Orange the world

Katholische Frauen: „16 Tage gegen Gewalt“ ohne Tabus im Dialog

Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am Samstag und des anschließenden Aktionszeitraums „16 Tage gegen Gewalt“ ruft die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) auf, Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Dialog zu enttabuisieren.

Über Gewalt zu sprechen, bilde die „unbedingte Voraussetzung dafür, dass erfahrenes Unrecht verstanden und idealerweise zukünftig verhindert wird“, so kfbö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl in einer Presseaussendung im Vorfeld der Aktionstage. Gerade psychologische Gewalt an Frauen werde teils gar nicht erkannt. Grund seien die mangelnde Diskussion und fehlende Aufklärung.

„Es fehlt das Bewusstsein, dass Gewalt mit gesellschaftlicher Diskriminierung beginnt, mit der Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz, mit der Verteidigung traditioneller Rollenbilder und der Zuweisung von Care-Arbeit zu Ungunsten der Frauen“, so kfbö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl.

Ein Viertel der Frauen von Gewalt betroffen

Solange die Ungleichheit der Geschlechter nicht überwunden sei, bleibe auch der „Nährboden für Gewalt bestehen“, so Ritter-Grepl. Die kfbö fordere daher einen gezielten und dauerhaften Bildungsplan zur Gleichstellung von Frauen und Männern, der in Kindergärten und Schulen ansetzt und eine konsequente öffentliche Aufklärungsarbeit umfasst. „Statt 16 Tage müssen wir 365 Tage aktiv gegen Gewalt an Frauen vorgehen“, heißt es in der Presseaussendung.

Laut Statistik Austria ist etwa ein Viertel aller Frauen ab 15 Jahren mit körperlicher oder sexueller Gewalt konfrontiert. Die Dunkelziffer sei jedoch hoch, so die kfb. Auch sei es schwierig, psychologische Gewalt statistisch zu ergeben. Hier brauche es eine bessere Erforschung der Hintergründe und der vielfältigen Facetten psychischer Gewalt.

Kampagne „Orange the World“

Im Jahr 2015 startete die Kampagne „Orange The World“ der Vereinten Nationen. Seither erstrahlen weltweit anlässlich der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ Gebäude in der Farbe Orange als sichtbares Zeichen der Solidarität mit den Opfern. In Österreich ist die Kampagne „Orange The World“ im Jahr 2017 angekommen. Jedes Jahr sind es hierzulande bereits mehr als 250 Gebäude, die orange beleuchtet werden.

Linzer Mariendom beleuchtet
Mariendom / Cityfoto / Mayr
Der Linzer Mariendom erstrahlte 2018 in der Farbe Orange

Auch Diözesen und das Grazer Ordensspital der Elisabethinen beteiligen sich an der UNO-Kampagne „Orange the World“. Das Krankenhaus wird allerdings nicht nur nach außen hin ein Zeichen setzen, sondern startet auch ein internes Gewaltschutzprogramm. Geplant ist unter anderem die Überreichung von „Opferschutzmappen“ an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Mappen enthalten eine Prozessbeschreibung für den Umgang mit gewaltbetroffenen Personen, sowie Dokumentationsbögen zur gerichtsverwertbaren Dokumentation.

Zudem stehen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fünf Kurzvideos „16 Tage gegen Gewalt“ im internen Mitarbeiterportal zur Verfügung. Notwendig sei außerdem, das Thema bei der Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern zu berücksichtigen – etwa in Form von forensischen Pflichtkursen zur gerichtsverwertbaren Dokumentation häuslicher oder sexualisierter Gewalt. Es dürfe nicht passieren, dass ein Gewaltdelikt wegen staatlicher Einsparungen in der Lehre nicht oder nur eingeschränkt verurteilt wird, so die katholische Frauenbewegung.

Südtirol setzt Zeichen

Mit einem landesweiten Sirenensignal und dem gemeinsamen Läuten der Kirchenglocken macht Südtirol auf den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam. An der unter anderem von Landesfrauenbüro initiierten Aktion „Südtirol steht still“ beteiligen sich zahlreiche Organisationen und Institutionen, darunter auch die Diözese Bozen-Brixen.

Bischof die Diözese Bozen-Brixen, Ivo Muser, hat zur Aktion eine Botschaft verfasst, in der er zu einem gemeinsamen entschiedenen Nein gegenüber jeder Gewalt an Frauen aufruft. „Es muss uns als Gesellschaft beschämen, dass immer noch zu viele wegschauen und oft sogar diese Gewalt verharmlosen“, schreibt Muser.