Lockdown

Keine Gottesdienste: Frankreichs Bischöfe klagen

Wegen des Verbots öffentlicher Gottesdienste im aktuellen neuerlichen Coronavirus-Lockdown in Frankreich haben mindestens sechs Bischöfe beim Staatsrat Berufung eingelegt. Vertreter anderer Religionen lehnten dagegen ab, den Rechtsweg zu beschreiten.

Auch der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort von Reims, beschloss, das oberste Verwaltungsgericht zu befassen, wie die deutsche katholische Nachrichtenagentur (KNA) unter Berufung auf die Zeitung „La Croix“ berichtet. Der Staatsrat ist zugleich Gericht wie Beratungsgremium der Regierung in Rechtsfragen, das Gesetzentwürfe vor der Beschlussfassung prüft.

Der Bischof von Frejus-Toulon, Dominique Rey, sprach von einem Verstoß gegen die Religionsfreiheit. Die Versammlung im Gottesdienst sei für Christen von zentraler Bedeutung; sie strukturiere das „persönliche und geschwisterliche Leben“. Dies gelte auch für die gemeinschaftliche Feier im Islam und im Judentum.

Bischof: Rechtliche Schritte legitim

„Das christliche Volk erwartet von seinen Hirten, dass sie die Möglichkeit verteidigen, zur Messe zu gehen“, so Bischof Rey. Für die Bischöfe sei es daher „legitim, rechtliche Schritte einzuleiten“.

Gläubige in Frankreich bei einer Kirche, vor der eine bewaffnete Polizistin steht
APA/AFP/Thomas Coex
Mehrere katholische Bischöfe in Frankreich klagen gegen die Aussetzung von Gottesdiensten

Neben den Bischöfen haben auch mehrere Bewegungen den Staatsrat angerufen, darunter die katholischen Familienverbände (AFC). Sie bitten darum, „Versammlungen in religiösen Einrichtungen zu genehmigen“, deren Dauer auf 90 Minuten begrenzt wird. „Spirituelle Unterstützung und die Notwendigkeit von gemeinschaftlichen Zeremonien für alle Anhänger einer Religion sind unerlässlich“, so der Familiendachverband.

Verbot bereits einmal gekippt

Im Rahmen des vorerst bis Ende November geltenden Lockdowns dürfen die Franzosen derzeit nur mit einem triftigen Grund öffentlichen Raum betreten, etwa um einzukaufen, für Arztbesuche oder den Weg zum Arbeitsplatz. Spaziergänge oder Sport an der frischen Luft sind täglich auf eine Stunde im Radius eines Kilometers zur eigenen Wohnung beschränkt. Im Handel haben nur Geschäfte geöffnet, die lebensnotwendige Produkte verkaufen; Gastronomiebetriebe und Kultureinrichtungen sind geschlossen.

Der französische Innenminister Gerald Darmanin erklärte zu den neuerlichen Lockdownregelungen, dass Gotteshäuser geöffnet bleiben dürften, öffentliche Gottesdienste aber ausgesetzt werden müssen. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr hatte die französische Regierung öffentliche Gottesdienste aussetzen lassen und an diesem Schritt auch nach ersten Lockerungen festgehalten. Daraufhin kippte der Staatsrat das strikte Verbot mit dem Argument, dass dies nicht verhältnismäßig sei, wenn andernorts Treffen von bis zu zehn Personen möglich sind.

Rabbiner und Islamrat zurückhaltend

Im aktuellen Streit zwischen Kirche und Regierung lehnen Vertreter anderer Religionen den von den Bischöfen eingeschlagenen Rechtsweg ab. Sie führten laut „La Croix“ den Wert der Schutzmaßnahmen, Solidarität mit den Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie oder den Wunsch an, einen offenen Dialog mit den Behörden aufrechtzuerhalten.

„Wir müssen kein Urteil über die Haltung der Katholiken fällen; aber wir befürworten eine andere Methode“, sagte Frankreichs Oberrabbiner Haim Korsia. Ihm gehe weniger darum, „dass die Justiz ein Recht einschränkt, sondern dass es der Regierung und den Religionsgemeinschaften endlich gelingt, einen Modus vivendi zu finden“, wird er zitiert.

Zuhause beten funktionierte gut

Allerdings müssten die Beschränkungen eigentlich nach gemeinsamen Verhandlungen festgelegt werden, erinnerte der Oberrabbiner. Er forderte die Behörden auf, schnell Klarstellungen zu den genauen Modalitäten der Aussetzung von Gottesdiensten vorzulegen.

Auch der französische Islamrat (CFCM) verzichtete auf die Bitte um Ausnahmeregelungen. Zugleich räumte er seine Sorge vor einem Zulauf „großer Menschenmengen“ zum Freitagsgebet an den Moscheen ein. Muslime sollten zu Hause beten; das habe im Frühjahr „gut funktioniert“.

Die Protestantische Föderation Frankreichs (FPF) forderte die Gläubigen auf, die Anweisungen der Regierung einzuhalten. Man warte noch auf Anweisung, ob Video-Streaming und Aufzeichnung von Gottesdiensten mit bis 20 ausgewählten Personen möglich seien.