22.11.2020, 12.30 Uhr, ORF 2, 24.11.2020, 8.55 Uhr, ORF III, 28.11.2020, 11.30 Uhr, ARD ALPHA

Sinn und Suche: Gemeindeleben mit „Corona-Abstand“

Sinn und Suche: Gemeindeleben mit „Corona-Abstand“ | US-Kardinal McCarrick: Missbrauch und Systemversagen | „Gelobt seist Du, Niemand!“ – Paul Celan und das Judentum

22.11.2020, 12.30 Uhr, ORF 2
24.11.2020, 8.55 Uhr, ORF III
28.11.2020, 11.30 Uhr, ARD ALPHA

Sinn und Suche: Gemeindeleben mit „Corona-Abstand“

Auch Kirchen und Religionsgemeinschaften sind österreichweit im Lockdown. Öffentliche Gottesdienste sind derzeit ausgesetzt, vielerorts werden Online-Angebote wieder verstärkt.

Gesetzlich wäre die freie Religionsausübung weiterhin möglich, die Kirchen und Religionsgemeinschaften haben von sich aus beschlossen, diese Maßnahme zu treffen. Bereits seit März hat die Pandemie das Zusammenleben stark verändert.

Gottesdienste waren in den vergangenen Monaten nur mit strikten Auflagen möglich. Taufen, Erstkommunionfeiern oder auch Hochzeiten wurden nicht selten auf unbestimmte Zeit verschoben. Viele Regeln prägen oder verhindern das Zusammensein. Sehr unterschiedlich kommen die verschiedenen Gruppen mit der neuen Situation zurecht.

Einige haben es schnell geschafft, ihr Gemeindeleben ins Internet zu transferieren und so, trotz räumlicher Distanz, in Verbindung zu bleiben. Sie berichten sogar von einem Mitgliederzuwachs.

Andere Gemeinden haben viele ihre Mitglieder aus den Augen verloren und fürchten auch nach den Corona-Beschränkungen einen bleibenden Kontaktverlust zu den Gläubigen. Die aktuelle, internationale Studie CONTOC, an der sich auch der Pastoraltheologe Johann Pock von der Universität Wien beteiligt, fokussiert auf die digitale Präsenz der Kirchen und christlichen Gemeinden in Zeiten von Corona.

Erste Teilergebnissen der Studie liegen der „Orientierung“ bereits exklusiv vor. – Mit Extra-Übertragungen von Gottesdiensten in TV, Radio und Internet bietet auch der ORF Zusatzprogramm für Glaubende. Mehr darüber unter religion.ORF.at

Gemeindeleben mit „Corona-Abstand“

Eine internationales Forschungsteam befasst sich mit der Frage, wie christliche Gemeinden mit der Situation umgehen. Marcus Marschalek hat sich die ersten Teilergebnisse angesehen und er hat in den vergangenen Wochen mehrere Gemeinden – unterschiedlicher Konfessionen – besucht

Bericht: Marcus Marschalek, Länge: 8 Minuten

Studiogespräch mit Pastoraltheologin Regina Polak

Es gibt unterschiedliche Erfahrungen aus dem ersten Lockdown: Manche fürchten um einen Schwund der Gläubigen, anderen sprechen davon, dass sich plötzlich kirchenferne Menschen für Angebote interessieren. Wird die Zeit der Pandemie die Kirchen also nachhaltig schwächen – oder stärken? Pastoraltheologin Regina Polak antwortet.

Im „Orientierung“-Studiogespräch:
Regina Polak, römisch-katholische Pastoraltheologin

US-Kardinal McCarrick: Missbrauch und Systemversagen

2018 wurde er aus dem Kardinalskollegium entlassen, 2019 in den Laienstand versetzt: Der heute 90-jährige ehemalige Erzbischof von Washington und Kardinal Theodore McCarrick hat sich offensichtlich über Jahrzehnte hinweg des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht.

Ein jüngst im Vatikan veröffentlichter Report verweist auf ein Systemversagen. Denn obwohl es an Vorwürfen und Gerüchten nicht mangelte, legte der charismatische Geistliche eine scheinbar makellose Kirchenkarriere hin. Nun steht auch Papst Johannes Paul II. posthum in der Kritik.

Er glaubte den Unschuldsbeteuerungen McCarricks und machte ihn zum Kardinal, anstatt für Aufklärung zu sorgen. Nicht nur in den USA steht nun die Frage im Raum, ob der Papst aus Polen vielleicht zu voreilig heiliggesprochen wurde.

US-Kardinal McCarrick: Missbrauch und Systemversagen

Von einem „Skandal“ ist schnell einmal die Rede – aber was da im Zuge des „Mc Carrick“ Berichts ans Licht gekommen ist – das stellt so einiges in den Schatten. Offenbar auch das Pontifikat von Johannes Paul dem Zweiten. Es geht um sexuellen Missbrauch, um Systemversagen, um einen Papst, der offenbar Vorwürfen – zumindest – nicht nachgegangen ist und einem Mann die Kardinalswürde verliehen hat, dessen Ruf schon vor Jahrzehnten mehr als zweifelhaft gewesen ist. Christian Rathner über Erzbischof Mc Carrick und eine vatikanische Aufarbeitung.

Bericht: Christian Rathner, David Kriegleder, Länge: 4 Minuten

„Gelobt seist Du, Niemand!“ – Paul Celan und das Judentum

„Ich habe nie eine Zeile geschrieben, die nicht mit meiner Existenz zu tun gehabt hätte“, so Paul Celan (1920 – 1970). Er zählt zu den bedeutendsten Dichtern der deutschen Nachkriegsliteratur und gilt bis heute als einziger, dessen Gedichte dem Unaussprechlichen der Shoah angemessen sind.

Anders als seine Eltern, die in den NS-Vernichtungslagern ermordet wurden, überlebte Paul Celan die Judenverfolgung in seiner Heimatstadt Czernowitz. Die Shoa war bis zuletzt das zentrale Thema seiner Lyrik. Sein Vater fühlte sich Zeit seines Lebens einem orthodoxen Zionismus verpflichtet.

Doch Paul Celan entfernte sich nach der Bar Mizwa immer mehr von seinen jüdischen Wurzeln. Ein Umstand, der sich nach dem Holocaust änderte. Das Gefühl, fremd, einsam und ausgegrenzt zu sein, führte zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Judentum.

Mystik, Hebraismen und jüdische Quellen hielten immer mehr Einzug in seine Gedichte. Sein Ziel war es, dem Leiden einen Erinnerungsort in der Sprache zu geben. Anlässlich seines 100. Geburtstages am 23. November hat ein Team der „Orientierung“ mit dem katholischen Theologen Jan-Heiner Tück und mit der Germanistin Irene Fußl über Paul Celans Lyrik, seine jüdische Identität und sein Gottesbild gesprochen.

„Gelobt seist Du, Niemand!“ – Paul Celan und das Judentum

Paul Celan gilt bis heute als einziger, dessen Gedichte dem Unaussprechlichen der Shoah angemessen sind. Seine Eltern wurden von den Nazis ermordet. Der Holocaust war Zeit seines Lebens das zentrale Thema seiner Lyrik. Obwohl sich sein Vater einem orthodoxen Zionismus verpflichtet fühlte, entfernte sich Paul Celan nach der Bar-Mizwa immer mehr von seinen jüdischen Wurzeln. Später befasste er sich intensiv mit dem Judentum, als Überlebender und als Einsamer.

Bericht: Karoline Thaler, Christopher Meiller; Länge: 7 Minuten

Patriarch Irinej in Belgrad beigesetzt

Der an Covid-19 verstorbene serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej ist am Sonntag in der Krypta der St. Sava-Kathedrale auf dem Vracar in Belgrad beigesetzt worden. Die Kathedrale ist noch nicht offiziell eröffnet und geweiht.

Serbien trauert um Patriarch Irinej

Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche ist vergangenen Freitag im Alter von 90 Jahren in einem Belgrader Militärkrankenhaus an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Er galt als reformorientiert und offen für die Ökumene.

Moderation: Sandra Szabo
Sendungsverantwortung: Norbert Steidl