Sternsinger bei Bundespräsident Alexander van der Bellen und seiner Frau Doris Schmidauer in Zeiten von Coronavirus
APA/Bundesheer/Carina Karlovits
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Dreikönigsaktion

Kritik an Gesichtschwärzen bei Sternsingern

Die Initiatoren des „Black Voices Volksbegehren“ haben in einem Offenen Brief an die Katholische Jungschar ein Ende des sogenannten Blackfacings, also des Gesichtschwärzens, bei den Sternsingern gefordert. Sie wiesen auf rassistische Ursprünge des Blackfacings hin. Die Katholische Jungschar zeigte sich im Interview mit religion.ORF.at gesprächsbereit.

Das Team des antirassistischen Volksbegehrens richtete einen Appell an die Katholische Jungschar, zu der die Dreikönigsaktion gehört: Auf die Tradition des Gesichtschwärzens weißer Kinder solle verzichtet und dies auch öffentlich ausgesprochen werden. Dass das Schwärzen eines weißen Gesichts „kein Akt der Wertschätzung, sondern eine Degradierung Schwarzer Menschen darstellt“ zeige sich mit Blick auf die Geschichte.

Bereits im 18. und 19. Jahrhundert bemalten weiße Menschen ihre Gesichter schwarz, „um sich in sogenannten Minstrel Shows über Schwarze Menschen lustig zu machen, und diese als stets fröhliche, aber dumme Sklaven zu degradieren“, wird im Brief erläutert. Auch heute noch werde Blackfacing verwendet, um Schwarze zu stereotypisieren, zu exotisieren sowie herabzuwürdigen, so das Team des Volksbegehrens. Das geschieht etwa in der Unterhaltungsbranche.

Sternsinger auf Besuch bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seiner Frau Doris Schmidauer im Jahr 2018
APA/Hans Punz
Sternsinger bei Bundespräsident Van der Bellen im Jahr 2018

Als Heilige Drei Könige verkleidet ziehen Kinder von Haus zu Haus und sammeln Spenden für Hilfsprojekte in Asien, Afrika und Lateinamerika. Im Matthäus-Evangelium wird von „Weisen aus dem Morgenland“ berichtet, die dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen. Im Mittelalter schloss man wegen der drei Gaben auf drei Männer, die Heiligen Drei Könige – Caspar, Melchior und Balthasar.

Rund 85.000 Kinder sind auch heuer wieder als Sternsinger unterwegs, viele in Zeiten der Pandemie auch nur virtuell. Im Vorjahr sammelte die Dreikönigsaktion 18,4 Millionen Euro. Am 6. Jänner (Hochfest der Erscheinung des Herrn) wird in der römisch-katholischen Kirche auch der Drei Heiligen Könige gedacht – in Österreich ein gesetzlicher Feiertag.

Katholische Jungschar: „Keine rassistische Absicht“

Im Gespräch mit religion.ORF.at erklärte der Vorsitzende der Katholischen Jungschar, Martin Hohl, Gesprächsbereitschaft über die Praxis, die auch bei ihnen schon vor längerer Zeit einen Nachdenkprozess ausgelöst habe. Wichtig war es Hohl zu betonen, dass es bei der Dreikönigsaktion um Kinder gehe, die sich für andere Kinder im globalen Süden einsetzen. Das habe mit Rassismus nichts zu tun. Hinter dem Brauch stecke jedenfalls „keine rassistische Absicht“. Die Katholischen Jungschar sei gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung.

Hintergrund des Brauchs sei, dass die Botschaft Jesu für alle Menschen – unabhängig ihrer Hautfarbe gelte. „Der Brauch ist entstanden, da die Heiligen Drei Könige, alle Menschen auf der Welt darstellen sollen. Damals gab es drei bekannte Erdteile.“ Durch das Schminken, (Schwarz für Afrika und gelb für Asien) seien diese repräsentiert worden. „Natürlich ist uns heute klar, dass die Hautfarbe nicht Auskunft darüber gibt, wo ein Mensch beheimatet ist“, das umstrittene Thema „Blackfacing“ ist schon seit längerem in der kirchlichen Organisation angekommen.

Gespräch soll folgen

„Wir haben schon einen Prozess gestartet“, sagte Hohl. Das Ziel sei, „dass die Pfarren ihre Sichtweisen einbringen“ können und bundesweit nachhaltige Bildungsarbeit geleistet wird. „In den Pfarren ist das schon länger Thema“, sagte Hohl. Der Wunsch, über den Brauch nachzudenken, sei auch von ihnen gekommen. Die Katholische Jungschar habe diesbezüglich in der Vergangenheit auch schon von der Antirassismus-Organisation ZARA externe Expertise eingeholt.

Nachdem nun der Offene Brief von „Black Voices“ am 2. Jänner per Mail übermittelt wurde, sei man gleich mit den Vertreterinnen und Vertretern der Initiative in Kontakt getreten und habe vereinbart, „dass wir uns in den nächsten Tagen zusammensetzen werden und zusammen weitere mögliche Schritte besprechen“.

Viele Pfarren bereits Vorbild

Wenn es nach den Initiatorinnen und Initiatoren von „Black Voices“ geht, bedarf es für die Darstellung einer biblischen Geschichte keines Blackfacings. Schwarze Kinder sollten in der Kirchengemeinde eingesetzt und zum Sternsingen eingeladen werden – dafür solle sich die Katholische Jungschar aktiv einsetzen, heißt es im Brief an die römisch-katholische Organisation. Brauchtum und Traditionen „können und sollen in Zukunft so ausgeübt werden, dass kein Teil unserer Gesellschaft verletzt und unterdrückt“ werde.

Dass Sternsingen auch ohne Blackfacing funktioniere, hätten bereits „viele Pfarren in Österreich und auch die Katholische Kirche in Deutschland gezeigt“, die empfehlen, auf eine Bemalung zu verzichten. Es brauche nun aber „eine einheitliche Position der Katholischen Jungschar, ein gemeinsames Unterlassen dieser Praxis“.

Öffentliches Statement gefordert

Es sei zu begrüßen, dass die Sternsinger beim Besuch des Bundespräsidenten heuer „auf Blackfacing verzichtet haben“ und auf der Website der Katholischen Jungschar Kinder mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen als Sternsinger abgebildet sind, „jedoch braucht es ein klares öffentliches Statement von Ihrer Seite um bundesweit alle Pfarren zu erreichen“, heißt es in dem Brief.

TV-Sendungshinweis

Um die Geschichte der „Heiligen Drei Könige“ geht es in kreuz und quer, 05.01.2021, 22.35 Uhr, ORF 2

Die Aktivistinnen und Aktivisten des „Black Voices Volksbegehren“ sprachen sich auch dafür aus, mit Jungschar-Leitenden ins Gespräch über das Gesichtschwärzen zu treten, und zu erklären, warum dies nicht mehr praktiziert werde. „Treten Sie mit uns gemeinsam für ein Österreich ein, in dem sich alle, die hier leben, respektiert und wohl fühlen.“

Social-Media-Kampagne angekündigt

Ein Offener Brief zu der Thematik ging auch an Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Das Team des Volksbegehrens kündigte zudem auf Social Media eine Bild- und Videokampagne rund um die Aktion an. Schwarze Menschen sollen dort zu Wort kommen.

Das „Black Voices Volksbegehren“ wendet sich gegen Diskriminierung und Rassismus und fordert etwa die Einführung eines Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus, in dem antirassistische Maßnahmen für die Bereiche Repräsentation und Öffentlichkeit, Polizei, Flucht und Migration, Gesundheit, Bildung und Arbeitsmarkt erstellt werden sollen.