Yangdon Tenzin – das Mädchen aus Tibet

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Yangdon Tenzin – das Mädchen aus Tibet

Yangdon Tenzin ist Buddhistin tibetischer Tradition. Als kleines Mädchen musste sie mit ihrer Familie wegen ihres Glaubens fliehen. Der Weg führte über Nepal nach Indien. Vor sieben Jahren schließlich kam sie als 15-Jährige nach Wien.

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„Religionen der Welt“ am 17.10.2015, 16:55 Uhr, ORF 2

Als kleines Mädchen musste Yangdon Tenzin mit ihrer Familie aus Tibet fliehen. Der Grund: „Meine Eltern haben zuhause ein Video vom Dalai Lama gesehen, das war verboten. Irgendjemand hat uns angezeigt“,erzählt Yangdon Tenzin.

Die Flucht führte zunächst nach Nepal, später nach Indien. Vor sieben Jahren kam sie dann als 15-Jährige nach Wien. Ohne ein Wort Deutsch zu können und ohne Vorstellung wie dieses Österreich sein würde.

Von den Wienern wurde und wird sie abwechselt als Japanerin oder Koreanerin angesehen, jedenfalls aber als „Asiatin“. Die fremde Herkunft ist augenscheinlich. Obwohl die Menschen überwiegend sehr freundlich auf sie reagieren und sie das freie Leben in Wien genießt, fehlt ihr doch die Heimat. „Es bleibt eine gewisse Einsamkeit. Es gibt so wenige Tibeter hier“, meint Yangdon Tenzin.

Zumindest ihre Wohnung ist aber ein echtes Stück Tibet mitten in Wien, mit traditionellem Wandschmuck und Hausaltar. Heimatgefühl vermitteln auch buddhistische Riten, die sie täglich ausführt, wie das morgendliche „Wasseropfer“ und sie singt alte tibetische Volkslieder. Ihr großes Idol ist der Dalai Lama. „Für ihn würde ich alles tun“, sagt sie und lacht. Eines steht für sie fest, sie will wieder zurück nach Tibet.

Entweder das Land wird in Zukunft wieder frei sein, oder sie will irgendwann als österreichische Staatsbürgerin in ihre Heimat reisen. Mit viel Ehrgeiz hat die 22-Jährige in kürzester Zeit Deutsch gelernt und schließlich, durch die Umschulung etwas verspätet, die Matura gemacht. Nun hofft sie auf einen Studienplatz der Medizin. Ihr großer Traum ist es, Ärztin zu werden und dann den Menschen in Tibet zu helfen.

Fünf Exil-Geschichten

Sie kommen aus verschiedenen Ländern und mussten aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen – ihre Exil-Geschichten jedoch sind immer auch mit ihrer Religionszugehörigkeit verbunden. Die ORF-Sendung „Religionen der Welt“ hat fünf Menschen porträtiert, die im Laufe ihres Lebens ins Exil mussten oder gerade im Exil sind: die Jüdin Margarete Schön Healy, den Muslimen Ali Reza Bahrami, die Buddhistin Yangdon Tenzin, die Jesidin Sundus Al-Najar und den Juden Ilan Knapp. Heute leben sie alle in Österreich.

Die Reihe „Exil“ startete am Samstag, 3.10., 16.55 Uhr, ORF 2 mit der Geschichte von Ilan Knapp.

Gestaltung: Julia Wallnöfer
Redaktion: Barbara Krenn

An den kommenden Samstagen, werden folgende Personen vorgestellt:

  • Samstag, 24.10.:
    Ali Reza Bahrami ist Muslim. Der Afghane sagt von sich selbst, dass er eigentlich schon immer im Exil lebt. Seine Eltern flohen vor seiner Geburt aus Afghanistan in den Iran. Als 13-Jähriger kam er allein in Wien an. Bei einer muslimischen Familie hat er jetzt ein zuhause gefunden.
  • Samstag, 31.10.:
    Margarete Schön Healy ist Jüdin. 1938 ist ihr die Flucht aus Wien in die USA gelungen. Im amerikanischen Exil hat sie sich lange Zeit fremd gefühlt. Ein halbes Leben verging bis sie wieder zurück nach Österreich kam.

Alle Porträts werden auch im Rahmen des Jüdischen Filmfestivals Wien (von 7. – 22.10.), das sich in diesem Jahr dem Thema „Exil“ widmet, gezeigt.