Ökumene

Erzbischof Lackner trifft russisch-orthodoxen Bischof Aleksij

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner hat am Freitagnachmittag den Wiener russisch-orthodoxen Bischof Aleksij (Zanochkin) ) empfangen. Im Mittelpunkt des Gesprächs in der Residenz des Erzbischofs in Salzburg standen die Ökumene und die gemeinsamen Herausforderungen für beide Kirchen in den Bereichen von Seelsorge und Gesellschaft.

Es war der Antrittsbesuch von Bischof Aleksij in Salzburg. Der russisch-orthodoxe Bischof ist seit März 2020 im Amt und für Österreich zuständig, ist aber Corona-bedingt erst im Dezember 2020 beständig nach Wien gezogen.

Weitere Besuche in Salzburg

Bischof Aleksij besuchte in Salzburg zudem auch die Erzabtei St. Peter, wo er von Erzabt Korbinian Birnbacher empfangen wurde; weiters auch das Benediktinerinnenkloster auf dem Nonnberg, wo Äbtissin Veronika Kronlachner und ihre Vorgängerin Perpetua Hilgenberg den Gast willkommen hießen.

Der Erzabt und die Ordensfrauen wiesen ihrerseits darauf hin, dass der Benediktinerorden zu einer Zeit entstanden sei, als West- und Ostkirche noch nicht getrennt waren. Umso mehr fühlten sie sich der Ökumene und gemeinsamen Schritten hin zu mehr Kircheneinheit verpflichtet.

Bischof Aleksij traf weiters auch mit Vertretern der Salzburger Sektion der Stiftung „Pro Oriente“ zusammen. Die persönliche Begegnung, Respekt und gegenseitiges Vertrauen seien die Basis für weitere Schritte hin zur Kircheneinheit, hielten der Salzburger Pro-Oriente-Vorsitzende Prof. Dietmar Winkler und Bischof Aleksij fest. Pro Oriente stehe jederzeit als Plattform für Gespräche bereit, so Winkler. Er sagte dem Bischof u.a. auch eine verstärkte Zusammenarbeit im kulturellen Bereich zu.

Österreichische Heilige für Russische Kirche

Der russisch-orthodoxe Bischof war mit einem besonderen Anliegen nach Salzburg gekommen: Aleksij arbeitet an einem neuen „Synaxarion“; einem liturgischen Buch, das die gottesdienstlichen Feiern im Verlauf des Kirchenjahres verzeichnet und zugleich einen täglichen Heiligenkalender enthält.

In diesen Heiligenkalender möchte der Bischof auch lokale und regionale Heilige aus Österreich aus dem ersten Jahrtausend – der Zeit der ungeteilten Kirche – aufnehmen. Für Salzburg sind in diesem Zusammenhang die Heiligen Rupert (ca. 650 bis 718) und Virgil (ca. 700-784) prädestiniert. Im Salzburger Dom suchte der Bischof die Reliquien der Heiligen auf.

Ökumenisches Zeichen der Verbundenheit

Der Bischof möchte damit auch ein ökumenisches Zeichen der Verbundenheit mit der Kirche in Österreich setzen und zugleich die Integration der russisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich unterstützen. Deren Zahl wird auf 30.000 bis 40.000 geschätzt. Die russisch-orthodoxe Diözese von Wien und Österreich wurde 1962 gegründet und im Jahr 2013 gesetzlich anerkannt. Sitz des Bischofs ist die St.-Nikolaus-Kathedrale im dritten Wiener Gemeindebezirk. Die Diözese untersteht dem Patriarchat von Moskau unter Patriarch Kyrill I.

Die Nikolaus-Kathedrale in Wien ist das spirituelle und administrative Zentrum der russischen orthodoxen Kirche in Österreich. Die Gemeinde besteht aus Gläubigen verschiedener Nationalitäten. Weitere gesetzlich anerkannte russisch-orthodoxe Gemeinden der Diözese befinden sich in Graz und Linz. Regelmäßige Gottesdienste gibt es auch in Innsbruck, Laa/Thaya und St. Pölten.

Eine Ausnahme stellt die russisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Salzburg dar. Diese untersteht administrativ nicht der Diözese Wien und Österreich des Moskauer Patriarchats (Russisch-orthodoxe Kirche/ROK), sondern der Diözese von Berlin und Deutschland der Russisch-orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA). ROK und ROKA stehen aber in Kirchengemeinschaft. Bischof Aleksij stattete am Freitag auch der Salzburger Kirchengemeinde einen Besuch ab.