Ein kleines Feuer

Es ist ein leidiges Thema: Menschen, die trotz Verpflichtung, keine Maske gegen Corona tragen. Was dann alles passieren kann, davon berichtet Rotraud Perner.

Morgengedanken 10.9.2020 zum Nachhören (bis 9.9.2021):

„So ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet’s an.“ (Jak 3,5)

Rotraut Perner
ist evangelische Theologin und Psychotherapeutin

Wie die Kinder

In den antiken Sprachen ist das Wort für Sprache oft das gleiche wie das für Zunge. Beides kann Waffe sein, tödlich verletzend oder humorvoll heilend. In meiner Facebook-Blase hat sich eine ältere Dame aus meinem Wohnort beschwert, dass ihr eine Frau, die sie im klein-ländlichen Supermarkt gebeten hatte, einen Nasen-Mund-Schutz anzulegen, die Zunge gezeigt hätte. Ein kleines Feuer. Aber wird es nicht durch Empörung (d. h. auch Schnapp-Atmung) angeheizt?

Wäre es nicht sinnvoller, „cool“ zu reagieren? Die aufsteigende Kampflust – denn was anderes ist denn Zorn? – dazu zu verwenden, geistig in die Rolle eines unschuldigen Kindes zu schlüpfen, erstaunt große Augen zu machen und übertrieben naiv fragend zu stammeln: „Aber das ist ja unhöflich?“ oder ganz langsam und ungläubig quasi „überprüfend“ auch die Zunge herauszurollen und den Kopf zu schütteln? „Spielen“! Wir sollen ja werden wie die Kinder…