Kleider machen Leute

Wer ist wichtig in Krisenzeiten? Polizei, im Handel Beschäftigte, medizinisches Personal... Sind die einen wichtiger als die anderen?

Morgengedanken 5.9.2020 zum Nachhören (bis 4.9.2021):

Im „Lock-down“ sorgte eine Grafik über „systemrelevante Berufsgruppen“ für Aufregung. Am Anfang der Reihe stand der Arzt: männlich, ganz in Weiß und mit Stethoskop. Eher am Ende, eine Frau mit Kübel, Mob und Kopftuch. Die Kritik kam prompt. Die Darstellung als „Putzfrau“ mit muslimischem Migrationshintergrund bediene Klischees und ist rassistisch.

Christian Herret
ist Pressesprecher der Dreikönigsaktion der katholischen Jungschar

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Vor einigen Jahren wurde in Wiener Spitälern eine Einheitskleidung für das Personal eingeführt. Statt nach Berufsgruppen in den unterschiedlichsten Farben, umsorgt ein in einheitlichem Blau gekleidetes Team die Patientinnen und Patienten. Man ist davon schnell wieder abgekommen und hat das alte Kastensystem der Farbcodierung wiederaufleben lassen. Es waren sicher nicht die Reinigungskräfte, egal ob mit Kopftuch oder ohne, die sich darüber beschwert haben, mit einem Arzt verwechselt worden zu sein.

Eine Idee: Wenn wir es schaffen, dass Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit keine Rolle für Berufschancen, Einkommen und Status spielen, ändern sich die Graphiken automatisch. Und wir wären dem Reich Gottes, in dem es weder „Jude noch Grieche, weder Sklaven noch Freie, weder Mann noch Frau gibt“ ein gutes Stück näher.