Kardinal Jozef Tomko
Reuters/Mathieu Belanger
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Nachruf

Ältester Kardinal der Weltkirche mit 98 gestorben

Der slowakische Kardinal Jozef Tomko, früherer Präfekt der römischen Missionskongregation, ist tot. Der älteste Kardinal der Weltkirche starb Montagfrüh im 99. Lebensjahr in Rom, wie das Portal Vatican News und die Slowakische Bischofskonferenz berichten.

Tomko befand sich zuletzt mehrere Wochen lang – zunächst wegen einer Halswirbelsäulenverletzung, dann auch in infolge einer Covid-19-Erkrankung – in einem römischen Krankenhaus in Behandlung. Seit dem Wochenende war er von einem Vatikanmediziner und Ordensschwestern in seiner Wohnung in Rom betreut worden.

Die slowakische Bischofskonferenz rief zum Gebet für den Verstorbenen auf. Details zu den Trauerfeiern sollen in Kürze bekannt gegeben werden. Beigesetzt wird Tomko den Angaben zufolge im St.-Elisabeth-Dom der ostslowakischen Metropole Kosice. Ältestes Mitglied des Kardinalskollegiums ist nunmehr der emeritierte Erzbischof von Luanda/Angola, Alexandre do Nascimento (97).

Beauftragt mit Klärung von „Vatileaks“

Tomko leitete zwischen 1985 und 2001 die vatikanische Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Auch nach seiner Emeritierung 2001 erfüllte er noch lange Zeit Aufgaben im Vatikan, etwa bis 2007 als Präsident des Päpstlichen Komitees für die Eucharistischen Weltkongresse. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) ernannte ihn 2012 zum Vorsitzenden der Kardinalskommission zur Klärung der sogenannten Vatileaks-Affäre.

Geboren am 11. März 1924 in Udavske bei Humenne in der damaligen Tschechoslowakei, trat Tomko während des Krieges ins Priesterseminar in Bratislava (Pressburg) ein. Im Herbst 1945 übersiedelte Tomko nach Rom, das danach sein Lebensmittelpunkt blieb. Nach der Priesterweihe 1949 promovierte er bis 1961 in Theologie, Soziologie und Rechtswissenschaften. 1979 weihte ihn Papst Johannes Paul II. (1978-2005) in der Sixtinischen Kapelle zum Bischof; 1985 ernannte er ihn zum Kardinal und zum Präfekten der Missionskongregation.

Lieh Papst seine Stimme

Seine slowakische Heimat konnte Tomko während der kommunistischen Diktatur nur im Jahr des Prager Frühlings 1968 und zu einer Bischofsweihe kurz vor der sogenannten Samtenen Revolution 1989 besuchen.

Seit der Wende und insbesondere nach seiner Emeritierung war er häufiger zu Gast in der Slowakei. Beim letzten Slowakei-Besuch Johannes Pauls II. im September 2003 lieh Tomko dem sprachlich bereits schwer eingeschränkten Papst seine Stimme und verlas dessen Reden.