Bildung

Theologie für Laien: 80 Jahre Theologische Kurse

Seit 1940 bestehen die Theologischen Kurse in Wien. Sie bieten theologische Bildung abseits der Universität und in Spezialkursen auch Wissen über nichtchristliche Religionen. Unter dem Titel „80 Jahre und kein bisschen alt“ wird am 1. Oktober gefeiert.

Das Kernangebot der Theologischen Kurse ist seit 80 Jahren der zweijährige Kurs, der – orientiert an den Fächern des universitären Theologiestudiums – eine umfassende Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben bietet. Er kann als Präsenzkurs in Wien am Stephansplatz und bereits seit 1950 als Fernkurs mit Studienwochen oder Studienwochenenden an verschiedenen Orten in ganz Österreich besucht werden. Zusätzlich werden Spezialkurse angeboten.

Laut dem Leiter der Theologischen Kurse, Erhard Lesacher, geht es darum, „Glauben im Horizont von Kirche und Gegenwart nachzudenken und zu verstehen, was Sie glauben – und woran Sie zweifeln“, so eine Aussendung zum Jubiläum.

Gegründet 1940

Weil damals Laien nicht Theologie studieren durften, das Bedürfnis nach dem Verstehen des christlichen Glaubens in der Kriegszeit aber stark war, gründete die Philosophin Margarete Schmid 1940 das „Theologische Laienjahr“. Später wurden daraus die Theologischen Kurse. Im deutschsprachigen Raum ist es die älteste Erwachsenenbildungseinrichtung der römisch-katholischen Kirche.

Das Curhaus am Stephansplatz in Wien, in dem die Theologischen Kurse stattfinden
Theologische Kurse
Am Stephansplatz 3 in Wien sind die Theologischen Kurse untergebracht

Nach dem Zweiten Weltkrieg war bis in die 70er-Jahre für die Zulassung zum Kurs eine „priesterliche Empfehlung“ notwendig. Heute steht der Kurs allen Interessierten offen. „Weder ein bestimmtes Alter noch eine bestimmte Vorbildung, weder kirchliches Engagement noch die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche ist erforderlich“, heißt es in der Aussendung.

Auch Muslime und Agnostiker haben demnach den Kurs bereits absolviert. Die Öffnung der Institution werde in der thematischen Ausrichtung der Spezialkurse und der „Akademie am Dom“ sichtbar. In diesen beiden Programmschienen, in denen Expertinnen und Experten aus Theologie und anderen Wissenschaften mitwirken, geht es um die Reflexion von Lebens- und Glaubensfragen im Kontext von Theologie, Kirche, Religion, Wissenschaft, Politik und Kultur. Die nächsten Kurse starten im Oktober, Anmeldungen sind bis 18. September möglich.

Theologische Kurse

Die Theologischen Kurse sind eine Bildungseinrichtung der römisch-katholischen Kirche Österreichs – getragen von der Erzdiözese Wien und der Österreichischen Bischofskonferenz.

Spezialkurse und Akademie am Dom

Die öffentlichen Vorträge und Podiumsveranstaltungen der Akademie können einzeln besucht werden. Aktuell gibt es unter anderem Veranstaltungen zu verschiedenen Aspekten der Coronavirus-Krise, aber auch zur Klimakrise. Die ebenfalls etablierten Spezialkurse bieten Basiswissen über das Christentum für Christen, Nicht- und Andersglaubende an, und befassen sich mit den anderen Weltreligionen, demnächst etwa mit dem Koran sowie mit der Vielfalt der Weltreligionen.

Interreligiöse Jubiläumsfeier

Im ersten Teil der Jubiläumsfeier werden Gäste unterschiedlicher Weltanschauungen, Religionen und Konfessionen nach ihren Hoffnungen gefragt: Amani Abuzahra (Philosophin und Muslima), Karoline Feyertag (Philosophin und Agnostikerin), Christine Hubka (evangelische Pfarrerin A. B. und Gefängnisseelsorgerin), Schwester Vassa Larin (Theologin und russisch-orthodoxe Nonne), Bhante Seelawansa (buddhistischer Mönch), Georg Semler (Meister vom Stuhl der Großloge Österreich) und Ruth Wodak (Sprachwissenschaftlerin – sie wird aus der Sicht des säkularen Judentums sprechen).

Veranstaltungshinweis

Donnerstag, 1. Oktober 2020, 18.30 – 20.00 Uhr Jubiläum der Theologischen Kurse in der Donaucitykirche.

Ausgangspunkt dafür sei die biblische Aufforderung im 1. Petrusbrief, die der Grundauftrag der Theologischen Kurse sei: Theologische Bildung für einen tragfähigen und gesprächsbereiten Glauben: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15).

Bestandsaufnahme und Entwicklungspotenzial

Der zweite Teil der Jubiläumsfeier ist weiteren „Außenperspektiven“ gewidmet: Christa Schnabl, Vizerektorin der Universität Wien, wird unter dem Titel „Wissen ist keine Einbahnstraße“ die Bedeutung von Bildungseinrichtungen wie der Theologischen Kurse für die Universität skizzieren. Der Journalist Markus Rohrhofer (Der Standard) beleuchtet die Rolle theologischer Bildung in der medialen Öffentlichkeit.

Der frühere Bundespräsident und Präsident des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, Heinz Fischer, wird aufzeigen, was theologische Bildung und eine katholische Akademie leisten (soll). Ein abschließendes Podium widmet sich der Frage, wohin sich die Theologischen Kurse und die Akademie am Dom in den nächsten 20 Jahren entwickeln soll.