Niedere Weihen zu Maria Lichtmess im Priesterseminar der Priesterbruderschaft in Zaitzkofen.

ORF/Peter Beringer/Hans Schober

„Päpstlicher als der Papst - 50 Jahre Piusbruderschaft“ und „Ein anderes Land - Die Reformation in Österreich“

1969, vor 50 Jahren, beantragte der französische Erzbischof Marcel Lefebvre beim Bischof von Fribourg in der Schweiz die Gründung einer neuen Priesterbruderschaft.

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ORF

Sendungshinweis

Di., 25.06.2019 22:35 Uhr, ORF 2

„kreuz und quer“ zeigt am Dienstag, dem 25. Juni 2019, ab 22.35 Uhr in ORF 2 den Film „Päpstlicher als der Papst – 50 Jahre Piusbruderschaft“. Um 23.10 Uhr geht es mit „Ein anderes Land – Die Reformation in Österreich“ weiter.

„Päpstlicher als der Papst – 50 Jahre Piusbruderschaft“

Der Name „Piusbrüder“ war Programm: Das Pontifikat von Papst Pius X. (1903 bis 1914) stand für einen traditionalistischen, der Moderne gegenüber äußerst kritischen Katholizismus. 1970 richtete Lefebvre ein Priesterseminar in Écône im Schweizer Kanton Wallis ein und machte offen Front gegen Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Niedere Weihen zu Maria Lichtmess im Priesterseminar der Priesterbruderschaft in Zaitzkofen.

ORF/Peter Beringer/Hans Schober

Priesterseminaristen wurden auf die lateinische Messe im alten Ritus eingeschworen. Ausdrücklich verworfen wurden der Volksaltar, das Engagement um die Ökumene (der Dialog um die Einheit aller Kirchen), die Anerkennung der Religionsfreiheit, der interreligiöse Dialog, die gemeinsame Lehrautorität von Papst und Bischöfen und ein verändertes Verhältnis von Priester und Laien.

Priesterseminar und Bruderschaft wurden von Rom 1975 offiziell aufgehoben, Lefebvre später suspendiert. Dennoch machte er weiter, weihte Seminaristen zu Priestern, gründete sogar neue Seminare.

Schließlich weihte er 1988 – ohne Zustimmung Roms – vier seiner Priester zu Bischöfen, um den Fortbestand der Bruderschaft zu sichern. Die Bischöfe und Lefebvre wurden exkommuniziert. Rom hat diese Maßnahme inzwischen zwar zurückgenommen, die Priesterbruderschaft aber trotz vieler Gespräche nicht wieder anerkannt.

Die Piusbrüder betrachten sich nach wie vor als katholisch. Für Rom gelten die Priester weiterhin als abtrünnig. Ihre Weihe ist aber gültig, so dass auch die Anhänger derzeit Sakramente wie die Eucharistie oder Beichte und Buße gültig empfangen können. Die Zahl der Anhänger ist weltweit inzwischen auf rund 600.000 angewachsen, es gibt sechs Seminare auf verschiedenen Kontinenten, mehr als 700 Messzentren und 50 bis 60 neue Priesterweihen pro Jahr. Was motiviert diese Priester, was motiviert ihre Anhänger, wie leben sie mit ihrem Ausschluss durch das offizielle Rom?

Regisseur Peter Beringer geht dieser Frage nach und besucht Familie Jeindl, die in der Buckligen Welt eine Landwirtschaft und einen Heurigen betreibt. Zehn Kinder haben Vater Ferdinand und Mutter Eva Maria Jeindl großgezogen. Kinder und Eltern erzählen, wie es ist, mit einem betont katholischen Weltbild heute aufzuwachsen, und warum sie in der Piusbruderschaft und der alten römischen Tradition ihre geistige Heimat finden.

ronleichnahmsschützen in Hallstatt - es sind auch Evangelische dabei.

ORF/Peter Beringer

„Ein anderes Land – Die Reformation in Österreich“

Heute wissen hierzulande nur wenige davon: Etwa 100 Jahre lang, von 1525 bis 1625, waren Ober- und Niederösterreich, die Steiermark wie auch die damaligen habsburgischen Erbländer Böhmen, Mähren, und Ungarn protestantisch.

Die Reformation hatte sich rasend schnell verbreitet. Bibeln und fromme Traktate aus den reformatorischen Zentren gelangten durch den neu entwickelten Buchdruck in Windeseile in die Haushalte von österreichischen und steirischen Adeligen, Bürgern und Bauern, sogar der habsburgische Kaiser und Landesherr Maximilian II. soll lutherische Sympathien gehabt haben. Der landständische Adel förderte und versorgte lutherische Prädikanten.

Diese predigten und feierten in den Pfarrkirchen das Abendmahl in lutherischer Manier. Sie verurteilten die katholische Heiligen- und Marienverehrung und die Fronleichnamsprozessionen, die an manchen Orten sogar verboten wurden.

Der Film von Peter Beringer zeigt diese 500-jährige Geschichte, die rasend schnelle Etablierung protestantischer Gemeinden ab 1525 und die anschließende Unterdrückung. Und er geht der Frage nach, warum die protestantische Konfession damals, und warum sie heute die Menschen bewegt.

Die Doku zeigt auch eine gemischt-konfessionelle Familie (er ist evangelischer Pfarrer, sie katholische Religionslehrerin), in der deutlich wird, welche Streitthemen heute überwunden sind und welche Unterschiede weiterhin die beiden Kirchen trennen – und wie die beiden ihre Kinder ökumenisch erziehen. Denn was heute offiziell zwischen den Kirchen noch nicht möglich ist, wird im Kleinen oft schon ganz konkret gelebt – wie etwa der Kommunionempfang bei der jeweils anderen Konfession.