Ein Mann steht vor der Gedenktafel für Opfer des Faschismus im ehemaligen KZ Mauthausen
APA/Fotokerschi
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Befreiungsfeier

Mauthausen: Ökumenischer Gottesdienst am 7. Mai

Im Rahmen der Internationalen Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen am Samstag findet heuer wieder ein ökumenischer Gottesdienst statt. Thema des diesjährigen Gedenkens ist Zivilcourage.

Am 7. Mai um 10.00 Uhr gedenken der Linzer Bischof Manfred Scheuer, der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka und der orthodoxe Erzpriester Alexander Lapin in der Kapelle der oberösterreichischen Gedenkstätte gemeinsam der Opfer. Stellvertretend für die vielen Opfer soll bei dem Gottesdienst in besonderer Weise an drei Einzelschicksale erinnert werden. Im Anschluss an den Gottesdienst findet um 11.00 Uhr die Internationale Befreiungsfeier statt.

Inhaltlich wird der Gottesdienst – so wie die Befreiungsfeier insgesamt – unter dem Thema „Zivilcourage“ stehen. Dazu heißt es auf der Website des österreichischen Mauthausen-Komitees (MKÖ):

„Für das Verhalten von Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus anderen Menschen Hilfe leisteten, Aktivitäten gegen die Nationalsozialisten setzten oder sich dem Widerstand anschlossen, erscheint der Begriff der Zivilcourage aus heutiger Perspektive wenig passend zu sein. Denn alle, die durch ihr Handeln in die NS-Repressionsmaschinerie gerieten, wurden beschuldigt, verfolgt, entwürdigt, bestraft und mussten allzu oft mit dem Leben bezahlen. Solche Rahmenbedingungen gehören zu den extremsten, um zivilen Mut zu beweisen. Das Regime verfolgte Handlungen, die als widerständig bzw. ‚kriminell‘ eingestuft waren, mit brutaler Härte und Willkür.“

Retterinnen und Retter „gewöhnliche Menschen“

Zugleich verweist das MKÖ auf Forschungsergebnisse, wonach die Mehrheit der Retter „gewöhnliche“ Menschen waren, die weder über besondere finanzielle Mittel noch über bessere Bildung oder wichtige Kontakte verfügten. Zwei Drittel der Helfenden waren Frauen. Als ein Beispiel wird die Familie Langthaler aus dem oberösterreichischen Mühlviertel angeführt:

Anna Hackl (geborene Langthaler) und ihre Familie versteckten zwei entflohene sowjetische KZ-Häftlinge – und riskierten damit ihr eigenes Leben. „Retter:innen wurden nicht als solche geboren oder erzogen, sie waren nicht die besseren Menschen. In vielen Fällen entschieden sie sich situationsbedingt für zivilen Mut und wuchsen mit Erfindungsreichtum und Ausdauer über sich hinaus. Viele von ihnen handelten aus religiöser oder politischer Motivation heraus“, so das Komitee.

Trainings für Zivilcourage

Gleichzeitig wird im Blick auf die Gegenwart betont, dass der Widerstand bereits im Kleinen beginnen müsse, „damit nicht eines Tages wieder der große Widerstand erforderlich wird“. Bei Zivilcourage gehe es „um alltägliche Meinungsfreiheit, um das Akzeptieren von Widerspruch, um das Engagement gegen die Diskriminierung von Menschen, die sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzen, und um die Achtung der Menschenwürde“.

Der Anstieg von Rassismus, Mobbing, Ausgrenzung und Diskriminierung, Verschwörungstheorien und Fake News im Bereich des Social Web mache couragiertes Auftreten heute dringend erforderlich. Auf einer eigenen Website bietet das Mauthausen-Komitee Informationen und Trainings zur Zivilcourage, u.a. die Broschüre „Zivil.Courage.Wirkt“ zum Download.

„Fest der Freude“ am 8. Mai

Am Montag, 8. Mai, dem 78. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, findet ab 19.30 Uhr das „Fest der Freude“ auf dem Wiener Heldenplatz statt. Es musizieren wieder die Wiener Symphoniker, weiters wird der deutsche Liedermacher Konstantin Wecker auftreten. Dirigent wird Mark Mast sein. Als Zeitzeugin wird Anna Hackl (91) auftreten, die mit ihrer Familie geflohene sowjetische KZ-Häftlinge versteckte.

Die Befreiungsfeier wie auch das Fest der Freude werden auf ORF III übertragen und auf den Online-Kanälen des MKÖ international gestreamt.