Eine armenisch-orthodoxe Frau zündet Kerzen an, Ostern 2021
APA/AFP/Karen Minasyan
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Termin

Benediktiner: Ostern gemeinsam zu Pessach feiern

Für ein Wegkommen vom „Sieger-Verlierer-Denken“ bei der Suche nach einem gemeinsamen Osterdatum für die gesamte Christenheit plädiert der deutsche Benediktinerpater Nikodemus Schnabel.

Statt einer Übernahme des Osterdatums nach Gregorianischem Kalender durch die Ostkirchen oder umgekehrt des Osterfests nach Julianischem Kalender durch die Kirchen im Westen schlägt der frühere Prior-Administrator der Jerusalemer Dormitio-Abtei ein Zugehen auf das Judentum und ein gemeinsames Osterfest am Pessach-Sonntag vor.

In diesem Fall „müssten sich alle Christen bewegen“ und man könne wieder klarmachen, dass das christliche Osterfest ganz eng mit dem jüdischen Pessach in Verbindung steht, sagte der Ordensmann am Mittwoch im Interview mit Radio Vatikan.

„Wäre starkes Zeichen“

„Wir feiern am Pessach-Sonntag, am Sonntag nach dem 14. Nisan. Die Juden sollen astronomisch nach ihrem jüdischen Kalender berechnen, wann Pessach ist; wir schließen uns als Christen an und feiern dann am entsprechenden Sonntag Ostern“, so sein Vorschlag. Schnabel: „Das wäre ein starkes Zeichen, nicht nur ökumenisch. Es wäre irgendwie auch ein Verneigen der gesamten Christenheit vor unserem gemeinsamen Fundament, dem Judentum.“

Ostern ist ein bewegliches Fest, das am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird. Damit liegt der Termin immer zwischen dem 22. März und dem 25. April. Festgelegt wurde dies beim Konzil von Nizäa im Jahr 325. Da die orthodoxe Kirche der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 nicht folgte, feiern Ost und West zumeist an unterschiedlichen Terminen, heuer zum Beispiel im Westen am 4. April und in den Ostkirchen am 2. Mai.

Ostern als Verbindung

Der Glaube an die Auferstehung sei Fundament des gemeinsamen Glaubens der Christen, sagte Schnabel im Gespräch im Radio Vatikan. In diesem Sinn wäre ein gemeinsames Osterfest „natürlich ein ganz starkes Zeichen auch für die Einheit der Christenheit“, so der Benediktiner: "Ostern verbindet uns, und das Oster-Mysterium, also der Glaube an die Auferstehung, ist doch die Grundlage aller Christinnen und Christen.

Da wäre es egal, ob man reformiert, lutherisch, orientalisch-orthodox oder katholisch ist. Ich finde es unglaublich wichtig, wenn wir Ostern auch gemeinsam feiern würden."

Mehrere Vorschläge

Zur Findung eines gemeinsamen Osterdatums wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Vorschläge diskutiert, darunter auch ein fixes Osterdatum beispielsweise immer am zweiten Sonntag im April.

Vor wenigen Wochen hatte Erzbischof Job (Getcha), der Ständige Vertreter des orthodoxen Patriarchats von Konstantinopel beim weltweiten Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), mit dem Vorschlag aufhorchen lassen, das 2025 anstehende 1.700-Jahr-Jubiläum des Ersten Ökumenischen Konzils von Nicäa (325) zum Anlass zu nehmen, die Bemühungen um ein künftig gemeinsames christliches Osterdatum voranzutreiben.

Vatikan offen, Moskau dagegen

Der Vatikan nahm den Vorschlag positiv auf. Papst Franziskus wäre wohl bereit, hier Zugeständnisse zu machen, sagte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch. Skeptisch zeigte sich hingegen die russisch-orthodoxe Kirche.

Die Frage einer Änderung des Osterdatums stehe in seiner Kirche nicht auf der Tagesordnung, erklärte der Verantwortliche für kirchliche Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew).