Geflüchtete

Superintendent richtet Appell an Kurz

Der evangelische Superintendent (A. B.) von Wien, Matthias Geist, hat einen offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) geschrieben. Er ersucht um ein Umdenken und die Aufnahme von geflüchteten Menschen in Österreich.

Geist ersucht in dem am Freitag per E-Mail versendeten Brief Kurz um die Änderung seiner bisherigen Position, keine geflüchteten Menschen aus Lesbos in Österreich aufzunehmen. „Es gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu verändern, als hartnäckig zu ihr zu stehen – koste es, was es wolle.“

„Mein Aufruf an Sie ist es, sich hier und heute in Verantwortung für die Menschenleben vor den Toren Europas offen zu zeigen. Ein Evakuieren bedrohter Menschen kann immer – aus Nächstenliebe und/oder humanitären Gründen – erfolgen! Dazu ist jeder gesicherte Ort, jede in sich ruhende Gemeinschaft fähig“, so Geist.

„Bitte ändern Sie Ihre Haltung“

Der Wiener Superintendent mahnte, dass es um das Schicksal aller Menschen gehe. Dazu gehörten auch die, „die in Kara Tepe Stunde um Stunde vor dem Nichts stehen und im Leid ausharren müssen“. „Dieser Zustand lässt Europa in seinen Werten unglaubwürdig werden.“

Der evangelische Superintendent A.B. Matthias Geist
APA/Herbert Neubauer
Der evangelische Superintendent A.B., Matthias Geist, appellierte an Bundeskanzler Kurz, geflüchtete Menschen aus Lesbos aufzunehmen

Sein eindringlicher Appell: „Bitte ändern Sie und alle Regierungsmitglieder mit Ihnen Ihre Haltung und gehen Sie offen auf diese Fragen ein. Bedenken Sie bitte kein politisches Kalkül, Allianzen in Österreich oder in der EU, sondern bedenken Sie, ob es nicht jedes kleine Kind wert ist, dass wir ihm helfen – mit allen unseren Mitteln.“

„Heilvollere Zukunft“ durch Rettung

Man stehe nun vor der Wahl, „rechtsstaatlich mögliche und menschliche Prinzipien zu trennen oder zu vereinigen“. Würden sie getrennt, drohe „tausenden Menschen ein weiteres und unverdientes Elend, das weder ich noch verantwortungsbewusste Österreicherinnen und Österreicher so sehen und verantworten wollen“.

Würden die Prinzipien vereinigt, wäre es möglich, Korridore zu schaffen und Solidarität mit den „Bedürftigsten dieser Welt“ zu leben. Kinder würden gerettet „und in eine heilvollere Zukunft geführt“, schrieb Geist.