Mit Kunst aus der Krise

100 Jahre Salzburger Festspiele: Wie schön, dass wir nun doch ein Zeichen für die Kraft der Kunst in kraftlosen Zeiten setzen können.

Gedanken für den Tag 3.8.2020 zum Nachhören (bis 2.8.2021):

Die Salzburger Festspiele werden 2020 – hoffentlich – stattfinden, allerdings wegen der Corona-Sicherheitsmaßnahmen in einer anderen als ursprünglich für das 100-Jahr-Jubiläum vorgesehenen Form. Statt 200 Vorstellungen an 44 Tagen auf 16 Spielstätten wird es unter dem Vorrang der Gesundheit 110 Vorstellungen an 30 Tagen auf 8 Spielstätten geben.

Ich hätte mich ob unseres Kleinmuts geschämt, wenn wir den künstlerischen Versuch nicht wagen wollten. Ich hätte mich geschämt vor den Gründervätern von 1920 und auch vor jenen, die 1945 nach dem Ende des 2. Weltkriegs die Festspiele im bombenzerstörten Salzburg wiederbelebten.

Helga Rabl-Stadler
ist Präsidentin der Salzburger Festspiele

Friedensprojekt Jedermann

Zwischen 1914 und 1918 versank ganz Europa in Trümmern. In einem Aufruf der Festspielhaus-Gemeinde aus dem ersten Vereinsjahr 1917 hieß es: „Wir glauben daran, dass die Kunst der wahre Erlöser der Menschheit vom Jammer der Kriegsnot sein würde.“ Und im selben Jahr 1917, also noch mitten im 1. Weltkrieg, schrieb Max Reinhardt, „ein Festspielhaus zu errichten sollte eines der ersten Friedenswerke sein“.

Da die galoppierende Inflation aber alles für den Bau angesparte Geld weggefressen hatte, suchte Max Reinhardt einen Ausweichort für die erste Aufführung des Jedermann. Er fand den Domplatz als Notlösung, der sich glücklicherweise sofort als Ideallösung herausstellte. Am 22. August 1920 schlug die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele.

Dass die erste Jedermann-Tribüne aus dem Holz der Baracken eines riesigen Lagers für Kriegsgefangene – dem sogenannten Russenlager – vor den Toren von Salzburg gezimmert wurde, ist ein wunderbar gegenständlicher Beweis im Sinne der Festspielgründer – der Jedermann ein Friedensprojekt.

Link:

Ö1-Schwerpunkt: 100 Jahre Salzburger Festspiele

Musik:

Mozarteum Orchester Salzburg unter der Leitung von Ivor Bolton: „Festung Hohensalzburg“ (Thema v. Paul Hofhaimer „Choral für den Stier“) - 1. Satz aus: Salzburger Suite op. 51 für Orchester von Joseph Messner/1893 - 1969
Label: Oehms Classics OC 734