Theologie Graz: „Lange Nacht der Genderlesung“

Mit einer prominent besetzten „Langen Nacht der Genderlesung“ beginnt die Jubiläumsfeier der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz: Vor 25 Jahren wurde ihr Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung eingerichtet.

Am Montag, 9. Dezember, lesen aus diesem Anlass von 17.00 bis 22.30 Uhr Vertreterinnen von Forschung und Politik, aber auch des Schauspielhauses Graz im dortigen Foyer. Den Anfang macht die 2. steirische Landtagspräsidentin Manuela Khom mit einem Abschnitt der Europäischen Menschenrechtserklärung, den Schlusspunkt setzt Organisatorin Irmtraud Fischer mit einem Text ihrer Mitarbeiterin am Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft, Rita Perintfalvi, über „wahre Hoffnung statt Rechtspopulismus“.

Veranstaltet wird die Lesung vom Cluster „Gender“ des gesamtuniversitären Forschungsnetzwerks Heterogenität und Kohäsion (HuK), der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien und Gleichstellung an der Uni Graz sowie dem Schauspielhaus.

Ehrendoktorat und Preis

Im Zeichen des Forschungsschwerpunkt-Jubiläums steht auch die Verleihung des Ehrendoktorates der Katholisch-Theologischen Fakultät an die feministische US-Theologin und Neutestamentlerin Barbara E. Reid.

Veranstaltungshinweis

„Lange Nacht der Genderlesung“ am Montag, 9. Dezember 2019 von 17.00 bis 22.30 Uhr im Foyer des Schauspielhauses

Die Ehrung der in Chicago lehrenden Dominikanerin erfolgt am 10. Dezember im Rahmen des Symposiums „Genderforschung - brauchen wir das?“ um 15.30 Uhr an der Uni Graz, wie die Theologische Fakultät ankündigte. Bereits um 14.00 Uhr wird in der Aula der Uni der „Elisabeth-Gössmann-Preis für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung“ an die evangelische Theologin Sabine Plonz überreicht.

„Rechtsruck“ bedroht Gleichberechtigung

Bibelwissenschaftlerin Fischer, die 1993 für die erste katholisch-theologische Frauenhabilitation in Österreich sorgte und seither vielbeachtete Beiträge zur alttestamentlichen Geschlechterforschung leistete, stellt die „lange Nacht der Genderlesung“ am 9. Dezember in den Kontext einer besorgniserregenden politischen Entwicklung: „Durch das heutige Europa geht ein Rechtsruck, der insbesondere die gesellschaftlichen Bemühungen um die Gleichbehandlung aller Geschlechter wenn nicht gar rückgängig, so doch zumindest lächerlich zu machen versucht.“ Mit der Lesung solle ein Zeichen gegen Diskriminierung gesetzt werden.

Texte von Sontag, Beauvoir, Despentes

Von den Lesenden frei ausgewählt wurden Texte, die „als programmatisch für eine Gleichbehandlung von Männern und Frauen und aller Geschlechter zu verstehen sind“: Gedanken von Simone de Beauvoir aus dem feministischen Klassiker „Das andere Geschlecht“ werden ebenso zu hören sein, wie solche der US-Essayistin Susan Sontag und der heuer verstorbenen Grazer Philosophin Elisabeth List. Schauspielhaus-Direktorin „Gastgeberin“ Iris Laufenberg liest aus „Das Leben des Vernon Subutex“ der französischen Romanautorin Virginie Despentes.

Weitere Vorlesende sind unter anderen die Nationalratsabgeordnete und ehemalige Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) mit einem Text der deutschen Autorin und Schauspielerin Katrin Bauerfeind, die Grazer grüne Stadträtin Judith Schwentner mit Passagen aus der Nationalratsdebatte zur 2011 gegenderten österreichischen Bundeshymne, die KPÖ-Stadträtin Elke Kahr, die ÖVP-Landtagsabgeordnete Alexandra Pichler-Jessenko, die Pharmakologin Irmgard Lippe, die Soziologin Katharina Scherke sowie die Grazer Theologinnen Anneliese Felber, Gunda Werner und Ulrike Bechmann. Musikalische und schauspielerische Beiträge ergänzen das Programm.

religion.ORF.at/KAP

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