Der „Barbara-Prammer-Hof“ in Wien-Döbling
APA/Herbert Neubauer
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UNO-Tag gegen Armut

Tag gegen Armut: Neue Sozialhilfe, mehr Wohnbau

Mehr Investitionen in den sozialen Wohnbau, 25.000 Wohnungen für wohnungslose beziehungsweise davon bedrohte Menschen und ein neues Mindestsicherungsgesetz fordert die Armutskonferenz anlässlich des UNO-Tags gegen Armut am 17. Oktober.

Außerdem müsse die Delogierungsprävention ausgebaut sowie das Recht auf Wohnen in der Verfassung verankert werden, hieß es bei einer Pressekonferenz am Freitag. „Leistbares Wohnen ist ein Riesenthema“, sagte Martin Schenk von der evangelischen Diakonie. „Die Probleme kann man nicht mehr ignorieren oder schönreden.“

Daher habe man den Mix aus niedrigen Einkommen und teurem Wohnen in den Mittelpunkt des diesjährigen UNO-Tags gestellt, so die Vertreter des Netzwerks aus sozialen Einrichtungen. „Niedriges Einkommen und teures Wohnen passen nicht zusammen.“

Wohnen teurer, Erwerbsarbeit schwieriger

Das gleiche Dilemma schilderte die Geschäftsführerin von arbeit plus, des Dachverbands der Sozialen Unternehmen, Sabine Rehbichler. Wohnen werde teurer, während der Zugang zu verlässlichen Einkommen durch Erwerbsarbeit immer schwieriger werde. Das sehe man an der gestiegenen Zahl an Langzeitarbeitslosen. Zwar wollten diese Menschen arbeiten – allerdings seien meist die Anforderungen der Arbeit mit der konkreten Lebenssituation nicht vereinbar.

Der Geschäftsführer des Dachverbandes der Schuldenberatung, Clemens Mitterlehner, machte auf die Diskrepanz zwischen dem Existenzminimum (1.000 Euro) und der Armutsgefährdungsschwelle (1.328 Euro) aufmerksam. In der täglichen Praxis sehe man immer wieder, dass die hohen Mieten und Energiepreise den Menschen oft kaum mehr Geld für variable Kosten übrig ließen.

Bürgschaften für Mietverträge gefordert

In Sachen Wohnen beobachte man, dass mittlerweile im sozialen Wohnbau Bürgschaften für Mietverträge gefordert werden – das zwinge wiederum viele Menschen auf den freien und überteuerten Wohnungsmarkt.

„Wir brauchen Löhne und Einkommen, die armutsfest sind“, meinte Alexander Machatschke von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Sowohl Maßnahmen zur Wohnungssicherung oder – wenn bereits eine Räumungsklage eingebracht wurde – zur Delogierungsprävention müssten gestärkt werden.

Verhinderung von Wohnungsverlust günstiger

Sollte es dennoch zum Wohnungsverlust kommen, müssten diese Menschen rasch mit einer neuen Wohnung versorgt werden – am besten nach den Prinzipien von Housing First, die einen eigenen Mietvertrag mit sozialarbeiterischer Hilfe kombinieren. Auch Caritas-Generalsekretärin Anna Parr machte darauf aufmerksam, dass die Verhinderung von Wohnungsverlust vielfach günstiger komme als die Unterstützung für Menschen, denen aus der Wohnungslosigkeit geholfen werden müsse.

Probleme in der Vollzugspraxis bei Sozialleistungen kritisierte Erwachsenenvertreter Norbert Krammer. Vielfach würde Wohnbeihilfe von der Sozialhilfe abgezogen, zum Teil sogar Erlöse aus dem Verlauf von Straßenzeitungen einkassiert. Auch der „Coronabonus“ sei schon eingerechnet und abgezogen worden. „Wir stellen uns schon die Frage, wie es mit dem Klimabonus sein wird.“