Die evangelische Vikarin Katharina Lang erklärt „christliches Yoga“, Screenshot Youtube
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Evangelisch

Sonnengruß und Bibel: Wie christliches Yoga geht

Die Trendsportart Yoga und gelebte christliche Praxis verbindet die evangelische Theologin und Vikarin Katharina Lang in ihren Kursen und Tutorials. Die aus Indien stammende Lehre und der christliche Glaube lassen sich ihren Ansicht nach harmonisch zusammenfügen.

Für die Theologin Lang passen die drei „Säulen“ von Yoga, die Asana-Praxis (Körperübungen), die Pranayama-Praxis (Atemübungen) und die Meditationspraxis (geistliche Übungen), sehr gut zum evangelischen Glauben. So verbindet sie klassische Yogaübungen samt Sonnengruß, herabschauendem Hund und Vinyasa-Flows mit zum Tag oder zur Praxis passenden Texten.

Sie sei in ihrer eigenen Yogapraxis auf die Verbindung von Yoga und Glauben gekommen, sagte Lang laut einer Aussendung des Pressedienstes der Evangelischen Kirche in Wien. „Dabei habe ich nach den Yogastunden bemerkt, dass ich sehr leicht und ungezwungen in eine Gebetszeit übergehen konnte.“

„Spüren, was ich auf dem Herzen habe“

Die Bewegung, Atmung, Konzentration und Ruhe der Yogapraxis hätten es ihr erleichtert, „still zu werden, in mein Inneres schauen zu können, zu spüren, was ich auf dem Herzen habe und das dann auch vor Gott bringen zu können“, so die in Deutschland lebende ausgebildete Yogalehrerin und Vikarin (Pfarrerin in Ausbildung).

Mittlerweile habe sie diese Verbindung von Yoga und Gebet auch zu einer Praxis für andere Menschen weiterentwickelt. Lang gibt auf Anfrage Workshops und Kurse und ist auch auf YouTube zu finden. Im Rahmen der Fastenaktion der evangelischen Kirche „7 Wochen ohne“ lädt die Vikarin in Kooperation mit der Wiener Lutherischen Stadtkirche Interessierte zu dem Workshop „Christliches Yoga“ ein.

Körper und Geist zusammenführen

In dem via Zoom veranstalteten Workshop werde sie eine Einführung in die Thematik christliches Yoga geben und mit den Teilnehmenden Yogaübungen praktizieren, so Lang. „In der Asana‐Praxis mache ich mir bewusst, dass wir als Geschöpfe Gottes aus Fleisch und Blut geschaffen sind und unser Körper Teil unseres irdischen Lebens ist. Jesus Christus ist ebenso ganz Mensch geworden, aus Fleisch und Blut, genauso körperlich wie geistig“, so Lang.

Ein Psalm zum Meditieren

In der Pranayama‐Praxis zitiere sie gern die Bibelstelle Genesis 2,7: „Der Atem ist uns von Gott gegeben“. "Dabei werde ich mir meiner Lungen, die sich mit Luft füllen, bewusst. In der Meditationspraxis lasse ich gern Psalm 8 sprechen, der sagt, dass wir Menschen kaum geringer als Gott geschaffen sind und uns eine Lebenskraft und Lebendigkeit innewohnt, die über das Körperliche und Sichtbare hinausgeht.“

Hinweis

„Christliches Yoga? Workshop und Einführung“ am 27.3.2021 von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr via Zoom mit Theologin und Yogalehrerin Katharina Lang. Anmeldung unter christopher.tuerke@evang.at

Alle drei Säulen des Yoga seien darauf ausgerichtet, den Geist des Menschen zu beruhigen und für tiefere Erfahrungen und Erkenntnisse empfänglich zu machen, so die Theologin. „Denn wenn der Geist ruhig werden kann, dann schafft der Mensch Raum für die Gottesbeziehung und Begegnung mit dem, was über das Sichtbare hinausgeht." Oder anders gesagt: "Im christlichen Yoga verbinde ich die bewährten Körper- und Atemtechniken der Yogapraxis mit dem Reichtum verschiedener Gebetsformen und biblischer Worte der christlichen Spiritualität.“

Der Organisator der Fastenaktion in der Wiener Lutherischen Stadtkirche, Vikar Christopher Türke ist von dem Projekt sehr angetan: „Meiner Meinung nach kann evangelischer Glaube oft sehr verkopft sein. Glaube aber ist nicht allein Kopfsache, sondern braucht den ganzen Körper. Christliches Yoga kann Beten mit dem ganzen Körper sein.“ Der Workshop sei auch etwas für Yoganeulinge, versicherte Türke.

Auch Passionszeit genannt

Das Fasten ist für Evangelische optional und „freiwillig“. Die Fastenzeit wird in der evangelischen Kirche auch Passionszeit genannt. Für den Reformator Martin Luther war das Fasten kein „gutes Werk“, der Mensch verdiene sich also durch das Fasten nicht Gottes Liebe, sondern allein durch Glauben und Gnade.