Roboter

ORF/Neulandfilm

Das Ende der Seele

Was, wenn Mensch und Maschine eins werden? Was, wenn Maschinen so intelligent werden, dass sie beseelt wirken und der Unterschied zwischen Mensch und Maschine verschwimmt?

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ORF

Sendungshinweis

Dienstag, 03. September 2019
um 23.15 Uhr, ORF 2

Wenn künftig maßgebliche Entscheidungen an Rechenprogramme ausgelagert werden, die eigenständig Datensätze verarbeiten und Handlungsanweisungen geben, ist dann nicht der Mensch in Gefahr, seine Seele zu verlieren?

Lukas Sturm und Valentin Badura gehen in „kreuz und quer“ am Dienstag, dem 3. September 2019, um 23.15 Uhr in ORF 2 der Frage nach, ob das anbrechende Zeitalter das „Ende der Seele“ bringen könnte.

Der Gedanke, dass der Mensch beseelt ist und auch Tiere und Pflanzen eine Seele haben, ist so alt wie die Menschheit. Die alten Ägypter hatten ein ausgefeiltes Konzept der Existenz von gleich drei Seelenaspekten (Ka-Ba-Ach). Aristoteles definiert sie bescheidener – als das „Prinzip der belebten Wesen“. Wer im Sinne des modernen Zeitgeistes glaubt, nur das unmittelbar Beobachtbare sei objektiv vorhanden, tritt dem Begriff meist mit Skepsis gegenüber. Vorstellungen von einem unsterblichen Anteil im Menschen sind in allen Kulturen seit jeher präsent – und bis heute ein prägender Teil geblieben.

Roboter

ORF/Neulandfilm

Löst sich die Vorstellung von Seele im Zeitalter der Digitalisierung in Nullen und Einsern auf? Diese provokante These vertritt Natasha Vita-More, die sich für die Sendung als 3-D-Figur reproduzieren lässt. Sie ist Anhängerin des Transhumanismus. Die Grenzen menschlicher Existenz, so auch die Sterblichkeit, stellt sie infrage. Sie schildert als mögliches Zukunftsszenario, dass die Identität der menschlichen Person „ausgelesen“ und auf einem Datenträger geladen werden kann, um sie sodann einem anderen Organismus einzupflanzen. Vita-More ist der Überzeugung, dass dabei sogar die Seele erhalten bleibt.

Die gegenteilige Position vertritt der österreichische Künstler, Autor und Dichter André Heller. Seinen Garten in der Nähe von Marrakesch, dem er nach dem lateinischen Wort für Seele den Namen „Anima“ gegeben hat, sieht er als einen Hort des Seelenheils. Es ist ein paradiesischer Garten voller beseelter Natur. Von einer technisierten, schnelllebigen Welt findet sich hier keine Spur. Seele ist für Heller nicht das künstlich Geschaffene, sondern die „Vielfalt dieses Ausbildungsprogramms Erde“.

In der Pflege kommt die Nachbildung einer Robbe zum Einsatz, die durch Robotik ganz ähnlich wie ein Lebewesen agiert. Von den Patientinnen und Patienten wird diese Robbe auch tatsächlich wie ein Lebewesen behandelt. Wird hier die Pflege von Menschen an Maschinen ausgelagert? Die Pflegekräfte sind sich dieser Gefahr bewusst, die Roboterrobbe „Hanni“ wird nur unter strenger Überwachung eingesetzt.

In Zukunft könnte der Alltag noch viel stärker von humanoiden Robotern geprägt werden. Ihre Massenfertigung hat bereits begonnen. Doch je nach Wunsch der Kundinnen und Kunden haucht ihnen der Softwareentwickler Dimitrios Prodromou eine „Seele“ ein. Der paradoxe Befund der Roboterpsychologin Martina Mara: Je menschenähnlicher ein Roboter erscheint, desto befremdlicher.

Anthropologe Constantin von Barloewen vertritt die These, dass das gegenwärtige Zeitalter von Technizismus geprägt sei und Technik geradezu zum Gottesersatz erhoben wurde. Theologe und Mediziner Matthias Beck ist überzeugt, dass auch Atheisten den Unterschied zwischen einer Supermarktfiliale und einer Kirche spürten. Dass heute weniger Menschen in die Kirche gingen, bedeute nicht, dass es kein spirituelles Bedürfnis gebe. Es werde nur noch anders ausgelebt. Ob Roboter eine Seele haben, wirft für Beck eine weitere Frage auf: Verlieren wir im Angesicht der fortschreitenden Technik das Bewusstsein dafür, wer wir sind?