Irland: Tod einer Schwangeren entfacht Abtreibungsdebatte

Mit den Worten „Das ist ein katholisches Land“ ist einer 31-jährigen in Irland ein Schwangerschaftsabbruch verwehrt worden.

Wie irische Medien am Mittwoch berichteten, wurde die 31-Jährige Savita Halappanavar Ende Oktober mit starken Rückenschmerzen in das Universitätsklinikum Galway eingeliefert. Dort diagnostizierten die Ärzte eine beginnende Fehlgeburt, weigerten sich aber den Berichten zufolge, eine Abtreibung des 17 Wochen alten Fötus vorzunehmen, weil dessen Herz noch schlug.

Erst nachdem keine Herztöne mehr zu vernehmen gewesen seien, hätten die Mediziner den Eingriff durchgeführt. In der Zwischenzeit habe sich die Frau jedoch eine Blutvergiftung zugezogen, an der sie wenige Tage später, am 28. Oktober, gestorben sei.

„Dies ist ein katholisches Land“

Die Zeitung „Irish Times“ zitiert den Ehemann der Toten, wonach die Ärzte den wiederholten Wunsch seiner Frau nach einer Abtreibung mit Verweis auf die Rechtslage und dem Hinweis ablehnten: „Dies ist ein katholisches Land.“ Die Schwangere, eine Hindu, soll darauf erwidert haben: „Ich bin weder Irin noch katholisch“. Ihr soll dennoch gesagt worden sein, man könne ihr nicht helfen.

Erst im Oktober haben die irischen Bischöfe eine Kampagne gegen eine mögliche Legalisierung von Abtreibung gestartet. John Fleming, Bischof von Killala, schreibt in einem Kommentar in der Irish Times am vergangen Dienstag: „Zu häufig wird von Abtreibung gesprochen, als ob es eine Lösung für schwierige oder tragische Umstände wäre. Die Bischöfe betonen, dass eine vorsätzliche Beendigung unschuldigen Lebens niemals die Basis für eine humane oder mitfühlende Lösung sein kann.“

Gesetzliche Regelung notwendig

In Irland sind Abtreibungen grundsätzlich gesetzlich verboten. Laut höchstrichterlichen Entscheidungen können allerdings Schwangerschaftsabbrüche bei Gefahr für das Leben der Mutter oder bei der Gefahr, die schwangere Frau könnte Selbstmord begehen, zulässig sein. Hier herrscht jedoch Unklarheit.

Dublins Erzbischof Diarmuid Martin erklärte indessen, das Irland eines der sichersten Länder für werdende Mütter sei. Die Statistiken wiesen für Irland eine der niedrigsten Müttersterblichkeitsraten weltweit aus, sagte Martin der Tageszeitung „Irish Times“ am Montag. „Das heißt, dass unsere Praxis, welche auch immer es ist, respektable Ergebnisse zeitigt“, so der Erzbischof.

EIne Demonstrantin hält ein Schild mit der Aufschrift: Her blood is on your hands"

REUTERS/Cathal McNaughton

Tausende Demonstranten gingen am Wochenende in Dublin und Galway auf die Straße.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2010 die irische Regierung ermahnt, die Regelungen für Abtreibungen zu überarbeiten. Das ist bisher nicht geschehen. Im April lehnte das Parlament in Dublin einen Antrag der Sozialistischen Partei ab, der Abtreibungen allgemein bei Frauen erlauben wollte, die durch eine Schwangerschaft gesundheitlich gefährdet sind.

Der Fall der 31-jährigen Zahnärztin bringt nun die Politik unter Druck. Bereits am Montag wurde in der irischen Regierung ein möglicher Zeitplan für eine Gesetzesänderung diskutiert. Am Wochenende waren tausende Menschen auf die Straße gegangen um gegen die unklare Rechtslage und das Abtreibungsverbot zu demonstrieren.

Unterdessen leiteten sowohl das Universitätsklinikum Galway wie auch die nationale Gesundheitsbehörde Untersuchungen über die Umstände ein, die zum Tod der Frau führten.

religion.ORF.at/APA

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