Vatikan

Papst vergleicht Gewalt gegen Frauen mit Satanismus

Papst Franziskus hat Gewalt gegen Frauen mit Satanismus verglichen. „Die Zahl der Frauen, die zu Hause geschlagen und missbraucht werden, sogar von ihren Ehemännern, ist sehr, sehr groß“, wird er zitiert.

„Dies ist für mich fast satanisch, weil es die Schwäche von jemandem ausnutzt, der sich nicht wehren kann, der nur die Schläge abwehren kann“, so Franziskus zu einer Frau, die Opfer von Gewalt geworden war und an einem Treffen im Gästehaus Santa Marta teilnahm.

Das Treffen mit den Frauen und mit anderen Opfern von Gewalt sowie einigen Sträflingen wurde am Sonntagabend vom italienischen TV-Sender Canale 5 übertragen. „Es ist demütigend, wenn ein Vater oder eine Mutter ein Kind ohrfeigt. Denn die Würde ist das Gesicht“, fügte der Papst hinzu.

Auch Gefängnisse angesprochen

Franziskus sprach auch das Thema der Überbelegung der Gefängnisse an. „Jede Strafe für eine begangene Straftat muss eine Hoffnung, ein Fenster haben. Ein Gefängnis ohne Fenster ist eine Mauer“, sagte Papst Franziskus im Gespräch mit einem ehemaligen Häftling, der zusammen mit anderen von seinen Erfahrungen mit der Pandemie im Gefängnis berichtete. „Die Kirche ist gegen die Todesstrafe, denn im Tod gibt es kein Fenster, keine Hoffnung, ein Leben ist zu Ende“, sagte der Papst.

Papst Franziskus bei einer Audienz in der Kinderambulanz Santa Marta
APA/AFP/Alberto Pizzoli
Papst Franziskus mit Patientinnen und Patienten der Kinderambulanz Santa Marta

Franziskus sprach auch von der Pandemie. „Während des Lockdowns wird alles auf die Probe gestellt, auch die Beziehung zu Gott, die Religiosität. Die Beziehung zu Gott ist keine lineare Sache, die immer gut läuft, die Beziehung zu Gott hat Krisen wie jede Liebesbeziehung in einer Familie“, so das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. „Das Leben in der Krise wird durch Nähe, Mitgefühl und Zärtlichkeit geheilt. Der Stil von Gott. Das Evangelium gibt Ihnen dies“, sagte der Papst.

Besuch in Kinderambulanz

Zwei Tage nach seinem 85. Geburtstag hat Papst Franziskus am Sonntag auch Kinder aus der vatikanischen Ambulanz Santa Marta empfangen. Laut einer Mitteilung sangen sie in der Audienzhalle Lieder und führten ein kurzes Theaterstück auf. Zudem überreichten sie dem Papst als nachträgliches Geschenk eine Geburtstagstorte.

Rund 350 Menschen, darunter auch die Familien der Kinder, waren bei der Begegnung mit dem Papst versammelt. In einer kurzen Ansprache vor dem Anschneiden der Torte betonte er, wie wichtig es sei, Menschen in Not zu helfen. Dies gelte auch dann, wenn „er oder sie kein guter Mensch ist oder schlecht über mich spricht“. Selbst in solchen Situationen dürfe man „nicht wegschauen“.

In der 1922 von Papst Pius XI. gegründeten medizinischen Einrichtung Dispensario Santa Marta behandeln ehrenamtlich arbeitende Ärzte unentgeltlich Kinder aus bedürftigen Familien. Unterstützt werden sie von weiteren freiwilligen Helfern. In den vergangenen Jahren empfing Franziskus die jungen Patientinnen und Patienten regelmäßig im Umfeld seines Geburtstags.