Zeitungen mit Mahsa Amini auf dem Cover
Reuters/Wana News Agency
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Iran

Tote im Iran bei Protesten nach Tod von junger Frau

In Iran sind während Protesten wegen des ungeklärten Todes einer jungen Frau nach der Festnahme durch die Sittenpolizei drei Menschen ums Leben gekommen. Das erklärten die iranischen Behörden und Menschenrechtsaktivisten am Dienstag.

Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten äußerten sich am Dienstag beunruhigt über den Tod der jungen Frau und die gewaltsamen Polizeieinsätze bei Demonstrationen. Auch iranische Politiker kritisierten die Religionspolizei.

Auslöser der Proteste ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini, die am Freitag in einem Krankenhaus in Teheran gestorben war. Sie war zuvor von der „Sittenpolizei“ festgenommen worden wegen des Vorwurfs, gegen die strengen Hidschab-Vorschriften verstoßen zu haben. In Social Media war spekuliert worden, Amini sei geschlagen worden. Der iranische Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli und die Polizei wiesen diese Darstellung zurück. Dennoch leiteten die Behörden Ermittlungen ein. Auf Videos sind seitdem Proteste in mehreren Städten des Landes zu sehen, mit Frauen, die ihre Kopftücher demonstrativ abstreifen und ihre Haare abschneiden.

Behörden sehen „orchestrierte Kampagne“

Dem Gouverneur der Provinz Kurdistan zufolge seien die Todesfälle „verdächtig“ und nicht auf die Sicherheitskräfte zurückzuführen. Die iranischen Behörden machen eine orchestrierte Kampagne für die Proteste verantwortlich. Die Hauptelemente der Versammlungen am Montagabend in Teheran seien „komplett organisiert, trainiert und geplant, um Störungen in Teheran zu schaffen“, schrieb der Gouverneur der Hauptstadt Mohsen Mansouri auf Twitter in der Nacht zu Dienstag.

In den vergangenen Monaten hatten Menschenrechtsaktivisten Frauen im Iran verstärkt aufgefordert, ihre Schleier öffentlich abzulegen. Damit würden sie aber gegen die islamische Kleiderordnung verstoßen, und die iranischen Machthaber gehen teils hart gegen ein nach ihrer Ansicht „unmoralisches Verhalten“ vor.

Zwang zu Verschleierung

Nach der iranischen Auslegung der Scharia, die nach der Revolution von 1979 eingeführt wurde, sind Frauen dazu verpflichtet, ihr Haar zu bedecken und lange, locker sitzende Kleidung zu tragen, um ihre Figur zu verschleiern. Wer dagegen verstößt, muss mit öffentlicher Rüge, Geldstrafen oder Verhaftung rechnen.

Die Entwicklungen sorgen zunehmend für Diskussionen. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat den Umgang der iranischen Führung mit den Protesten von Frauen in dem radikalislamisch geführten Land scharf kritisiert.

„Sie müssen gehört werden, denn diese Frauen fordern Rechte ein, die allen Menschen zustehen – nichts anderes als ihre unumstößlichen Menschenrechte“, erklärte die Grünen-Politikerin am Rande der UNO-Vollversammlung am Dienstag in New York. „Diese Botschaft muss endlich bei allen Verantwortlichen ankommen.“