Kathedrale von Reims, Frankreich
Reuters/Charles Platiau
Reuters/Charles Platiau
Untersuchung

Tausende Missbrauchstäter in Frankreichs Kirche

In der katholischen Kirche in Frankreich hat es laut einer Untersuchung seit 1950 zwischen 2.900 und 3.200 Missbrauchstäter gegeben. Zu diesem Ergebnis kommt eine unabhängige Kommission, deren Gründung die französischen Bischöfe im November 2018 in Auftrag gegeben hatten.

Der rund 2.500 Seiten umfassende Abschlussbericht soll der Bischofskonferenz sowie der Konferenz der Ordensleute am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz übergeben werden, wie die Zeitung „La Croix“ (Sonntag) berichtet. Dazu seien auch Vertreter von Opferverbänden eingeladen.

Bei den Tätern handele es sich um Priester, Ordensleute und andere kirchliche Mitarbeiter, sagte der Vorsitzende der unabhängigen Untersuchungskommission, Jean-Marc Sauve, laut französischen Medien.

Daten und Fakten aus Archiven

Die Ergebnisse basierten auf Daten und Fakten aus Archiven aus Kirche, Justiz, Staatsanwaltschaft und Medien sowie auf den Zeugenaussagen, die das Gremium erhalten habe. Im Sommer 2020 hatte der frühere Richter Sauve die Zahl der Fälle noch auf mindestens 3.000 und die der kirchlichen Täter auf rund 1.500 taxiert.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort, äußerte bereits kürzlich, das Ausmaß der Sexualverbrechen im kirchlichen Umfeld sei „größer als befürchtet“. Nun gehe es darum, die Aufarbeitung weiter voranzutreiben, zitierte „La Croix“ den Erzbischof von Reims.

Unabhängige Bewertungsstelle angedacht

Die Kirche in Frankreich erwäge unter anderem die Schaffung einer unabhängigen Stelle zur Bewertung von Präventionsmaßnahmen. Nach dem jüngsten Besuch einer Gruppe französischer Bischöfe bei Papst Franziskus am Freitag erklärte de Moulins-Beaufort, es sei dabei auch um das Thema sexueller Missbrauch gegangen.

Die unabhängige Untersuchungskommission will demnach mit ihrem Abschlussbericht auch einen Katalog von Empfehlungen zur Missbrauchsprävention vorlegen. Dem Gremium gehören Juristen, Mediziner, Historiker und Theologen an.