Orthodoxie

Litauen erkennt zweite orthodoxe Kirche an

In Litauen gibt es künftig zwei orthodoxe Kirchen. Das litauische Justizministerium hat das neue Exarchat des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel anerkannt und offiziell registriert, wie litauische Medien am Donnerstag berichteten.

Der zuletzt auf zehn Geistliche angewachsene Klerus will nun bei einer Versammlung Leitungsgremien berufen und den Aufbau der Kirchenstrukturen vorantreiben. Daneben gibt es im Land noch die Litauische Orthodoxe Kirche, die zur Russisch-orthodoxen Kirche gehört. Die Zahl der orthodoxen Gläubigen in Litauen beträgt 150.000. Die meisten von ihnen gehören zur russischen Minderheit.

Bisher hat die Litauische Orthodoxe Kirche den kanonischen Status einer Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche. Die Kirchenleitung unter Metropolit Innokentij (Vasiljev) hat allerdings bereits vor vielen Monaten ein Ansuchen an Moskau um mehr Unabhängigkeit gestellt. Der Metropolit hat auch den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilt. Es gibt allerdings in Litauen auch politische Bemühungen, die zum Moskauer Patriarchat gehörende Diözese zu verbieten.

Neues Exarchat

Geleitet wird das neue Konstantinopler Exarchat vom estnischen Priester Justinus Kiviloo (61), der Anfang Jänner seinen ersten Gottesdienst in Litauen feierte. Er stammt aus der Estnischen Apostolischen Orthodoxen Kirche, die ebenfalls Konstantinopel untersteht. Die übrigen Geistlichen des neuen Exarchats waren zuvor alle für die orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats tätig: in Litauen, Belarus und Russland. Wegen der Kriegsunterstützung des Moskauer Patriarchen Kyrill I. waren die Geistlichen des neuen Exarchats in Konflikt mit der Leitung der russisch-orthodoxen Kirche geraten.

Innokentij enthob schon 2022 fünf von ihnen des Amtes und entzog ihnen die Priesterwürde. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios verlieh ihnen wieder ihren Rang und nahm sie in seine Jurisdiktion auf. Im März 2023 hatte Bartholomaios I. in Vilnius ein Abkommen mit der litauischen Regierung unterzeichnet, das die Errichtung des Exarchats des Ökumenischen Patriarchats in Litauen vorsah.

Die litauische Eparchie (Diözese) der Russisch-orthodoxen Kirche reagierte gelassen auf die Kirchengründung. Ihr Oberhaupt Metropolit Innokentij sagte, die neue Glaubensgemeinschaft müsse als „eine Realität unserer Zeit akzeptiert werden“.