Ausstellung im Kärntner „KunstQuadrat“
Karl-Heinz Kronawetter
Karl-Heinz Kronawetter
Kärnten

Pflanzen und Schatten im Dom

Florale Formen und Farben haben das diesjährige „KunstQuadrat“ im Dom zu Maria Saal (Kärnten) inspiriert: In dem kleinen Raum mit Kreuzrippengewölbe werden unter der Empore Pflanzen montiert und wie ein Mobile aufgehängt.

Die Installation der österreichischen Künstlerin Iris Andraschek ist ab Sonntag, 27. September, zugänglich. Der Künstler Hubert Lobnig ergänzt sie mit seiner Licht- und Projektionstechnik: Die Pflanzen werden von unten beleuchtet und werfen so bewegte Schatten an die Decke und die Wände.

„Wie für eine wissenschaftliche Anordnung, für ein Experiment oder eine Untersuchung sind die Pflanzen ausgesucht, hängend getrocknet, vorbereitet und angeordnet“, heißt es in der Ankündigung der Diözese Gurk-Klagenfurt.

Von Deckenfresken inspiriert

Beim Betreten der Stiftskirche von Maria Saal seien Andraschek und Lobnig sofort die berühmten Deckenfresken des anonymen Malers ins Auge gesprungen, wird zum Entstehungsprozess mitgeteilt. Darauf zu sehen sind „sonderbare Knospen, Blütensprossen und Stängel, die Unterkörper der dargestellten Figuren bilden und aus denen sie geburtsartig herauswachsen“ – so die Stammväter und die vier Stammmütter des Matthäus-Evangeliums.

Ausstellung im Kärntner „KunstQuadrat“
Karl-Heinz Kronawetter
Die Deckenfresken der Stiftskirche von Maria Saal inspirierten die Künstler

Einen entscheidenden Impuls zur Installation gab auch der Kärntner Pflanzengeograf Friedrich Welwitsch (1806-1872), den Andraschek und Lobnig durch eine Radiosendung kennen lernten. Welwitsch begann seinen Weg durch Europa und Afrika als wichtiger Botaniker des 19. Jahrhunderts von Maria Saal aus und hinterließ zahlreiche gesammelte Pflanzen. Als Titel ihrer Intervention – „eine gedrängte Aufzählung“ – wählten die beiden Künstler ein Zitat aus den „Botanischen Wanderungen“ Welwitschs.

„Ein synästhetischer Rausch“

„Licht und Schatten und Raum spielen in der Dramaturgie der katholischen Kirchen eine zentrale Rolle“, so der Text zur Ausstellung auf der Website der Diözese. Durch die Beleuchtung der alten Kirchen mit Kerzen habe die Schwärzung mit Ruß nicht nur eine unbeabsichtigte Patina gebildet, „sondern auch einen Zugewinn an Stimmung für die Liturgie, die mit Weihrauch noch verstärkt wurde und wird. Ein synästhetischer Rausch aus performativem Ereignis, Gerüchen, Geräuschen, Musik, Licht- bzw. Schattenwürfen und ein Hauch von Unheimlichkeit.“

„KunstQuadrat“ unter der Empore

Unter der Empore der mit Kunstwerken aus fünf Jahrhunderten ausgestatteten Maria Saaler Pfarr- und Wallfahrtskirche unweit von Klagenfurt befindet sich ein Raum mit quadratischer Grundfläche, der für zeitgenössische Kunst einen geeigneten Platz bietet. Der Katholische Akademikerverband Kärnten rief in Zusammenarbeit mit der Pfarre Maria Saal das Projekt „KunstQuadrat“ ins Leben, das einmal im Jahr bildenden Künstlern die Möglichkeit gibt, in dieser viel besuchten Kirche auszustellen und in einen Dialog mit dem Ambiente des Sakralraumes zu treten.

Ausstellungstipp

„Eine gedrängte Aufzählung“. Installation von Iris Andraschek, Licht- und Projektionstechnik von Hubert Lobner. „KunstQuadrat“ im Dom zu Maria Saal, von 27. September bis 22. November

Auf die erfolgreichen Arbeiten von Ina Loitzl (2018) und Bernhard Wolf (2019) folgt ab 27. September um 10.00 Uhr die Eröffnung der Installation von Iris Andraschek und Hubert Lobnig im Rahmen der Sonntagsliturgie.

Das „KunstQuadrat 2020“ lädt Besucher ein, in einen Dialog mit den floralen Fresken und der experimentellen Pflanzeninstallation zu treten, heißt es auf der Website der Diözese Gurk. Es ist auch ein Platz vorgesehen, an dem die Kirchgänger in der Zeit des Erntedanks eingeladen werden, das Pflanzenarrangement zu ergänzen. Die Installation bleibt bis 22. November täglich zugänglich.