rund 30 000 Juden, von denen nur wenige Hundert das Kriegsende erlebten. Während der deutschen Besatzung von 1941 bis 1944 ermordeten Nationalsozialisten und einheimische Helfer mehr als 90 Prozent aller damals rund 200 000 in Litauen lebenden Juden.

religion.ORF.at/dpa