Feen, Prinzen, Zauberer

Der Grund, warum ich in der dritten Klasse Volksschule sitzen geblieben bin, war erstens meine Rechtschreibung und zweitens meine Sturheit: Das lerne ich nicht, sagte ich, weil es mich nicht interessiert!

Gedanken für den Tag 3.9.2020 zum Nachhören (bis 2.9.2021):

Erst viel, viel später erfuhr ich wie dumm das war, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans später nur sehr schwer. Meine Aufsätze wurden immer mit einem römischen Einser benotet und meine Rechtschreibung mit einem Fünfer.

August Schmölzer
ist Schauspieler und Initiator der Gemeinnützigen Privatstiftung Stieglerhaus

Interesse an der Sicht des anderen

Die Lehrerin verstand die Welt nicht, da kann er so gut Geschichten erzählen und will partout die Rechtschreibung nicht erlernen. Aber ich setzte meinen Kopf durch und so blieb ich eben zum Leid meiner Eltern sitzen. Samstags hatten wir in der Volksschule meist nur zwei Stunden und nach der ersten war die Luft bei uns draußen. Wir sehnten uns nach dem Wochenende und den Abenteuern, die auf uns in Wald, Wiesen und am Hof warteten.

Unsere Lehrerin holte nach der ersten Stunde ein dickes Sagenbuch aus der Lade. Damit konnte sie uns ruhig halten und uns eine Freude machen. Die Sagen handelten von allem möglichen Getier, Riesen und Zauberern, Feen, Prinzen, Königen und Zwergen, und wir hörten aufmerksam zu. Hätten wir alle diese Wesen zeichnen können, dann hätte jedes bei jedem von uns anders ausgesehen. Denn jeder von uns hatte eine andere bildliche Vorstellung im Kopf. Damals wäre sicher kein Merchandising Geschäft mit uns zu machen gewesen.

Für uns gab es keine uniforme Bebilderung wie heute. Jeder aber hatte an der Sicht des anderen großes Interesse und gemeinsam ergaben diese Wesen, in die wir uns nach dem Unterricht im Wald verwandelten, eine herrlich spannende Spielvorlage.

Links:

Musik:

Violarra: „Estampie - für Violine und Gitarre“ (Parodie auf ein mittelalterliches Lied aus dem 13. Jh) von Georg Winkler
Label: Barré Records 201101 STB 11/08