Darstellerinnen und Darsteller eines Orchesters aus Israelis und Palästinensern
christian lüdeke
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Kultur

Jüdisches Filmfestival: Musik als Friedenskraft

Der Eröffnungsfilm „Crescendo“ des Jüdischen Festivals Wien, das von 7. bis 21. Oktober dauert, lenkt den Blick auf ein musikalisches Friedensprojekt: Israelische und palästinensische Jugendliche bilden ein Orchester.

Im Rahmen von Friedensverhandlungen zwischen Diplomaten aus Israel und Palästina soll in Südtirol ein Konzert eines Jugendorchesters stattfinden, das sich aus Angehörigen der verfeindeten Volksgruppen zusammensetzt. Das ist das Thema des Spielfilms „Crescendo #MakeMusicNotWar“ von Dror Zahavi, der das diesjährige Jüdische Filmfestival Wien eröffnen wird.

Der berühmte Dirigent Eduard Sporck (Peter Simonischek) übernimmt die nahezu unlösbare Aufgabe, einen harmonischen Klangkörper zusammenzustellen. Und die Musik erweist sich als Friedenskraft: „Die Jugendlichen sehen nach und nach im gemeinsamen Zueinanderfinden und Musizieren einen ersten Weg zur Überbrückung von Hass, Intoleranz und Terror“, heißt es in der Ankündigung des Streifens.

Peter Simonischek als Dirigent Eduard Sporck
Oliver Oppitz Photography

„Tear down the walls!“

„Tear down the walls!“ („Reißt die Mauern nieder!“): Dieser Aufruf eines Vorgängers von Donald Trump als US-Präsident, Ronald Reagan, bildet das Leitmotiv der 28. Auflage des Jüdischen Filmfestivals Wien. Dessen Programm im Village Cinema, Metro Kinokulturhaus und im Gartenbaukino, wirft die Frage auf, welche physischen Mauern, aber auch Mauern im Denken heute abgetragen werden müssten.

Sendungshinweis

Religion aktuell, Dienstag, 6.10.2020, 18.55 Uhr, Ö1.

Antworten darauf geben Porträts jüdischer Frauen, die mit kreativer Energie ihre Ziele erreichten, neue Berichte von Zeitzeugen der Naziherrschaft sowie eine Auswahl an neuen und älteren Spielfilmen aus der DDR und Israel. Auch „Abe“ will Mauern niederreißen, und zwar mit seiner Kochkunst. Der Bub übt sich in Fusionsküche und zeigt, wie gutes Essen die unterschiedlichen Kulturen zusammenbringen kann.

Gedenkjahr 2020

Ein Schwerpunkt ist dem Gedenkjahr 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gewidmet. Dabei wird Axel Cortis „Ein junger Mann aus dem Innviertel“ (A 1973) über die Wiener Jahre Adolf Hitlers ebenso gezeigt, wie die bewegenden Zeitzeugen-Schilderungen in „Determined: The Story of Holocaust Survivor Avraham Perlmutter “ (USA 2020). Ergänzt werden die Filme durch einen Vortrag von Hannes Leidinger und Christian Rapp über Hitlers prägende Kindheits- bzw. Jugendjahre und die Entwicklung seiner fatalen Weltanschauung.

Einblicke in die Vielfalt des heutigen israelischen Filmschaffens ermöglichen Filme wie das Familiendrama „Esau“ (2019), die Komödie „Forgiveness“ (2019), oder „Liebe war es nie“ (A/Isr 2019). Traditionell gedenken die Programmplaner auch diesmal wieder verstorbener Filmkünstlerinnen und -Künstler wie Kirk Douglas, Hannelore Elsner und Ennio Morricone.