Bischofsring und Mitra
APA/AFP/Pascal Pochard-Casabianca
APA/AFP/Pascal Pochard-Casabianca
Kirchenrecht

Keine Bischofswürde für Prälaten von Opus Dei mehr

Papst Franziskus hat in einem Erlass, der am Donnerstag in Kraft tritt, festgelegt, dass der leitende Prälat der katholischen Gemeinschaft Opus Dei künftig nicht mehr die Bischofswürde erhalten soll. Zudem wird Opus Dei im Vatikan künftig nicht mehr der Bischofs-, sondern der Klerusbehörde unterstellt.

In dem Schreiben heißt es, der Papst verfüge, „dass zum Schutz der besonderen Gabe des Geistes eine Leitungsform erforderlich ist, die mehr auf dem Charisma als auf hierarchischer Autorität beruht. Daher wird der Prälat nicht mit dem Bischofsamt geehrt.“ Es gehe ihm darum, das ursprüngliche Charisma der Bewegung zu schützen.

Von den bisherigen vier Prälaten des Opus Dei hatte Papst Johannes Paul II. zwei zu Titularbischöfen ernannt: Alvaro del Portillo (1975-1982) und Javier Echevarria (1994-2016). Der Gründer Escriva de Balaguer und der jetzige Leiter, Fernando Ocariz Brana, erhielten die Bischofswürde nicht.

Fernando Ocariz ist Prälat von Opus Dei
APA/AFP/Andreas Solaro
Fernando Ocariz, Prälat von Opus Dei, rief die Mitglieder auf die Anweisungen des Papstes zu erfüllen

Teil der Kurienreform

Anlass für die Änderung, so der Papst, sei die Anfang Juni in Kraft getretene Apostolische Konstitution „Praedicate evangelium“, in der die Neuordnung der römischen Kurie festgeschrieben wurde. Das neue, zwei Seiten umfassende Motu proprio „Ad charisma tuendum“ (Zum Schutz des Charismas) ändert entsprechende Ausführungen jener Konstitution „Ut sit“ von 1982, mit der Papst Johannes Paul II. (1978-2005) das Opus Dei (Werk Gottes) zur bisher einzigen Personalprälatur in der katholischen Kirche erhob. Hierarchisch ist eine Personalprälatur ähnlich organisiert wie eine Diözese, aber nicht an ein bestimmtes Territorium gebunden. Ihr steht ein Prälat als Ordinarius vor. Jeder neu gewählte Prälat muss vom Papst bestätigt werden.

Gegründet wurde Opus Dei 1928 vom spanischen Priester Jose Maria Escriva de Balaguer y Albas (1902-1975). Der Organisation gehören heute nach eigenen Angaben weltweit mehr als 90.000 Mitglieder an, unter ihnen Priester, ledige Männer und Frauen wie auch verheiratete Laien. Dabei ist mit knapp 70 Prozent der Großteil der Mitglieder verheiratet, 30 Prozent leben als zölibatäre Laien, zwei Prozent sind Priester.

Prälat: Bischofsweihe „nicht notwendig“

Opus Dei selber soll seine Statuten den neuen Vorgaben anpassen. Der Prälat des Opus Dei, der spanische Geistliche Fernando Ocariz, rief nach der Veröffentlichung des Erlasses im Juli die Mitglieder der Prälatur dazu auf, die Anweisungen des Papstes zu erfüllen. Er hoffe, dass das Schreiben des Papstes „in jedem Einzelnen und jeder Einzelnen kraftvoll widerhallen" werde, wie Vatican News berichtete.

Es sei eine Gelegenheit, „den Geist, den der Herr unserem Gründer eingeflößt hat, in der Tiefe zu verstehen und ihn mit vielen Menschen im familiären, beruflichen und sozialen Umfeld zu teilen". Weiters schrieb Ocariz in einem Brief an die Mitglieder, dass „die Bischofsweihe des Prälaten nicht notwendig war und ist, um das Opus Dei zu leiten." Der Prälat müsse ein Führer sein, „aber vor allem ein Vater“.