Ein Pfleger geht aus einem Zimmer
APA/dpa/Britta Pedersen
APA/dpa/Britta Pedersen
Österreich

Caritas für „echte Systemreform“ bei Pflege

Die Caritas schlägt angesichts der am Mittwoch veröffentlichten Pflegepersonalbedarfsprognose der Gesundheit Österreich (GÖG) Alarm. Für die Generalsekretärin der Caritas Österreich, Anna Parr, zeigten die Zahlen, dass im Pflegebereich dringend eine „echte Systemreform“ anstelle von Einzelmaßnahmen nötig sei.

Die Bedarfsprognose rechnet vor, dass bis zum Jahr 2050 knapp 200.000 Pflege- und Betreuungspersonen benötigt werden, um die aktuelle Versorgungs- und Betreuungssituation aufrechterhalten zu können. „Die pflegerische Versorgung ist aktuell weder flächendeckend vorhanden, noch ist die Qualität einheitlich gesichert“, kritisierte Parr in einer Aussendung am Mittwochabend.

Der Bedarf liege am Tisch. „Als einer der größten Träger in Österreich appellieren wir an die Politik, jetzt nicht locker zu lassen“, so Parr, es gelte die Prognose zum Anlass zu nehmen, die Pflege zukunftsfit zu machen. „Die pflegerische Versorgung ist aktuell weder flächendeckend vorhanden, noch ist die Qualität einheitlich gesichert, Kosten, Arbeitsbedingungen und Personalschlüssel sind je Bundesland unterschiedlich. Dafür gibt es keine fachlichen Argumente, es braucht hier endlich eine bundesweite Vereinheitlichung.“

Caritas-Österreich-Generalsekretärin Anna Parr
Caritas/Ingo Petramer
Generalsekretärin der Caritas-Österreich Anna Parr

Als besonders wichtig erachtet Parr Anreize für Wiedereinsteigerinnen und -einsteiger in den Beruf zu schaffen, ebenso müsse die Anwerbung ausländischer Fachkräfte weiter forciert werden, da man ohne diese den Bedarf nicht decken könne. Auch eine Digitalisierungsoffensive sowie der Fokus auf Gesundheitsprävention – um ältere Menschen möglich lange mobil zu halten – müsse angegangen werden, forderte die Caritas-Generalsekretärin.

Hohe Fluktuation in Pflegeberufen

„Obwohl noch nie so viele Menschen wie heute in Pflege- und Betreuungsberufen tätig sind oder gerade Ausbildungen absolvieren, fehlen insgesamt bis zum Jahr 2030 rund 51.100 Pflege- und Betreuungspersonen, bis 2040 sogar 119.900 Personen“, rechnete Parr vor. Nicht eingerechnet in die Prognose sei die hohe Fluktuation in der Branche.

„Wenn wir es nicht rasch schaffen, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass Pflege- und Betreuungspersonen möglichst lange in ihren Berufen bleiben, wird der Fachkräftebedarf noch größer“, so die Caritas-Generalsekretärin. „Hier sind Politik und Träger gleichermaßen und gemeinsam gefordert.“