Spirituelle Lektüre für die stillen Tage

Wer es vor Weihnachten noch nicht geschafft hat, zur Ruhe zu kommen und wieder einmal ein gutes Buch zu lesen, hat vielleicht in der ruhigeren Zeit nach den Feiertagen dazu Gelegenheit. Hier die Lesetipps von religion.ORF.at für Gabentisch und Feiertage.

Der Missbrauch an der Seele

Mit ihren Büchern „Nicht mehr ich“ und dem heuer erschienenen „Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche“ hat die Theologin und Philosophin Doris Wagner neben dem sexuellen auch den geistigen - oder eben sprituellen - Missbrauch in kirchlichen Institutionen zum viel beachteten Thema gemacht. Die frühere Ordensfrau schrieb darin auch über die Übergriffe, die sie selbst ertragen musste, sowie über die Ursachen, die solchen Missbrauch überhaupt erst möglich machen. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Doris Wagner: Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche. Herder, 208 Seiten, 20,60 Euro.

Der Kardinal und die Ex-Ordensfrau

Es war ein großes Medienereignis: Die frühere Ordensfrau und Autorin Doris Wagner und Kardinal Christoph Schönborn, einer der mächtigsten Männer in der römisch-katholischen Kirche, saßen einander in einem Gespräch gegenüber. Der Dialog erschien auch in Buchform. Wagner, die bereits zwei Bücher über den mehrfachen sexuellen wie spirituellen Missbrauch, dessen Opfer sie war, geschrieben hat, und der Kardinal sahen einander zum ersten Mal. Schönborn erzählte seiner Gesprächspartnerin von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Thema Missbrauch in der Kirche. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Doris Wagner/Christoph Schönborn: Schuld und Verantwortung. Ein Gespräch über Macht und Missbrauch in der Kirche. Herder, 128 Seiten, 16,50 Euro.

Ausschnitt Buchcover: Doris Wagner, Christoph Schönborn: Schuld und Verantwortung. Ein Gespräch über Macht und Missbrauch in der Kirche

Herder Verlag

Die frühere Ordensfrau und Autorin Doris Wagner und Kardinal Christoph Schönborn saßen einander in einem Gespräch gegenüber.

Abrechnung mit dem Zölibat

Es ist eines der heißesten Eisen der römisch-katholischen Kirche: Der Zölibat gehört zu den umstrittensten ihrer Einrichtungen. Der renommierte Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat dem Thema ein Buch in „16 Thesen“ gewidmet - eine Abrechnung. In 16 Kapiteln beleuchtet Wolf, der an der deutschen Universität Münster Geschichte lehrt, Gründe für die Einführung der zölibatären Lebensweise katholischer Geistlicher seit dem Mittelalter sowie Auswirkungen bis zum heutigen Tag. Unter anderem skizziert Wolf, warum es den Zölibat gar nicht geben müsste und er sogar leicht abgeschafft werden könnte. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Hubert Wolf: Zölibat. 16 Thesen. C. H. Beck, 190 Seiten, broschiert, 15,40 Euro.

Die Raben aus Hermannstadt

Arbeiten mit Außenseitern ist nicht immer einfach. Das weiß der Vorarlberger Jesuitenpater Georg Sporschill, hat er doch in Osteuropa viele Projekte aufgebaut, für Straßenkinder, für Roma, für Außenseiter. Jetzt kümmert er sich mit seinen Gefährten in der Nähe von Hermannstadt (Sibiu) in Rumänien um das Projekt „Elijah“, nach dem gleichnamigen Propheten und seinen Raben aus dem 1. Buch der Könige, 17,4: „Aus dem Bach sollst du trinken und den Raben habe ich befohlen, dass sie dich dort ernähren.“ Die Raben, das sind die dunklen, braunen Brüder, wie Sporschill sie nennt. Der Band erzählt kleine Geschichten von Erfolgen und Misserfolgen, zwei verdauliche Seiten für jede und jeden. Ein Buch zum Nachdenken für jene, denen es gut geht, ohne es zu wissen. (Roberto Talotta, ORF Religion Radio)

Georg Sporschill und Ruth Zenkert: „Mit Feuer vom Himmel - neue Geschichten von Elijah und seinen Raben“. Amalthea, 238 Seiten, 23 Euro.

Projekt "Elijah" in Rumänien

ORF/Roberto Talotta

Projekt „Elijah“ in Rumänien

Teresa von Avila: Zu Ziel und Sinn des Lebens vorstoßen

Sie war eine Frau, die vor 500 Jahren mit „so ziemlich allen Konventionen“ brach, um zum Ziel und zum Sinn ihres Lebens vorzustoßen: Teresa Sanchez de Cepeda y Ahumada, bekannt als Teresa von Ávila, wo sie 1515 geboren wurde. Ihre Klugheit und Tatkraft brachte sie ins Visier der Inquisition. Sie wurde Nonne, Karmelitin, gründete und reformierte Klöster, die zu Schutzräumen wurden, in denen Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft nach eigenen Vorstellungen leben konnten – und pflegte Freundschaften zu Männern. Ihr großes literarisches Werk gehört zur Weltliteratur, gilt als Schlüsseltext der Mystik und nimmt manche Erkenntnisse der modernen Psychologie vorweg. „Teresa von Avila. Die Biographie“ von Alois Prinz ist eine zügig und spannend geschriebene Reise ins Innere einer großen Mystikerin. (Doris Appel, ORF Religion Radio)

Alois Prinz: Teresa von Avila. Die Biographie. Inseltaschenbuch, 267 Seiten, 11,40 Euro.

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101 Antworten zum Buddhismus

101 Fragen unter anderem zu historischen Eckdaten, Begriffsklärungen, dem buddhistischen Menschenbild, ethischen Fragen und zum Verhältnis des Buddhismus zu anderen Religionen beantwortet der deutsche Religionswissenschaftler und Zen-Lehrer Michael von Brück kurz, bündig und doch umfassend. In „Buddhismus - Die 101 wichtigsten Fragen“ erfährt man beispielsweise, warum die Frage, ob die Gesunderhaltung des Körpers wichtig für die spirituelle Entwicklung ist, mit Ja und Nein beantwortet werden kann. (Nina Goldmann, religion.ORF.at)

Michael von Brück: Buddhismus - Die 101 wichtigsten Antworten. C.H. Beck, 159 Seiten, 12,40 Euro.

Publizist Gaisbauer: „Best of“ zum 80. Geburtstag

Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag am Dienstag legt der Publizist und Buchautor Hubert Gaisbauer ein „Best of“ seiner Radio- und Vortragstexte in Buchform vor. „Ja, ich bin ein Moralist“: Das gesteht der Religionsjournalist und frühere Leiter der Abteilung Religion im ORF-Hörfunk gleich im Vorwort von „Schonungslos zärtlich. Menschen - Bilder - Gedanken“. Ebenso wie seine Vorlieben: Die „Liebe zur bildenden Kunst und zur Dichtung, der Spurensuche in Leben und Werk von Dichterinnen und Malern, vielen Fragen der Religion und des Glaubens“ drückt sich in der Auswahl der Beiträge aus. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Hubert Gaisbauer: Schonungslos zärtlich. Menschen - Bilder - Gedanken. Tyrolia, 256 Seiten, 24,95 Euro.

Ein Bub aus der Ethnie der Waorani am Teata-Wasserfall, am Curaray-Fluss, in der Provinz Pastaza, Ecuador

APA/AFP/Rodrigo Buendia

Amazonas-Bischof, Umwelt- und Menschenrechtsverfechter Erwin Kräutler über die Krise in der Region

Amazonien als „Hölle“: Kräutler-Buch zur Synode

Am 6. Oktober reiste der frühere Amazonas-Bischof, Umwelt- und Menschenrechtsverfechter Erwin Kräutler zur Amazonien-Synode im Vatikan, an der er selbst maßgeblich beteiligt ist. Sein Buch zur Synode erschien bereits davor. Darin legt Kräutler seine Ansichten und Beiträge unter anderem zur Stellung der Frau in der katholischen Kirche, Integration, Ökologie, Seelsorge, zum Einsatz für die Armen und zur Situation der indigenen Völker in der Region dar. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Erwin Kräutler: Erneuerung jetzt. Impulse zur Kirchenreform aus Amazonien, 160 Seiten, Tyrolia-Verlag, 19,95 Euro.

Neue „Biografie“ der Bibel

Sie ist das „Buch der Bücher“, das wohl einflussreichste Schriftwerk der Geschichte, doch für viele auch ein Buch mit sieben Siegeln: die Bibel. Zwei Bibelwissenschaftler legen eine „Biografie“ des berühmtesten Buchs der Welt vor. Die Rezeption der Bibel hat sich im Lauf der Geschichte oft gewandelt: Was früher als gesichert galt, ist nun überholt. Konrad Schmid, Professor für Alttestamentliche Wissenschaft und Frühjüdische Religionsgeschichte an der Universität Zürich, und Jens Schröter, Professor für Neues Testament und neutestamentliche Apokryphen an der Humboldt-Universität zu Berlin, bringen Leserinnen und Leser auf den neuesten Forschungsstand. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Konrad Schmid, Jens Schröter: Die Entstehung der Bibel. Von den ersten Texten zu den heiligen Schriften. C. H. Beck, 505 Seiten, 32,90 Euro.

Auffindung des Mose (Wandmalerei aus der Synagoge von Dura Europos, Syrien, 3. Jh. n. Chr.)

Public Domain/Wikipedia

Eine „Biografie“ des Buchs der Bücher

Poetisches für Kopf und Herz

Einen Namen machte sich die Medizinstudentin und Influencerin („Jana glaubt“) schon mit 16 Jahren im Bereich Poetry-Slam, heuer veröffentlichte sie mit dem Band „heute ewig“ ihr bereits drittes Buch. Darin finden sich poetische Gedanken und Gedichte über Glaube, Gott und Liebe, aber auch Highholders ganz persönliche Auffassung von gelebtem Christentum in der heutigen Zeit. Grundlegendes Thema ist immer der Glaube, „das Fundament“ ihres Lebens, wie sie selbst sagt. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Jana Highholder: Heute ewig. Texte, die in den Kopf gehen und ins Herz. Herder Verlag, 104 Seiten, 12,40 Euro.

Ein islamisches Reich in Europa

Zwischen 711 und 1492 existierte in Europa in unterschiedlichen Grenzen ein islamisch regiertes Reich. „Al-Andalus“ prägte die kulturelle Entwicklung großer Teile Spaniens nachhaltig. Auf den Gebieten von Wissenschaft und Kunst erlebte die Region einen Aufschwung, der auch auf das übrige Europa Einfluss hatte, so Brian A. Catlos, Professor für Religionsgeschichte an der University of Colorado. Er bettet in sein lebendiges, gut lesbares Buch neue, noch nicht allgemein bekannte Fakten ein, die das Verständnis von „Al-Andalus“ grundlegend verändern. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Brian A. Catlos: Al-Andalus. Geschichte des islamischen Spanien. C H Beck 491 Seiten, 30,80 Euro.

Versöhnung des Katholizismus mit der Aufklärung

Der deutsche Kirchenhistoriker und römisch-katholische Priester Hubert Wolf möchte den Mythos der Reformunfähigkeit der Kirche entlarven. In „Verdammtes Licht - Der Katholizismus und die Aufklärung“ beschreibt der Autor die Konflikte zwischen Reformkräften und ihren Gegnern, die Angst der Päpste vor der Demokratie und verweist auf Optionen der Veränderung, die doch durch und durch katholisch sein können. (Nina Goldmann, religion.ORF.at)

Hubert Wolf: Verdammtes Licht - Der Katholizismus und die Aufklärung. C.H. Beck, 314 Seiten, 30,80 Euro.

Christentum, Islam und das Erbe der Aufklärung

Von der Aufklärung und ihrer Bedeutung für die europäische Kultur ist derzeit wieder viel zu hören und zu lesen - insbesondere, wenn es um Strategien gegen religiösen Fanatismus geht. Doch ist das Erbe der Aufklärung generell Religionsfeindlichkeit? Der Wiener Historiker und Universitätsdozent Georg Cavallar hat dem Themenkreis Aufklärung und Religion(en) zwei Bücher, eines davon mit Schwerpunkt auf den Islam, gewidmet. Unter anderem will er dem „Klischee von der religionsfeindlichen europäischen Aufklärung“ entgegentreten. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Georg Cavallar: Gescheiterte Aufklärung? Ein philosophischer Essay. Kohlhammer, 202 Seiten, 24,70 Euro und Islam, Aufklärung und Moderne. Kohlhammer, 226 Seiten, 26,70 Euro.

Crashkurs Islam

Der Diskurs über den Islam, die zweigrößte Weltreligion, wird derzeit oft kontrovers ausgetragen und ist mitunter von Vorurteilen geprägt. Der Pfarrer und Buchautor Hermann Josef-Frisch hat sich mit „Wie Muslime leben. Traditionen, Feste, Alltagsleben“ vorgenommen, Wissenslücken über die Buchreligion zu schließen und Leserinnen und Lesern Alltag, Glaubensinhalte und Feste von Muslimen vorzustellen. Dabei blickt er über den europäischen Tellerrand hinaus und präsentiert auch harte Fakten über die Lebensweise von Musliminnen und Muslimen weltweit. (Johanna Grillmayer, religion.ORF.at)

Hermann Josef-Frisch: Wie Muslime leben. Traditionen, Feste, Alltagsleben. Herder, 224 Seiten, 22,70 Euro.

  • „The New Pope“: Neue Päpste überall
    Die mit einem Golden Globe ausgezeichnete Serie „The Young Pope“ des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino kehrt mit einer Fortsetzung zurück. „The New Pope“ reiht sich in eine Riege jüngster Film- und TV-Produktionen ein, die sich mit Päpsten befassen.
  • Klimakrise: Religionsdiskussion über Perspektiven
    Eine interreligiös besetzte Runde erörtert am Freitag, welche Perspektiven und Motivationen Religionen bieten, ein Umdenken der Menschen in Bezug auf die Klimakrise zu bewirken.
  • „Die zwei Päpste“: Duell der alten Männer
    „Die zwei Päpste“ des brasilianischen Regisseurs Fernando Meirelles hat alles, was ein Papst-Film braucht: kluge Sprachduelle, liebevolle Ausstattung, neben Pathos und Zeitgeschichte auch ein paar Witze - und vor allem zwei überragende Schauspieler in den Titelrollen.
  • Otto-Neururer-Film auf Tour durch Österreich
    Der Film „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ läuft derzeit noch in österreichischen Kinos. Neururer war Tiroler Dorfpfarrer, der sich den Nazis widersetzte. Er wurde 1940 im KZ Buchenwald ermordet und 1996 seliggesprochen.
  • Zufallsfund eröffnet Einblick in jüdische Geschichte
    Durch Zufall sind Teile einer 1938 zerstörten Synagoge in Wien wiederentdeckt worden. Die erstaunlichen Funde werden ab Freitag in einer Ausstellung im Haus der Geschichte Österreich (hdgö) gezeigt.
  • Neue „Biografie“ der Bibel
    Sie ist das „Buch der Bücher“, das wohl einflussreichste Schriftwerk der Geschichte, doch für viele auch ein Buch mit sieben Siegeln: die Bibel. Zwei Bibelwissenschaftler legen eine „Biografie“ des berühmtesten Buchs der Welt vor.
  • Brisanter Film: Missbrauch und Schuld der Kirche
    Der französische Regisseur Francois Ozon seziert in „Gelobt sei Gott“ einen hochaktuellen Fall massenhaften Missbrauchs an Buben durch einen französischen Priester, die Spätfolgen von sexueller Gewalt und den Umgang der katholischen Kirche mit den Opfern.
  • Buch: Der Kardinal und die Ex-Ordensfrau
    Es war ein großes Medienereignis: Die frühere Ordensfrau und Autorin Doris Wagner und Kardinal Christoph Schönborn, einer der mächtigsten Männer in der römisch-katholischen Kirche, saßen einander in einem Gespräch gegenüber. Der Dialog erschien jetzt in Buchform.
  • Familienbilder von Liebe und Gewalt
    Liebe und Gewalt, Geborgenheit und Missbrauch: Familie formt und prägt uns auf unterschiedlichste Weise. „Family Matters“, die dritte große Schau des Dom Museums Wien seit der Neueröffnung im Oktober 2017, steckt den Begriff weit.
  • Amazonien als „Hölle“: Kräutler-Buch zur Synode
    Am 6. Oktober reist der frühere Amazonas-Bischof, Umwelt- und Menschenrechtsverfechter Erwin Kräutler zur Amazonien-Synode im Vatikan, an der er selbst maßgeblich beteiligt ist. Sein Buch zur Synode liegt bereits vor.