Kolumne

Schönborn: Ukraine erleidet „brutales Unrecht“

Die täglichen Angriffe in der Ukraine „sind immer noch nichts anderes als brutales Unrecht“: Mit diesen Worten hat Kardinal Christoph Schönborn an „den langen Karfreitag der Ukraine“ und den seit Februar 2022 andauernden Angriffskrieg durch Russland gegen die Ukraine erinnert.

Der Wiener Erzbischof schreibe dies „nicht als Politiker“ und habe auch „keine Ratschläge zu erteilen“, sondern in Gedenken an das Kreuzesleiden Jesu, das im Zentrum des Karfreitags steht, erklärte er in seiner Freitagskolumne in der Gratiszeitung „Heute“ (Ausgabe 29. März). „Ich denke an das nicht enden wollende Leid, das dieser sinnlose Krieg über so viele Menschen bringt“, so Schönborn wörtlich.

„Ich kann mich nicht daran gewöhnen, dass dort seit über zwei Jahren ein Angriffskrieg wütet, der durch nichts zu rechtfertigen ist“, so Schönborn und warf damit Fragen nach den Ursachen des Krieges auf: „Was haben die Menschen in der Ukraine Böses getan, für das Russlands Präsident die Ukraine ‚bestrafen‘ will? Wovon will er sie ‚befreien‘?“

Erinnerung an Holodomor

Es gäbe täglich Tote und Verwundete auf beiden Seiten und „kein Ende in Sicht“, schrieb Schönborn. Er erinnerte zudem an die Leides des ukrainischen Volkes in den letzten 100 Jahren, etwa den Holodomor, den durch Stalin künstlich erzeugten Hungertod von Millionen Menschen (1933–34) sowie die Grauen des 2. Weltkriegs. Letztlich sehnen sich Menschen nach Frieden und „wollen leben dürfen“, so Schönborn, der allen „von Herzen den Osterfrieden“ wünschte.

Aufruf zu Friedensverhandlungen

Zuvor hatte Kardinal Schönborn im Interview mit Kathpress und den Medien der Erzdiözese Wien zu Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland aufgerufen: „Wenn nicht angefangen wird, zu verhandeln, dann geht das Massaker weiter.“ Hintergrund waren Aussagen von Papst Franziskus, der im Interview mit dem Schweizer Fernsehens RSI der Ukraine Verhandlungen unter internationaler Vermittlung nahegelegt hatte.

Wahre Stärke beweise derjenige, „der die Situation betrachtet, an die Bevölkerung denkt und den Mut zur weißen Fahne und zu Verhandlungen hat“, sagte der Papst unter anderem. „Im Ukraine-Krieg wird es Verhandlungen geben müssen – keine Seite wird 100 Prozent erreichen“, so Schönborn. Er lasse sich gerne sagen, „dass das Defätismus ist, aber ein weiteres Jahr dieses Krieges mit zigtausend Toten und Zerstörungen ist keine Option“. Verhandeln sei für ihn daher kein Zeichen von Schwäche.