Auszug aus Pells Gefängnistagebuch veröffentlicht

Ein Auszug aus dem geplanten Gefängnistagebuch des australischen Kardinals George Pell ist auf einer US-amerikanischen Website veröffentlicht worden.

In der etwa drei Seiten langen Passage für die August-Ausgabe der Zeitschrift „First Things“ schildert Pell meist nüchtern die äußeren Umstände seiner 13-monatigen Haft. Im Februar 2019 war er wegen Missbrauchs zweier Chorknaben zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Anfang April dieses Jahres hob der High Court die vorigen Urteile wegen mangelnder Beweislage auf.

In dem nun veröffentlichten Passus fasst Pell seine gesammelten Erfahrungen mit den Worten zusammen: „Es gibt viel Gutes in Gefängnissen.“ Auch wenn diese vielerorts „die Hölle auf Erden“ seien, habe er selber Glück gehabt und sei gut behandelt worden. „Ich war beeindruckt von der Professionalität der Wärter, dem Glauben der Gefangenen und dem vorhandenen moralischen Bewusstsein auch dunkelsten Orten“, so der Kardinal.

Kardinal in Einzelhaft

In Melbourne wie später in Barwon wurde Pell in Einzelhaft gehalten. Dies sei zu seinem Schutz geschehen, weil Straftäter, die wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden, in der Rangfolge der Häftlinge ganz unten stehen. Verständlich, wie Pell selber schreibt. Das sei ein Indiz, dass auch Straftäter ein moralisches Bewusstsein für das Ausmaß unterschiedlicher Schuld haben. Gleichzeitig sei unter Gefangenen wie Wärtern des Öfteren über seine Schuld oder Unschuld gesprochen worden.

Das komplette, über 1.000 Seiten lange Gefängistagebuch des ehemaligen Erzbischofs von Sydney und Leiters des vatikanischen Wirtschaftssekretariats soll Anfang 2021 in einem US-amerikanischen Verlag erscheinen.

religion.ORF.at/KAP

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