Welt-Autismus-Tag

Angehörige: Fester Gottesdienst-Ablauf für Autisten wertvoll

Autistisch veranlagten Personen kommen die fixen Abläufe bei Gottesdiensten entgegen. Darauf hat Birgit Kubik, Autorin und Mutter eines von Autismus betroffenen 19-Jährigen, kürzlich in einem Interview mit den „Niederösterreichischen Nachrichten“ (NÖN) hingewiesen.

Anlässlich des Welt-Autismus-Tages am 2. April zeigte sich Kubik grundsätzlich zufrieden mit dem Stand der Aufklärung über die Entwicklungsstörung in Österreich, sprach sich dennoch für ein weiteres Aufmerksammachen aus. Nicht diagnostizierte Kinder hätten noch immer Probleme im Kindergarten oder in der Schule, so die indirekt selbst Betroffene, die „sensibilisieren und vorschnelle Vorurteile abbauen“ will.

Ihr Sohn gehe ausgesprochen gerne in die Kirche, so die Autorin des besonders an Pädagogen und Therapeuten gerichteten Buches „In seinem Element – Der ganz normal-verrückte Alltag mit unserem autistischen Sohn“. „Als Autist braucht er Programm und Struktur. Beim Gottesdienst kennt er die Abläufe. Das nimmt ihm Stress, und er kann da echt gut entspannen.“ Mitunter gestalte der Jugendliche den Gottesdienst selbst aktiv und begeistert mit. „Ein Pfarrer hat einmal gesagt, wären alle so fröhlich wie Max, wäre hier eine tolle Stimmung“, so Kubik.

Autismus „eigene Welt“

Das Großziehen eines mehrfach behinderten Kindes sei freilich fordernd. Ihr Sohn habe auch massives ADHS, „es drängt ihn hinaus und unter Leute, er braucht immer Programm“, berichtete Kubik. Autismus sei eine eigene Welt, die man als Eltern erst verstehen lernen müsse. Etwa, „dass Prozesse bei manchen autistischen Kindern immer abgeschlossen werden müssen. Sie müssen beispielsweise alles auf einmal austrinken“. Oft seien es nur Kleinigkeiten, die es neu zu organisieren gelte, „damit sich solche Kinder entfalten und weniger Stress haben“.

Eltern, die mit der Diagnose ihres Kindes konfrontiert seien, „muss man nicht wirklich etwas sagen“, befand Kubik. „Mutterliebe ist so stark, dass man so viel schaffen kann, was man vorher nie geglaubt hätte zu schaffen. Die Liebe trägt alles.“ Dennoch halte sie es für wichtig, „sich rechtzeitig Hilfe und Auszeiten zu organisieren. Die Kraft wird nicht mehr, sondern weniger.“

Sie selbst sehe das Leben mit ihrem Sohn als große Bereicherung. „Er hat eine ansteckende Lebensfreude in sich, die uns immer hat weitermachen lassen. Seine Offenheit und Direktheit und auch, dass er keine Unterschiede macht, wenn er Leute anspricht, kann man sich als Vorbild nehmen.“