Erzähle deine Pläne!

Dort, wo ich aufgewachsen bin, passiert normalerweise nicht viel. Manche bezeichnen die mittelgroße Marktgemeinde in den Tiroler Bergen sogar als „verschlafen“. Vor einigen Jahren war jedoch dieser Ort der Schauplatz eines denkwürdigen Verbrechens:

Zwischenruf 6.9.2020 zum Nachhören (bis 5.9.2021):

Im Ortskern gab es nämlich eine kleine Trafik, die einigen Räubern als geeignetes Ziel erschien. Sehr schnell erkannten die Täter jedoch, dass ihr Plan ein entscheidendes Problem hatte: In vielen Gegenden in Tirol sind die Fluchtrouten mit dem Auto doch etwas eingeschränkt, weil überall Berge im Weg stehen.

Alexandra Battenberg
ist evangelisch-lutherische Pfarrerin in Schwechat in Niederösterreich

Geniale Planung

Die Täter verfolgten aber einen genialen Plan: Ganz in der Nähe der Trafik war eben die erste Parkgarage weit und breit gebaut worden. Deshalb beschlossen sie, sich dort zu verstecken und im Schutz der Parkgarage abzuwarten, bis die Fahndung vorbei war. Gesagt, getan.

Eine Sache wussten die Täter jedoch nicht, da sie selbst nicht aus der Gegend kamen: So gut wie niemand sonst benutzte diese Parkgarage! Die Einheimischen bevorzugten nach wie vor die etwas überfüllten Kurzparkzonen und hatten sich noch nicht an das neue Angebot gewöhnt. So kam es, dass die flüchtigen Täter dort als einzige mit ihrem Auto parkten – und das ortsfremde Kennzeichen fiel natürlich auf, als sich dann zufällig doch ein Einheimischer in die Parkgarage verirrte. Die Geschichte endete also mit der schnellen Verhaftung der Trafik-Räuber – und das trotz der Genialität ihrer Planung.

Es kann immer etwas schief gehen

Vielleicht wundern Sie sich insgeheim, warum ich als evangelische Pfarrerin diese Geschichte erzähle. Und wahrscheinlich haben Sie sich bereits gedacht, dass ich Sie nicht ermutigen möchte, kleine Trafiken in Tirol zu überfallen. Mir gefällt diese (wahre) Begebenheit aber so gut, weil sie eines in aller Deutlichkeit zeigt: Egal, wie gut wir planen und wie schlau wir sind - es kann immer etwas schief gehen.

Zwischenruf
Sonntag, 6.9.2020, 6.55 Uhr, Ö1

Ein Beter in der Bibel formuliert es im Buch der Psalmen so: „Wenn nicht der Herr (also Gott) die Stadt bewacht, wachen die Wächter umsonst. Wenn nicht der Herr das Haus baut, bauen die Bauleute vergeblich.“ (Psalm 127)

Zweifel und Tränen

Solche Überlegungen können in Resignation enden. Sie können aber auch den Blick lenken auf den einen, der meiner Überzeugung nach Gelingen oder Misslingen letztlich in der Hand hat. Unweigerlich führt dies aber gleichzeitig zu der Frage: „Kann ich diesem einen vertrauen? Auch dann, wenn meine Pläne scheitern, ein Virus die Erde lahmlegt oder meine Welt zusammenbricht?“

Mir persönlich helfen hier die bereits erwähnten Psalmen: Vollkommen ungeschminkt kommen Menschen darin betend mit ihren Gefühlen vor Gott – auch mit ihrem quälenden Zweifel, mit ihren bitteren Tränen, mit ihren dunkelsten Gedanken und mit ihren gescheiterten Plänen. Und gerade in dieser Ehrlichkeit wächst bei ihnen die Hoffnung, dass Gott trotz allem gut ist und es gut machen kann – auch wenn seine Pläne vielleicht ganz anders aussehen, als sie das gerne hätten.

Das letzte Wort

Wie erschütternd anders Gottes Pläne aussehen können, sehen wir übrigens an den Anhängerinnen und Anhängern von Jesus selbst: Diese hatten umfangreiche politische Pläne für den Zimmermann aus Nazareth. Aber all das scheiterte, als Jesus am Kreuz starb. Doch was zunächst aussah wie das Ende, verwandelte sich wenig später in jene Hoffnung, die Christinnen und Christen noch heute voller Freude bekennen: Nämlich dass der Tod nicht das letzte Wort hat und dass Gott selbst die dunkelste Stunde für das Gute verwenden kann.

Woody Allen hat einmal gesagt: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähl ihm von deinen Plänen.“

„Aber VIELLEICHT“, sagt der Glaube, „ist es gleichzeitig auch so, dass Er mitweint, wenn sie zerbrechen… und aus den Scherben etwas Neues, Besseres baut.“