Aberglaube in der Pandemie

Themen: Corona-Verschwörungstheorien; Gottesdienst mit Mundschutz; Corona bei den Indigenen Brasiliens

Aberglaube und Verschwörungstheorien

„Derzeit sind die Botschaften der etablierten Wissenschaft wie simples Vanilleeis, die Gegner bieten eine Vielfalt an attraktiven und exotischen Geschmacksrichtungen“, bringt es der amerikanische Physiker Neil Johnson anschaulich auf den Punkt.

Praxis
Mittwoch, 20.5.2020, 16.05 Uhr, Ö1

Mit den ersten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind sie aufgetreten und ziehen ihre Kreise durch alle Gesellschaftsschichten und quer über politische Strömungen, von ganz weit links bis rechtsextrem: Verschwörungstheorien und Aberglaube. Unbekannte Mächte, 5G-Masten, Panik vor Zwangsimpfungen, dazu Verharmlosung des Coronaviruses und seiner gesundheitlichen Folgen, gewürzt mit antisemitischen Anspielungen und schon ist sie fertig: die Verschwörungstheorie. Und sie kann durchaus kreativ abgewandelt werden: etwas mit Versatzstücken von religiösem Aberglauben, den sogar der eine oder andere hochrangige Kirchenvertreter herüber gerettet hat in die Moderne, etwa der Churer Weihbischof Marian Eleganti oder der frühere Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Doch wo verlaufen die Grenzen zwischen auch berechtigter Kritik an manchen Sicherheitsmaßnahmen und Verschwörungstheorien? Judith Fürst hat mit dem Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger und mit dem katholischen Ethiker Gunter Prüller-Jagenteufel gesprochen.

Gottesdienst mit Mundschutz

Am Wochenende haben in Österreich die ersten öffentlichen Gottesdienste nach dem „Lock-down“ stattgefunden: mit beschränkten Teilnehmerzahlen zwar und einigen Auflagen zu Hygiene und Abstand, aber nach Wochen digitaler Ersatzangebote eben wieder gemeinsam mit anderen Menschen am selben Ort, zur selben Zeit.

Zumindest, dort wo sich das räumlich ausgeht, denn nicht alle Religionsgemeinschaften haben so viel Platz, wie er zum Beispiel in vielen römisch-katholischen Kirchengebäuden in Österreich zur Verfügung steht. Aber selbst dort gelten besondere Regeln: Kindergruppen fallen aus, manche, die zur Risikogruppe gehören, bleiben doch lieber noch zu Hause, um Voranmeldung wird gebeten, um die Platzzahlen einzuhalten. Dazu kommen die ohnehin schon aus dem öffentlichen Leben mittlerweile bekannten Gesichtsmasken und als Willkommensgruß kein Händedruck, sondern die Ausgabe von Desinfektionsmittel für die Hände. Eine Reportage von der schrittweisen Wiederaufnahme des gemeinschaftlichen religiösen Lebens von Isabella Ferenci.

Tod im Regenwald - Corona bei den Indigenen Brasiliens

Die Auslöschung ganzer indigener Völker befürchtet der - aus Österreich gebürtige - brasilianische katholische Bischof Erwin Kräutler. Denn: auch im brasilianischen Regenwald greift Corona um sich. In Anbetracht des anders konzipierten Immunsystems der indigenen Bevölkerung eine tödliche Gefahr. Anstatt Brasilien im Kampf gegen die Krankheit zu vereinen und anzuführen, „predige“ Präsident Jair Bolsonaro den Konflikt, setze auf Desinformation und leugne den wissenschaftlichen Wert von empfohlenen Maßnahmen der Gesundheitsbehörden, so heißt es in einem Ende April veröffentlichten Schreiben von führenden Kirchenvertretern in Brasilien, darunter Katholiken, Lutheraner, Orthodoxe und Anglikaner. Sie fordern deshalb die Amtsenthebung des Präsidenten. Der - im Hinblick auf die indigene Bevölkerung - nie einen Hehl aus seinen Absichten gemacht hat: Ihr Land soll wirtschaftlich genutzt - sprich: den Großkonzernen zur Verfügung gestellt werden. Das allein war und ist für die Indigenen eine dramatische Bedrohung ihres Lebensraumes, nun ist Corona dazu gekommen. Brigitte Krautgartner mit einem Problemaufriss.

Moderation: Alexandra Mantler

Praxis 20.5.2020 zum Nachhören (bis 19.5.2021):

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