Nonnenkrone der Hildegard von Bingen identifiziert

Die einzige erhaltene und bekannte Nonnenkrone des Mittelalters wurde offenbar für Hildegard von Bingen (1098-1179), Äbtissin des Klosters Rupertsberg bei Bingen, geschaffen.

Das weisen die Kuratorin der schweizerischen Abegg-Stiftung, Evelin Wetter, und der Pariser Kunsthistoriker Philippe Cordez in einer gemeinsamen Veröffentlichung nach. Die Krone ist Teil der Dauerausstellung im Museum der Stiftung in Riggisberg in den Berner Voralpen, die sich dem Sammeln, Erhalten und Erforschen von historischen Textilien widmet.

Die Nonnenkrone wurde laut Wetter und Cordez eigens für Hildegard am Ende ihres Lebens geschaffen. Man wollte demnach über ihren Tod hinaus die Erinnerung wachhalten und hoffte auf eine Heiligsprechung. Diese erfolgte jedoch erst 2012, als Papst Benedikt XVI. (2005-2013) sie zur Heiligen für die Universalkirche und zur Kirchenlehrerin bestimmte.

Nicht aus Gold und Edelsteinen

Wer den Begriff Krone hört, denkt an Gold und Edelsteine, einen festen Reif, den man auf den Kopf setzt. Damit hat die Nonnenkrone Hildegards nichts gemeinsam, denn sie besteht aus einer textilen Goldborte, die mit verschiedenen bestickten Amuletten verziert ist. Jahrhunderte nach ihrer Entstehung wurde sie mit einem blauen Stoff unterfüttert, so dass sie weniger wie eine Krone als eine Mütze oder Kappe aussieht.

Nach dem Tod Hildegards 1179 kamen ihre Krone, ihr Schleier und Haarreliquien in die Benediktinerabtei St. Matthias in Trier. Nach der Auflösung der Abtei im Jahr 1802 ist der weitere Verbleib zunächst unbekannt, dann gelangten die Gegenstände in den Besitz einer französischen Adelsfamilie in der Region Avignon. 1999 wurde die Nonnenkrone mit der Beschreibung als päpstliche oder bischöfliche Kappe in Paris versteigert. Im Jahr 2000 konnte die Abegg-Stiftung diese Kopfbedeckung für das Museum erwerben, wo sie zunächst mit der Zuschreibung als Nonnenkrone verwahrt wurde.

Ab Ende April zu sehen

Mitte des 12. Jahrhunderts erregte die Bestimmung Hildegards Aufsehen und auch Kritik, die Schwestern im Kloster Rupertsberg an hohen Festtagen mit offenem Haar, einem Schleier und einer Krone die Gebete sprechen zu lassen. Nach der Interpretation von Wetter und Cordez standen die Kronen für die starke Rolle der Frauen in der christlichen Gesellschaft ihrer Zeit. Die Kronen der Rupertsberger Jungfrauen sollten auf einer Ebene mit den Insignien der Kleriker etabliert werden.

Das Museum der Abegg-Stiftung ist zur Zeit geschlossen. Ab Ende April ist die Nonnenkrone der Visionärin und Universalgelehrten Hildegard wieder zu sehen.

religion.ORF.at/KAP/KNA

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