Barbara Baldini mit ihrer Nachbarin

ORF/Metafilm/Klemens Koscher

„Zum Glück“ und „Wenn man trotzdem lacht“

Ist die Frage nach dem Glück nur individuell zu beantworten? Reichtum, Erfolg, guter Sex, Gesundheit und Familie werden von vielen mit Glück gleichgesetzt. Andere sagen, vieles davon führe uns weg vom Glück. Es sei nicht im Außen zu finden.

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ORF

Sendungshinweis

Dienstag, 17. Dezember 2019
um 22.35 Uhr, ORF 2

Wo genau liegt es? Kann man das Glücksempfinden im Gehirn messen? Wie wird man glücklich? Welche Rolle spielen Dankbarkeit und Achtsamkeit? Soll man um das Glück kämpfen, es vergessen, darauf warten oder kann man es vielleicht sogar lernen?

„kreuz und quer“ zeigt dazu am Dienstag, dem 17. Dezember 2019, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Dokumentation „Zum Glück“ von Tobias Dörr. In Stefan Ludwigs Film „Wenn man trotzdem lacht“ (23.25 Uhr) erzählen „CliniClowns“ und „Rote Nasen“, wie sie kranken Menschen in Spitälern mit Humor wieder Hoffnung und Lebensmut schenken wollen.

Barbara Baldini mit ihrer Nachbarin

ORF/Metafilm/Klemens Koscher

„Zum Glück“

„Etwas haben zu wollen, um dann zu glauben, man sei glücklich, ist so wie Honig von der Rasierklinge zu schlecken“, sagt die Sexualpädagogin und Kabarettistin Barbara Balldini. Aufgewachsen als Findelkind in einem von Nonnen geführten Altersheim, war Balldini schon in jungen Jahren mit dem Tod konfrontiert. Daraus sei bereits als Kind der Wunsch entstanden, am Ende des Lebens nicht zu sagen: „Ach, hätt’ ich doch!“ Das sei so prägend gewesen, dass sie ein ganz verrücktes Leben geführt habe und nach wie vor führe.

So landete Balldini nach ihrer Zeit im Kloster als junge Frau zuerst auf der Straße, dann im Zirkus und schließlich im Waldviertel, wo sie auch heute noch lebt. „Der allerwichtigste Grundsatz im Leben ist die Dankbarkeit“, sagt die Psychoanalytikerin Ute-Karin Höllrigl. Dankbar auf das zu schauen, was da sei, und nicht darauf, was fehle, das habe ihr Leben revolutioniert, sagt sie. Für Höllrigl, praktizierende Christin, ist die Dankbarkeit das Wesentlichste in der Beziehung zu Gott.

Wichtig ist die Dankbarkeit nicht nur für Christinnen und Christen, denn: Dankbarkeitsrituale und Vergebungsübungen hätten positive Auswirkungen auf unsere Stresshormone und seien im Gehirn messbar, sagt der Neurobiologe Prof. Tobias Esch von der Universität Witten/Herdecke. Esch beschreibt drei Arten des Glücks: Das jugendliche Glück, das Erleichterungsglück und das Glück der Zufriedenheit, in der man erkenne, dass genau jetzt alles passe.

Vor allem das Glück der Zufriedenheit lasse sich mit Gedanken und Techniken wie z. B. Meditation von uns herbeiführen, ungeachtet unserer Lebensumstände. Esch, der seine medizinische Karriere als Pflegehelfer in der Onkologie begann, betreut in Witten die erste Ambulanz Deutschlands, in der Patientinnen und Patienten auf Krankenkassenkosten auch Meditation lernen können.

„Ich hatte in meinem Leben immer Glück“, sagt Steffen. Der 38-jährige studierte Wirtschaftsingenieur macht kurz nach seinem Studium in Hamburg schnell Karriere. Mit Anfang 30 ist er bereits Geschäftsführer eines kleinen mittelständischen Unternehmens. Die Zahlen stimmen, die Belegschaft fühlt sich wohl. Aus dem Nichts wird bei Steffen ein Glioblastom diagnostiziert, die bösartigste Form eines Gehirntumors. Lebenserwartung: 365 Tage. „Plötzlich ist das Leben wie ein Luftballon, der zerplatzt – nichts ist mehr so wie es war.“

In Deutschland kann man medizinisch nichts mehr für ihn tun. Eine Behandlungsmöglichkeit, eine sogenannte Laserablation, findet er dank einer Internetrecherche in den USA. Mit Hilfe einer Sonde wird der Tumor erhitzt und dadurch abgetötet. Das könnte die Rettung sein, wären da nicht die Kosten: Der Eingriff beläuft sich auf 80.000 Dollar.

Für Steffen ist diese Summe nicht zu bezahlen. Gemeinsam mit seinen Freunden dreht er ein Crowdfunding-Video, das ihm das Leben rettet. Innerhalb von dreieinhalb Tagen spenden Menschen aus aller Welt 80.000 Dollar, damit Steffen operiert werden kann. Die Operation glückt.

Steffen lebt heute, drei Jahre nach der Diagnose, bewusster, achtsamer. Er hatte Glück, dennoch überlässt er sein Glück nicht dem Zufall: „Jede Sekunde passiert nur einmal und jeder kann bestimmen, wie er diese Sekunde erlebt.“ Ist Glück also vielleicht sogar eine Entscheidung?

Ein Film von Tobias Dörr

Christoph Schiele und Verena Wondrak (CliniClowns)

ORF/Metafilm

„Wenn man trotzdem lacht“

Weihnachten ist eine ganz besondere Zeit im Spital. Das spüren auch die Clowndoktoren von den Organisationen „Cliniclowns“ und „Rote Nasen“, die inzwischen in vielen Kliniken in Österreich zum Alltag gehören.

Die Clowns sehen ihre Berufung darin, die kleinen und großen Patientinnen und Patienten nicht nur kurzzeitig zu „bespaßen“, sondern sie stellen die menschliche Begegnung in den Mittelpunkt: Sie wollen Lebensfreude schaffen, Leichtigkeit bringen und nachhaltig Perspektiven ändern.

Insgesamt 149 Clowns waren 2018 für die beiden großen Organisationen „Cliniclowns“ und „Rote Nasen“ österreichweit im Einsatz. Ihr Publikum sind vor allem Kinder, Seniorinnen und Senioren, aber auch erwachsene Patientinnen und Patienten sowie Menschen in Flüchtlingsheimen.

In den Einrichtungen sind sie inzwischen meist gern gesehene Gäste: Auch das Personal lacht gern, und die Clownseinsätze sind für Patientinnen und Patienten, Spitäler und Versicherungen kostenlos – die Arbeit wird über Spenden finanziert.

Filmemacher Stefan Ludwig hat Clowns in Wien und Innsbruck mit der Kamera begleitet und dabei erfahren, wie sie mit den ganz großen menschlichen Emotionen konfrontiert werden: Geburt und Tod, Freude und Leid erleben sie unmittelbar mit. Die Rolle des Clowns ermöglicht es ihnen, Patientinnen und Patienten in kurzer Zeit sehr nahe zu kommen.

Deswegen ist es umso wichtiger, dass Krankenhausclowns heute eine jahrelange professionelle Ausbildung haben, in der sie sich auch intensiv mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen müssen. Denn wirklich herzlich lachen kann ein Publikum nur, wenn der Clown seine eigenen privaten Schwächen „der Clownfigur zur Verfügung stellt“.

Zum Handwerkszeug gehört neben Tricks und Musik auch eine feine Sensibilität für das Befinden des Publikums. Denn die erste Frage lautet immer: „Dürfen wir hereinkommen?“

Gute Clowns pflegen eine kindliche Offenheit, eine bewusste Naivität – für den Menschen, für die Stimmung im Krankenzimmer, für den Augenblick.

Dadurch entsteht oft Unerwartetes – ein lautes Kinderlachen, ein plötzlicher Moment der Stille, ein spontanes gemeinsames Spiel. Solche emotionalen Geschenke anzunehmen, sagen erfahrene Clowns, das macht die Spiritualität des Clowns aus. Eine Hoffnungsgeschichte zum Weihnachtsfest.

Ein Film von Stefan Ludwig