Nachruf

Vorarlbergs Altbischof Fischer gestorben

Der emeritierte Feldkircher Bischof Elmar Fischer ist tot. Er starb 85-jährig Mittwochfrüh im Landeskrankenhaus Feldkirch, wo er wegen einer schweren Covid-19-Erkrankung auf der Intensivstation behandelt wurde, wie die Diözese Feldkirch mitteilte.

Der emeritierte Bischof lebte zuletzt zurückgezogen in einer geistlichen Gemeinschaft im Bregenzerwald. Er war als Nachfolger der Bischöfe Bruno Wechner und Klaus Küng in den Jahren 2005 bis 2011 der dritte Diözesanbischof der erst 1968 errichteten Diözese Feldkirch.

Während seiner Zeit als Diözesanbischof seien wegweisende Strukturreformen für diözesane Pastoraleinrichtungen und die Vorarlberger Pfarren eingeleitet worden, berichtete Kathpress. Mit kontroversiellen Aussagen zu Homosexualität zog Fischer Kritik auf sich.

Der Feldkircher Altbischof Elmar Fischer, 2010
APA/Dietmar Stiplovsek
Altbischof Fischer, Aufnahme aus dem Jar 2010

Der Feldkircher Bischof Benno Elbs hob in einer ersten Stellungnahme zum Tod seines Amtsvorgängers dessen Einsatz um die Familien hervor. „Im Namen der Diözese Feldkirch möchte ich Altbischof Elmar Fischer für seinen Dienst als Priester und Bischof danken. Mit seinem jahrelangen Engagement hat er wichtige Akzente für die Wertschätzung und die Unterstützung von Familien in unserem Land gesetzt“, so Elbs am Mittwoch.

„Wichtige Akzente“ für Familien

Fischer sei es Zeit seines Lebens ein großes Anliegen gewesen, „die Wichtigkeit der Familie für unsere Gesellschaft hervorzustreichen“, sagte Elbs. Mit seinem jahrelangen Engagement in der Familienberatung und nicht zuletzt mit dem Aufbau des Ehe- und Familienzentrums habe Elmar Fischer „wichtige Akzente für die Wertschätzung und die Unterstützung von Familien in unserem Land gesetzt“.

Elbs weiter: „Wer Bischof Elmar als Mensch näher gekannt hat, weiß um seinen schlichten und einfachen Lebensstil, sein tiefes Gottvertrauen und seine Verwurzelung im Gebet, die ihm auch in schwierigen Momenten viel Kraft gegeben hat.“ Auch wenn Fischer mit manchen seiner Aussagen polarisierte, „bestimmten die Sorge um das Wohl der Menschen und die Verkündigung des Evangeliums sein Leben“, so Bischof Elbs.

Würdigung durch Erzbischof Lackner

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner würdigte am Mittwoch ebenfalls die Verdienste des Verstorbenen. „Als dritter Bischof der jungen Diözese Feldkirch hat Bischof Fischer Akzente gesetzt. Eheleute und Familien waren ihm ein Herzensanliegen. Zeitlebens hat er – treu seinem Wahlspruch – das Reich Gottes gesucht und die Zugaben des Lebens mit Dankbarkeit empfangen. Lieber Bischof Elmar, vergelt’s Gott für all das Gute, das du getan hast“, so der der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz.

Elmar Fischer stammte aus Feldkirch-Tisis, wo er am 6. Oktober 1936 geboren wurde. Nach Priesterseminar und Theologiestudium in Innsbruck wurde er am 29. Juni 1961 zum Priester geweiht. Anschließend war Fischer von 1962 bis 1965 Kaplan in Lustenau/Rheindorf, danach bis 1970 Pfarrprovisor in Sibratsgfäll. 1969 erwarb er sein Theologisches Doktorat.

Ausbildung zum Psychotherapeuten

Von 1970 bis 1982 war Fischer Rektor des diözesanen Studieninternates „Marianum“ in Bregenz, von Herbst 1974 bis 1990 zusätzlich Direktor der staatlich anerkannten diözesanen Lehranstalt für Ehe-, Familien- und Lebensberater, ab 1979 auch für den Zweig Familien- und Gruppenarbeit. Fischer, der auch eine Ausbildung zum Psychotherapeuten absolviert hat, arbeitete intensiv in der Ehe- und Familienberatung, der Ehevorbereitung und der Familienbildung. Von 1979 bis 1990 leitete er das Ehe- und Familienzentrum der Diözese Feldkirch (EFZ).

1989 wurde Fischer vom damaligen Feldkircher Diözesanbischof Küng zum Generalvikar ernannt. Nach der Ernennung Küngs zum Diözesanbischof von St. Pölten im Herbst 2004 wirkte Fischer zunächst als „Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators der Diözese Feldkirch“. 2005 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Feldkircher Diözesanbischof. Die Bischofsweihe erfolgte am 3. Juli 2005.

Der Feldkircher Altbischof Elmar Fischer
Katholische Kirche Vorarlberg
Fischer war von 2005 bis 2011 Bischof

Zu den großen kirchlichen Höhepunkten in Fischers Amtszeit zählt die Seligsprechung von Provikar Carl Lampert (1894–1944) am 13. November 2011. Zentrales Anliegen Fischers war stets die Seelsorge in seiner Diözese. In Fischers Amtszeit fielen etwa die von ihm getragenen Initiativen eines Vorarlberger „Zukunftsdialogs“, der „Pastoralgespräche“ und des EthikCenters der katholischen Kirche in Vorarlberg.

Homosexualität „heilbar“

Mit manchen Aussagen sorgte der Bischof auch für Aufsehen und kontroversielle Diskussion. So etwa im Jahr 2009, als Fischer Homosexualität für „heilbar“ erklärte und sich tags darauf dafür entschuldigte. 2010 war Fischer auch mit Gewaltvorwürfen aus den 1960er und 1970er Jahren konfrontiert. Die Diözese ließ daraufhin die Vorwürfe durch den Innsbrucker Psychiater Hartmann Hinterhuber überprüfen.

In der Folge entschuldigte sich Fischer in persönlichen Briefen bei vier Männern, die ihn beschuldigt hatten. Gewalt an Kindern oder Jugendlichen sei nie gerechtfertigt, hielt der Bischof fest. Das gelte auch für die Zeit vor 40 Jahren, „wenn auch damals körperliche Gewalt als Erziehungsmittel weitgehend üblich und toleriert war“.

Begeisterter Sportler

Nach seiner Zeit als Bischof von Feldkirch zog sich der nunmehrige Altbischof nach Hittisau zurück, wo er gemeinsam mit den Schwestern vom Orden der Dienerinnen des Blutes Christi ein geistliches Zentrum betrieb. Als Privatmann war er bis zuletzt ein begeisterter Sportler, passionierter Bergsteiger und versierter Schifahrer.

Erst im vergangenen Oktober hatte Fischer seinen 85. Geburtstag begangen. Offizielle Feierlichkeiten gab es aus diesem Anlass nicht, im Juni 2021 wurde aber Fischers Diamantenes Priesterjubiläum (60 Jahre Priester) im Rahmen einer kleinen Festlichkeit gefeiert.