Kardinal Christoph Schönborn

ORF/Thalia Film/Andreas Hagemann

„Kardinal Christoph Schönborn zum 75er“ und „Ein Samurai im Vatikan“

Am 22. Jänner 2020 feiert Kardinal Christoph Schönborn seinen 75. Geburtstag, 2020 darf er auch auf eine Amtszeit von 25 Jahren als Erzbischof von Wien zurückblicken.

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ORF

Sendungshinweis

Dienstag, 21. Jänner 2020
um 22.35 Uhr, ORF 2

Im Oktober 2019 hat Schönborn – das muss jeder katholische Bischof anlässlich seines bevorstehenden 75. Geburtstags tun – sein Rücktrittgesuch bei Papst Franziskus eingereicht. Damit wird in absehbarer Zeit, sobald der Papst das Rücktrittsgesuch annimmt, für die katholische Kirche in Österreich eine Ära zu Ende gehen.

In der „kreuz und quer“-Dokumentation „Kardinal Christoph Schönborn – Hirte und Krisenmanager“ zeichnet Regisseur Peter Beringer am Dienstag, dem 21. Jänner, um 22.35 Uhr in ORF 2 ein vielschichtiges Porträt des renommierten Kirchenmannes, dem Weggefährten und Beobachter nachsagen, im Lauf seiner Amtszeit aus Erfahrungen viel gelernt zu haben.

In Sevilla lagert ein japanisches Pergament, das eine ungewöhnliche Geschichte erzählt: Anfang des 17. Jahrhunderts brachen der Samurai Hasekura Tsunenaga und der Franziskanermönch Luis Sotelo gemeinsam von Japan auf, um mit dem Papst und der spanischen Krone über die Eröffnung einer neuen Seestraße als Alternative zum Seeweg nach Indien zu verhandeln.

Als sie die Segel Richtung Mexiko setzten, ahnten sie noch nicht, dass ihre Reise sieben Jahre dauern und bis in den Vatikan führen würde, wie die „kreuz und quer“-Dokumentation „Ein Samurai im Vatikan“ um 23.20 Uhr zeigt.

„Kardinal Christoph Schönborn – Hirte und Krisenmanager“

1995 trat der Dominikanerpater Christoph Schönborn sein neues Amt als Erzbischof von Wien an – in den turbulenten Zeiten der Krise um seinen Vorgänger Hans Hermann Groer, dem man sexuellen Missbrauch an Zöglingen vorwarf. Der als moderat konservativ geltende Ordensmann Schönborn, zuvor Wiener Weihbischof, ab 1998 auch Mitglied des Kardinalskollegiums, erwies sich bald als kirchlicher Krisenmanager – und überraschte manche Kritikerinnen und Kritiker mit reformorientierten Entscheidungen und kompromissloser Aufklärung der kirchlichen Missbrauchsskandale.

Die gesellschaftlich-säkulare „Großwetterlage“ ist unwirtlich: Kirchenaustritte und ein überalterter Klerus mit wenig Nachwuchs stellen den „Hirten“ Schönborn und die katholische Kirche in Österreich vor eine schwierige Situation.

Aber auch das konfliktreiche Kirchenleben hielt den Wiener Erzbischof in Atem: Kämpferisch konservative Kreise kritisierten die Bemühungen Schönborns um pastorale Lösungen – etwa bei wiederverheirateten Geschiedenen oder im Fall jenes Pfarrgemeinderats, der in einer homosexuellen Partnerschaft lebt, und dessen Wahl Schönborn gegen den Willen des Ortspfarrers bestätigte.

Gruppen wie die Pfarrer-Initiative oder die Plattform „Wir sind Kirche“ kritisieren hingegen den Reformstau, fordern weiterhin die Zulassung von Frauen zum Weiheamt – und von verheirateten Männern zum Priesteramt: eine Frage, die in jüngster Zeit unter Papst Franziskus auch auf weltkirchlicher Ebene wieder diskutiert wird.

In Österreich, aber auch international hat Kardinal Schönborn als Krisenmanager Beachtung gefunden: Schon in der Affäre um seinen Vorgänger Hans Hermann Groer fand er – nach einem ersten unglücklichen Medienauftritt – klare Worte.

Nach den 2010 bekannt gewordenen kirchlichen Missbrauchsfällen, die bis in die 1960er Jahre zurückreichten und eine Welle von Kirchenaustritten bewirkten, schwor Schönborn die teilweise unsicheren Mitglieder der Bischofskonferenz auf einen klaren Aufklärungskurs ein.

2019 sorgte der Kardinal für Aufsehen, als er mit der ehemaligen Ordensfrau Doris Wagner vor die Kamera trat und dem Missbrauchsopfer versicherte, er glaube ihrer Geschichte. In der Flüchtlingskrise 2015 mahnte der Kardinal, „hinzuschauen und zu helfen“ – und übte zugleich Selbstkritik: Bei der Hilfe seitens der Kirche sei noch „Luft nach oben“.

Am 1. Dezember 2017 setzte Schönborn einen weiteren vielbeachteten Schritt: Im Wiener Stephansdom hielt der Kardinal erstmals einen Gedenkgottesdienst zum Weltaidstag, bei dem der rund 36 Millionen Menschen gedacht wurde, die bisher an Aids verstorben waren.

„Es gibt eine schwierige Tradition zwischen dem Thema HIV/Aids und der Kirche, weil es natürlich Themen berührt wie Sexualität, Lust und auch gleichgeschlechtliche Sexualität“, so Life-Ball-Organisator Gery Keszler, der am Gottesdienst teilnahm und betonte: „Dass wir in Österreich einen Kardinal haben, der sich im Sinne der Nächstenliebe auch sehr sorgt, und auf Menschen, denen es schlecht geht, ohne Vorurteile zugeht, macht mich sehr, sehr glücklich.“

Die „kreuz und quer“-Dokumentation geht der familiären Herkunft Schönborns aus adeligem Hause nach, beschreibt seinen Werdegang als Dominikaner und Theologe. Wie denkt der Kardinal über Reformen und die innerkirchlichen „heißen Eisen“?

Was ist für ihn das Eigentliche des christlichen Glaubens? Und wie verbindet er seine Intellektualität mit einem volksnahen Glauben? Zu einzelnen Stationen und auch Irritationen in seiner Zeit als Wiener Erzbischof und Kardinal kommen unter anderen zu Wort:

der Schriftsteller Peter Turrini, den eine lange und kritische Freundschaft mit Schönborn verbindet, Helmut Schüller, Schönborns früherer Generalvikar und Chef der Pfarrer-Initiative; der Pastoraltheologe Paul M. Zulehner; die exkommunizierte Vorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“, Martha Heizer; Pater Karl Wallner von der Päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz; die Theologin Regina Polak und der Journalist Heiner Boberski.

Ein Film von Peter Beringer

„Ein Samurai im Vatikan“

Warum tragen 600 Einwohnerinnen und Einwohner der südspanischen Kleinstadt Coria del Río den Familiennamen „Japón“? Es handelt sich um das Erbe einer ungewöhnlichen Expedition, die 400 Jahre zurückliegt: Im Oktober 1613 ging der Samurai Hasekura Tsunenaga im Auftrag des Herrschers Date Masamune im japanischen Sendai an Bord der Galeone „San Juan Bautista“.

Neben Händlern, Kriegern und spanischen Seeleuten schiffte sich auch der spanische Franziskanermönch Luis Sotelo ein, der fließend Japanisch sprach.

Die Gesandtschaft wollte vom spanischen König Philipp III. und von Papst Paul V. die Erlaubnis einholen, eine neue Seestraße neben der Gewürzroute nach Indien zu eröffnen; im Gegenzug sollten christliche Missionare nach Japan geschickt werden.

Bei seinem Aufbruch ahnte Hasekura Tsunenaga noch nicht, dass die Reise sieben Jahre dauern und ihn über die Weltmeere zu den mächtigsten Herrschern des Westens und der westlichen Kolonien führen sollte.

Mit einem neuen Namen und einem neuen Religionsbekenntnis kehrte er in sein Heimatland Japan zurück, das sich unterdessen völlig gewandelt hatte. Wer war dieser japanische Samurai? Was ist über seine Beweggründe bekannt und was über die tatsächlichen Hintergründe der Expedition?

Vier Jahrhunderte nach Tsunenaga besucht der Geschichtsprofessor Jésus San Bernardino von der Universität Sevilla Originalschauplätze und Archive, um die Hintergründe der langen Seereise aufzudecken.

In Acapulco, Sevilla, Madrid und im Vatikan sucht er nach Berichten von Zeitgenossen, die den Mitgliedern der Gesandtschaft begegnet sind und Gegenstände oder Wissen mit ihnen ausgetauscht haben.

Die Dokumentation zeichnet anhand von unveröffentlichtem Archivmaterial Tsunenagas Werdegang vom Samurai zum Weltbürger im Spannungsfeld wirtschaftlicher, politischer und religiöser Fragen nach.

Ein Film von Stéphane Bégoin (ORF-Bearbeitung: Doris Hochmayr)