Mahnwache für tote Bootsflüchtlinge

Rund 5.000 Menschen kamen zu einer Mahnwache in Wien, um der Opfer der Tragödie im Mittelmeer zu gedenken. Gefordert wurde eine sofortiges Änderung der „Abschottungspolitik“, hin zu Rettungsmaßnahmen für Flüchtlinge.

Rund 5.000 Menschen hatten über soziale Netzwerke ihre Teilnahme an der Mahnwache bestätigt. Vor der Minoritenkirche wurden zahlreiche Grabkerzen aufgestellt, Plakate, unter anderem mit der Aufschrift „Stoppen wir das Massensterben im Mittelmeer“, waren zu sehen.

Gedenkveranstaltung "Stoppt das Massensterben im Mittelmeer" am Wiener Minoritenplatz

ORF/Marcus Marschalek

Rund 5.000 Menschen waren zur Gedenkveranstaltung für die Opfer der Schiffstragödie im Mittelmeer gekommen

„Diese Katastrophe macht so betroffen, weil sie eine Katastrophe mit Ansage ist und wir diese Menschen sehenden Auges ertrinken lassen haben“, verdeutlichte Diakonie-Direktor Michael Chalupka. Er appellierte an die österreichische Bundesregierung, „mit der strukturierten Verantwortungslosigkeit in europäischen Entscheidungsgremien Schluss zu machen“.

Flüchtlingsdrama ist „Schande für Europa.“

Caritas-Präsident Michael Landau bezeichnete das Flüchtlingsdrama als „Schande für Europa.“ „Wir stehen vor der Frage, ob wir in einem Europa leben wollen, das vor seinen Toren einen Friedhof hat und ob wir, wenn wir im Mittelmeer schwimmen, über Tote schwimmen wollen“, erklärte er und forderte mehr finanzielle Mittel für Seenotrettungsprogramme wie „Mare Nostrum“.

Gedenkveranstaltung "Stoppt das Massensterben im Mittelmeer" am Wiener Minoritenplatz

ORF/Marcus Marschalek

Viele Menschen entzündeten am Wiener Minoritenplatz Kerzen

Kritik übte Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien, an alleinigen Schuldzuweisungen an die Fluchthelfer. „Vorher wurde ein System aufgebaut, das es Flüchtlingen nicht möglich macht, legal nach Europa zu kommen. Man sagt, die Genfer Flüchtlingskonvention gilt - das ist internationales Recht. Und dann unternehmen wir alles, die Menschen davon abzuhalten, ihrem Recht nachzukommen und verurteilen andere, die ihnen dabei helfen.“

Forderung nach Umdenken in der EU-Migrationspolitik

Ein Umdenken in der europäischen Migrationspolitik hat auch Bundespräsident Heinz Fischer am Montagabend gefordert. „Die bisherige Politik auf diesem Gebiet kann, so wie sie war, nicht fortgesetzt werden“, sagte er bei der Kundgebung in Wien für die rund 950 Menschen, die in der Nacht auf Sonntag im Mittelmeer ertrunken sind.

Gedenkveranstaltung "Stoppt das Massensterben im Mittelmeer" am Wiener Minoritenplatz

ORF/Marcus Marschalek

Einige Flüchtlinge erzählen über ihre Flucht

„Den Leidensdruck dieser Menschen kann man sich am besten vorstellen, wenn man sich überlegt, was wäre, wenn das die eigene Mutter, Tochter, der eigene Vater oder Sohn ist. Dann verwandelt sich eine Zahl in ein Gesicht und einen Menschen“, sagte Fischer und bezeichnete das Unglück als „monströse Katastrophe“.

50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

Organisiert wurde die Mahnwache von der Caritas, dem Österreichischen Roten Kreuz, der Volkshilfe Österreich, SOS Mitmensch, Amnesty International, der Diakonie Österreich, dem UNHCR Österreich und dem Integrationshaus Wien. Erst am Montagnachmittag sind im Mittelmeer drei weitere Schiffe mit Flüchtlingen in Seenot geraten.

Unter den Anwesenden fanden sich unter anderem auch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP), Landwirtschaftsminister Andre Rupprechter (ÖVP), Grünen-Bundesparteiobfrau Eva Glawischnig, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne), SPÖ-Klubchef Andreas Schieder, NEOS-Klubobmann Matthias Strolz und Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ).

Laut dem UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) sind derzeit über 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Im letzten Jahr stellten weltweit 1,1 Millionen Menschen einen Asylantrag. 1,14 Prozent der Menschen auf der Flucht stellten laut Schwertner einen Asylantrag für Österreich.

religion.ORF.at/APA

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