Polen

Studie analysiert Missbrauch durch Priester

Die katholische Kirche in Polen hat am Mittwoch die Ergebnisse einer Analyse zu sexualisierter Gewalt von Geistlichen gegen Kinder und Jugendliche vorgelegt. Demnach begingen die Beschuldigten die mutmaßlichen Taten im Durchschnitt zweieinhalb Jahre lang.

Fast die Hälfte der Tatverdächtigen seien zwischen 30 und 40 Jahre alt gewesen, ergab die Auswertung von Daten von Diözesen und Ordensgemeinschaften zu Missbrauchsfällen aus den Jahren 1950 bis Mitte 2018. Der Jüngste der Täter sei beim mutmaßlichen Kindesmissbrauch 23 und der Älteste 77 Jahre alt gewesen.

Die Mehrheit der Opfer seit 1950 war der Analyse zufolge männlich. Bis 1990 habe es nur relativ wenige weibliche Opfer gegeben. Nach 2010 sind laut der Statistik aber fast ebenso viele Mädchen wie Buben von Kindesmissbrauch in der Kirche betroffen.

Anteil weiblicher Opfer gestiegen

Seit 2011 waren 70 Opfer demnach zwischen 15 und 18 Jahren sowie 41 unter 15 Jahre alt. Der Kinderschutzbeauftragte der Polnischen Bischofskonferenz, Primas Erzbischof Wojciech Polak, hatte die Analyse beim Warschauer Statistikinstitut der Kirche in Auftrag gegeben.

„Große psychosexuelle Unreife“

Unter anderem für die Präventionsarbeit plant die Kirche weitere Studien. Der kirchliche Kinderschutzkoordinator Pater Adam Zak sagte bei der Vorstellung der Analyse, es werde immer deutlicher, dass die Ursache für die meisten dieser Verbrechen „nicht eine Störung der sexuellen Präferenz der Täter in Form von Pädophilie ist, sondern ihre große psychosexuelle Unreife“.

Bereits im März 2019 hatte die Bischofskonferenz erstmals genaue Angaben zum Ausmaß sexualisierter Gewalt durch Geistliche gemacht. Demnach missbrauchten laut kirchlichen Akten, die von Jänner 1990 bis Juni 2018 angelegt wurden, mutmaßlich 382 Priester und Ordensmänner Minderjährige.

Fälle reichen bis 1950 zurück

Die Akten umfassten Anzeigen zu Fällen, die bis 1950 zurückreichen. Auf der Grundlage dieser Daten erfolgte die nun vorgelegte Analyse. Eine Studie für den Zeitraum von Mitte 2018 bis Ende 2020 hat die Bischofskonferenz bereits beschlossen.