Erzbischöfin von Lyon

Themen: Theologin bewirbt sich als Erzbischöfin; Rechtspopulisten-Akademie in italienischem Kloster; Diskussion um geplanten Ethikunterricht

Frankreich: Theologin bewirbt sich als Erzbischöfin von Lyon

Eine Bewerbung für einen offenen Posten sorgt derzeit für Unruhe in der Erzdiözese Lyon in Frankreich. Eine Frau - sie ist katholische Theologin - will den Platz von Kardinal Philippe Barbarin einnehmen, der Anfang März in Folge eines gravierenden Kindesmissbrauchsskandals zurückgetreten ist.

Praxis
Mittwoch, 10.6.2020, 16.05 Uhr, Ö1

Die 73-jährige Anne Soupa ist schon seit Jahren aktive Verfechterin von Frauenrechten und setzt sich für eine diesbezügliche Öffnung der römisch-katholischen Kirche ein. Mit ihrer Bewerbung erreicht ihr Engagement eine neue Dimension: Es ist die erste Bewerbung einer Frau in Frankreich für das Amt eines Erzbischofs. Anne Soupa wird den Posten nicht bekommen, da die Grundvoraussetzung für das Bischofsamt, die Priesterweihe, in der römisch-katholischen Kirche bekanntlich Männern vorbehalten ist. Dennoch wirbelt ihre Bewerbung gehörig Staub auf, noch dazu im Erzbistum Lyon, das zu den besonders konservativen Gebieten des Landes zählt. ORF-Frankreich-Korrespondentin Cornelia Primosch berichtet.

Italien: Rechtspopulisten-Akademie im Kloster

Das ehemalige Kartäuserkloster von Trisulti steht seit Jahren im Mittelpunkt eines erbitterten Streites: Steve Bannon, ultrakonservativer Ex-Berater von US-Präsident Donald Trump, will hier eine Kaderschmiede für europäische Rechtspopulisten aufbauen.

Die Kartause Trisulti, nahe der Kleinstadt Collepardo, rund 100 Kilometer von Rom entfernt, hat eine lange Geschichte: 1204 wurde das ursprünglich 996 gegründete Kloster neu aufgebaut. Benediktiner, Kartäuser und bis 2017 Zisterziensermönche haben darin gelebt. Bis Italiens Kulturministerium das ehemalige Kloster zur Pacht ausschrieb. 2018 erhielt das Dignitas Humanae Institut das Recht, Trisulti 19 Jahre lang zu pachten. Der Verein hat unter dem Schirmherrn Steve Bannon, Ex-Stratege des US-Präsidenten Donald Trump und Gründer der ultrarechten Informationsplattform Breitbart News, vor, eine Kaderschmiede für Rechtspopulisten zu errichten.

Dagegen hagelt es seit Jahren Proteste. Auch das Kulturministerium will Trisulti mittlerweile räumen. Doch ein Verwaltungsgericht beschloss zuletzt: Dessen Einwand sei nichtig. ORF-Rom-Korrespondentin Katharina Wagner über einen Streit, der wohl noch lange nicht beigelegt sein wird.

Ethik statt Religion - Diskussion um den geplanten Ethikunterricht

Die Diskussion um den Religions-, bzw. Ethikunterricht geht weiter. Fix ist, dass ab Herbst 2021 - also ein Jahr später als geplant - Ethikunterricht als sogenanntes „alternatives Pflichtfach“ eingeführt werden soll. Und zwar für alle, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben, sowie für Kinder und Jugendliche ohne Religionsbekenntnis. Begonnen wird in der neunten Schulstufe der AHS und in berufsbildenden mittleren und höheren Schulen.

Doch was genau sind die Inhalte dieses Ethikunterrichts? Wie viele Schülerinnen und Schüler werden im ersten Jahr unterrichtet werden? Wird der Ethikunterricht gegen den konfessionellen Unterricht ausgespielt? Und warum nicht gleich „Ethikunterricht für alle“? Maria Harmer über die sehr unterschiedlichen Positionen.

Moderation: Alexandra Mantler

Praxis 10.6.2020 zum Nachhören (bis 9.6.2021):

Mehr dazu:

Logos 20.6.2020: „Die Gegner des Papstes“

Links: