MuTh, Konzertsaal der Wiener Sängerknaben, in Leopoldstadt Wien
MuTh/Helmut Karl Lackner
MuTh/Helmut Karl Lackner

Anklage an Gott aus dem Warschauer Ghetto

Im Wiener Konzertsaal MuTh wird am Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November die Geschichte von Jossel Rakover gelesen. Es ist eine fiktive Geschichte eines Juden, der den Brand im Warschauer Ghetto überlebte und im brennenden Haus sein Testament schrieb. Es ist eine Anklage an Gott.

Aktueller Hinweis:

Die Veranstaltung wird aufgrund der Coronavirus-Beschränkungen nicht mit Publikum stattfinden, sondern zum selben Zeitpunkt live gestreamt. Bereits bezahlte Tickets werden rückerstattet.

Rakovers Testament – versteckt in einer Flasche und unter Steinen verborgen – wird in den Ruinen des Warschauer Ghettos zwischen Trümmern, Gebeinen und verkohltem Hausrat gefunden. Es ist eine ergreifende Ansprache an Gott: den Tod vor Augen, schreibt Rakover das nieder, was einer von Millionen Juden fühlt, dessen Volk vernichtet werden sollte. Er geht voller Schmerz mit Gott hart ins Gericht.

Die Sängerin und Künstlerin Timna Brauer liest aus Zvi Kolitz‘ Buch „Jossel Rakovers Wendung zu Gott“. Eine fiktive Erzählung, die wegen ihrer Eindringlichkeit immer wieder als authentisches Dokument veröffentlicht wurde.

„Flaschenpost an Gott“

Lesung mit Timna Brauer und Instrumentalmusik, Mo 9.11, 19.30 bis 20.45 Uhr im Livestream auf der MuTh-Website.

Jahrestag der Reichspogromnacht

Die Lesung findet am 9. November und somit am 82. Jahrestag der Reichspogromnacht statt, in der hunderte Jüdinnen und Juden in Österreich und Deutschland ermordet, tausende Menschen verhaftet und in der Folge in Konzentrationslager deportiert wurden.

Die Veranstalter kündigen auf ihrer Website einen „Abend voller Klang, Stille, Schmerz und Liebe“ an. Den musikalischen Part der Lesung liefert die Bassethorn-Formation bassetto a tre. „Das Trio, bestehend aus Helmut Hödl, Hubert Salmhofer und Wolfgang Kornberger, improvisiert voller Empathie und Virtuosität, spielt aber auch Klassisches; dabei agiert bassetto a tre – kongenial zu Timna Brauers Interpretation – interaktiv und installiert so Jossel Rakovers Flammeninferno auf eindrucksvolle Weise im MuTh, dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben.“ Die Regie führt Reinhard Seifert.