Biber, Bier und Schokolade: Beliebte Fastentricks

Streng sind die Fasten- und Abstinenzgebote der katholischen Kirche - jedenfalls in der Theorie. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sich so manche kreative Auslegung der Vorschriften und Tabus.

Die 40-tägige vorösterliche Bußzeit (Quadragesima), auch Fasten- oder Passionszeit genannt, dient der Vorbereitung auf das christliche Osterfest. Die auf dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) erstmals festgelegte Quadragesima hebt drei Grundvollzüge des Glaubens hervor: Verzicht, Gebet und Werke der Nächstenliebe.

Fantasievolle Ausdünnungen

Dass die buchstabengetreue Einhaltung von Fastenregeln auch in der Vergangenheit nicht immer vom Geist der Besinnung und Umkehr durchweht war, verdeutlicht ein Blick auf so manch fantasievolle Ausdehnungen und Ausdünnungen des mittelalterlich festgelegten Verbots des Fleischverzehrs von warmblütigen Tieren sowie des Genusses aller Nahrungsmittel aus der Großvieh- und Geflügelhaltung (wie Milchprodukte, Eier und Schmalz).

Ein Biber sitzt in einem Teich

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Biber und Fischotter standen in früheren Zeiten auf vielen Fastenspeisezetteln

Die Zuordnung von Biber, Fischotter und Gans zu „Wassertieren“ und damit zu den erlaubten Fischspeisen ist durch kirchliche Mahnungen zur Erinnerung an den eigentlichen Sinngehalt des Fastens belegt. Auch die Wurstherstellung aus Fischen in mittelalterlichen Klosterküchen ist überliefert. Kormorane und Fischreiher standen ebenfalls auf dem Fastenspeisezettel früherer Tage - erhalten sind etwa historische Rezepte wie „Kormoran mit Linsen“ - mehr dazu in Fischotter und Kormoran im Kochtopf.

„Schokolade bricht das Fasten nicht“

Starkbier, das durch seinen höheren Stammwürzegehalt einen Alkoholgehalt von 6,5 Prozent oder mehr hat, war als Fastengetränk in Klöstern üblich. Dieses starke, kalorienhaltige Bier half als Sättigungsmittel über die karge Fastenzeit hinweg und ließ den Hunger gleichsam in den Hintergrund treten. Weitere skurrile „Fastenspeisen“ brachte die Neuzeit hervor: Im Jahr 1569 soll Papst Pius V. auf die Frage eines Gesandten der mexikanischen Bischöfe, ob ein neuartiges Getränk namens Xocoatl in der Fastenzeit getrunken werden dürfe, geantwortet haben: „Schokolade bricht das Fasten nicht.“

Symbolfoto Fastenzeit: Brot und Starkbier

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Brot und Starkbier

Das herb-säuerliche Getränk Xocoatl, das von den Azteken in Mexiko aus Kakaobohnen, Wasser, Chili und Vanille hergestellt wurde und mit dem heute üblichen milchigen Kakao wenig gemeinsam hat, war übrigens dennoch nicht nach dem Geschmack des Papstes. Während die im Handel mit dem Genussmittel stark vertretenen Jesuiten für die Zulassung von Schokolade eintraten, waren die Dominikaner strikt dagegen.

Einmalige Sättigung am Tag

Die katholische Kirche konkretisiert das Fastengebot als Reduktion des Essverhaltens auf eine einmalige Sättigung am Tag, wobei außerhalb der täglich einmaligen und schlichten Mahlzeit kleine Stärkungen zur Erhaltung der Schaffenskraft erlaubt sind. Das Fastengebot richtet sich an erwachsene Personen vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zu Beginn ihres 60. Lebensjahres.

Kinder sollten nicht fasten, Jugendliche unter 18 nur in eingeschränkter Weise. Vom Fastengebot ausgenommen sind kranke Menschen, Reisende und Teilnehmende an fremden Tischgesellschaften sowie körperlich schwer Arbeitende. Das vorösterliche Fastenbrechen an den Sonntagen entspricht nicht bloß einer weit verbreiteten Tradition, sondern einem Gebot, das dem feierlichen Charakter der sonntägigen Eucharistie Rechnung trägt.

Das Abstinenzgebot und damit der religiös motivierte, freiwillige Verzicht auf Fleischspeisen an allen Freitagen betrifft Katholiken vom vollendeten 14. Lebensjahr bis zum Lebensende. Die Abstinenz als Freitagsopfer, die auch modifizierte Formen wie die Einschränkung im Konsumverhalten und geistliche Opfer wie den Hilfsdienst am Nächsten kennt, soll die Erinnerung an das Leiden und Sterben Christi gegenwärtig halten. Der Aschermittwoch und der Karfreitag sind sowohl Fasten- als auch Abstinenztage.

Festigung und Reifung im Glauben

Die Dauer der Fastenzeit leitet sich vom biblischen Bericht über eine 40-tägige Gebets- und Fastenzeit her, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan in der Wüste auf sich nahm. Wie in der Wortbedeutung von „fasten“ (Mittelhochdeutsch „vasten“, Gotisch „fastan“) - an den Geboten der Enthaltsamkeit festhalten, bewachen, beobachten - zum Ausdruck kommt, geht es um die Festigung und Reifung im Glauben gegenüber Versuchungen wie Egoismus, Sucht, Untreue und Verbitterung.

Die Zahl 40 hat in der Bibel einen hohen Symbolwert. So fastete der Prophet Elija 40 Tage in der Wüste, ehe er seiner Berufung folgte. Das Volk Israel wanderte nach dem Auszug aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste und durchlief damit eine Zeit der Läuterung. Moses war Gott auf dem Berg Sinai 40 Tage nahe. Die Stadt Ninive hatte 40 Tage, um ihre Sünden zu bereuen.

Reinigung in der „Heiligen Woche“

Das Fasten ist nicht mit Diät oder Schlankheitskuren zu verwechseln, sondern meint eine religiös begründete Einschränkung bzw. Enthaltung der Nahrungsaufnahme mit dem Ziel der leiblichen wie auch geistigen und seelischen Reinigung. Die letzte Woche vor Ostern ist die Karwoche, auch „heilige Woche“ genannt.

Sie vergegenwärtigt den dramatischen Höhepunkt im Leben und Wirken Jesu. In ihr wird des Einzugs Jesu in Jerusalem (Palmsonntag), der Feier des Pessachfestes mit den Jüngern (Gründonnerstag), der Gefangennahme, Verurteilung und schließlich der Hinrichtung Jesu (Karfreitag) sowie der Grabesruhe am Karsamstag gedacht, bevor in der Osternacht das Fest der Auferstehung gefeiert wird.

religion.ORF.at/KAP