Ein Paar von oben mit langen Schatten fotografiert
APA/dpa-Zentralbild
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„16 Tage gegen Gewalt“

Katholikinnen für mehr Frauenschutz

Den weiteren Ausbau des Gewaltschutzes in Österreich fordert die katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö). Coronavirus-Pandemie und Lockdowns hätten zu mehr häuslicher Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen geführt, mahnte die kfbö.

Die stellvertretende kfbö-Vorsitzende Petra Unterberger äußerte sich in einer Aussendung zum Start der weltweiten Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ am Mittwoch. Dazu komme, dass mit den Schulschließungen und der eingeschränkten Versorgungslage der Druck auf Familien steige – insbesondere auf Frauen, die einen Großteil der Sorgearbeit erledigten.

Konkret seien in Österreich neben mehr Geld für Prävention und Gewaltschutz auch der Ausbau von Frauenberatungs- und Hilfseinrichtungen, Verbesserungen des Opferschutzes und der Prozessbegleitung, klare und verbindliche Richtlinien für die Strafverfolgungsbehörde bei Gewalt an Frauen und Kindern sowie mehr Antigewalttrainings nötig, zählte Unterberger auf.

Frauen und Mädchen sollten über Hilfsangebote ausreichend informiert und der Zugang zu ihnen kostenlos und auch niederschwellig gehalten werden.

Weltweite Aktionstage gegen Gewalt

Die weltweite Aktion „16 Tage gegen Gewalt“ macht jedes Jahr im Zeitraum zwischen dem 25. November („Internationaler Tag gegen Gewalt an Mädchen und Frauen“) und dem 10. Dezember („Internationaler Tag der Menschenrechte“) auf das Thema „Gewalt an Frauen und Mädchen“ aufmerksam.

Die katholische Frauenbewegung beteiligt sich in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen auch im Coronavirus-Jahr mit diversen Aktionen, die von der Bestrahlung dutzender Kirchen mit orangem Licht über Kunstperformances bis hin zu einer Online-Trickfilmvorführung und einer Podcast-Serie reichen.

Trickfilme von Frauen

So lädt die kfbö etwa gemeinsam mit der Initiative „Klappe auf“ zu einer Trickfilmreihe, bei der sechs von Frauen produzierte Filme im Themenbereich „Care und Gewalt“ öffentlich präsentiert und diskutiert werden. Aufgrund des Lockdowns werden die Filme nicht wie geplant in der Wiener Brunnenpassage vorgeführt, sondern im Zeitraum von 26. November bis 7. Dezember auf der Internetseite trickywomen online zugänglich gemacht. Über Reflexionsfragen sollen Diskussionen in Online-Gruppen angeregt werden.

Podcasts für Auswege

Die kfb Kärnten hat unter dem Titel „Wort-Gewaltig-Orange the World 2020“ einen Podcast gestartet, in dem Vertreterinnen und Vertreter aus Organisationen, die mit Opferschutz und dem Thema Gewalt zu tun haben, zu Wort kommen: Vertreter eines Mädchen- und eines Gewaltschutzzentrums beispielsweise ebenso wie von der Caritas-Männerberatung.

Gewalt sei „allgegenwärtig“ und geschehe „hinter verschlossenen Haustüren ebenso wie in der Nachbarwohnung oder in der Familie, die uns auf der Straße entgegen kommt“, betont die kfb Kärnten. Die Audiobeiträge sollen daran erinnern, aber auch „Mut stiften und Auswege aus der Gewaltspirale zeigen“.

Orange Kirchen und Kunstinstallation

Thematisch eng mit den Anliegen der „16 Tage“ verknüpft ist auch die UNO-Kampagne „Orange the World“, bei der weltweit öffentliche Gebäude in oranges Licht gehüllt werden oder orange Fahnen hissen. 160 Bauten in Österreich machen heuer mit, darunter auch etliche Kirchen, wie die Dornbirner Martinskirche und die Evangelische Kirche, die Hohenemser Kirchen St. Karl und St. Konrad sowie im niederösterreichischen Gmünd die Herz-Jesu-Kirche.

In Kärnten beteiligen sich gleich 24 Kirchen, von der Villacher Jakobskirche über die Pfarrkirchen von St. Veit/Glan, Arnoldstein und Hermagor bis hin zur Wallfahrtskirche Maria Saal.

Installation „wenn frauenseele leidet“

Einen künstlerischen Zugang zum Thema Gewalt an Frauen gibt es ebenfalls in Kärnten, wo in der Spittaler Pfarrkirche Maria Verkündigung bis 10. Dezember die Installation „wenn frauenseele leidet“ der Künstlerin Ulrike Schwager zu Texten der Autorin Heidi Wassermann-Dullnig zu sehen ist.

In unmittelbarer Nähe des Kreuzweges sieht man aus Beton gegossene angedeutete Frauenfiguren auf einem goldenen Sockel, denen man direkt ins Herz sieht. Darin eingravierte Gedichte benennen Gewalterfahrungen der Frauen und sprechen von Ausgrenzung, Missbrauch und Geschlechterunterdrückung, als Parallele zum Kreuzweg Jesu. Die Installation ist bis zum 10. Dezember täglich von 8.00 bis 18.00 Uhr zu besichtigen.

Unterstützung von Arbeitsmigrantinnen

Doch auch auf globale Missstände wie etwa auf die wirtschaftliche und sexuelle Ausbeutung von Arbeitsmigrantinnen seien Antworten nötig, fordert die kfbö, die mit ihrer „Aktion Familienfasttag“ in diesen Feldern bereits tätig ist. So klärt die kfbö-Partnerorganisation auf den Philippinen, das „Mindanao Migrants Center for Empowering Actions“, Ausreisewillige über Arbeitsbedingungen im Ausland auf.

Rund 2,3 Millionen „Overseas Filipinos Workers“ – die Hälfte davon Frauen – unterstützten ihre Familien derzeit aus der Ferne, ein Fünftel von ihnen ist Ausbeutung und Gewalt ausgesetzt. „Covid-19 verschärft diese Situation“, verdeutlichte die zweite stellvertretende kfbö-Vorsitzende und „Aktion Familienfasttag“-Verantwortliche Anna Raab.