Koscher

Erlaubte Lebensmittel nach den jüdischen Speisegesetzen

Als koscher („kascher“, wörtlich: tauglich) werden alle Lebensmittel bezeichnet, die den jüdischen Speisegesetzen („Kaschrut“) entsprechen. Gläubige Juden dürfen nur koschere Speisen essen, nicht-koschere („trefe“) sind hingegen verboten.

Koscheres Fleisch von koscheren Tieren

Nur Fleisch von wiederkäuenden Paarhufer - Kühe, Schafe und Ziegen - ist koscher. Schweinefleisch ist „trefe“ und daher tabu, ebenso das Fleisch von Wildtieren, Pferden und Kamelen. Geflügel wie Huhn, Ente und Gans ist koscher, Raubvögel sind ausdrücklich verboten, Singvögel werden sicherheitshalber nicht gegessen. Fische dürfen gegessen werden, wenn sie Flossen und Schuppen haben. Daher ist beispielsweise Aal verboten, ebenso Meeresfrüchte wie Muscheln, Shrimps und Hummer. Welche Tiere koscher sind, listet Leviticus 11 ziemlich detailliert auf.

Juden ist wie Muslimen streng verboten, Blut zu essen. Sogar Eier müssen penibel auf Blutstropfen untersucht werden. Aus demselben Grund müssen zum Verzehr bestimmte Tiere auf rituelle Art geschlachtet werden. Man nennt das Schächten. Dabei durchtrennt ein besonders ausgebildeter Schlachter nach den strikten Regeln des jüdischen Religionsgesetzes „Halacha“ die Kehle des Tieres und lässt es ausbluten. In Österreich ist Schächten in zertifizierten Schlachthöfen erlaubt, wenn das Tier unmittelbar nach dem Schnitt betäubt wird. Reste von Blut werden vor der Zubereitung durch das „Kaschern“ (Koscher machen) entfernt: Dabei wird das Fleisch wiederholt in Wasser eingeweicht und eingesalzen. Koschere Fleischhauereien bieten ihre Ware bereits fertig „gekaschert“ an.

Milch und Fleisch werden strikt getrennt

Milchprodukte und Fleischgerichte müssen streng voneinander getrennt werden. Weder dürfen sie zusammen gegessen werden noch dürfen sie in irgendeiner Form miteinander in Berührung kommen. Diese Vorschrift begründet sich in dem biblischen Gebot, das Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter zu kochen. Die Juden teilen daher alle Lebensmittel in milchig („chalavi“) und fleischig („basari“) ein. Die dritte Kategorie „parve“ (neutral) kann sowohl mit milchigen als auch fleischigen Speisen kombiniert werden.

„Das Junge einer Ziege sollst du nicht in der Milch seiner Mutter kochen.“

Exodus, 23,19 (nach der Einheitsübersetzung der Bibel)

Auch im Magen dürfen sich Milchiges und Fleischiges nicht vermischen, weswegen Wartezeiten eingehalten werden müssen. Eine milchige Nachspeise kann nicht nach einem Fleischgang serviert werden. Und selbst beim Küchengerät und Geschirr gilt die strikte Trennung: Ein Teller für Milchiges darf nicht für Fleisch verwendet werden und umgekehrt. Wer es sich leisten kann, hat eine doppelt eingerichtete Küche - mit zwei Geschirrspülern, zwei Kühlschränken, zwei Herden. Selbst in kleinsten Haushalten müssen Geschirr, Geschirrtücher und Kochutensilien doppelt vorhanden sein.

Kühlregal mit koscherem Käse
Reuters/Fabrizio Bensch
Käse ist ein „milchiges“ Lebensmittel und darf nicht zusammen mit „fleischigen“ Speisen verzehrt werden.

In den meisten Haushalten gibt es noch ein drittes Set an Geschirr: das „Pessach“-Geschirr. Für das Hochfest „Pessach“ gelten besondere Vorschriften: Gesäuertes und Getreideprodukte sind verboten, Lebensmittel müssen „kascher le-pesach“ (koscher für Pessach) sein (mehr dazu im Eintrag „Pessach“).

Nur koscher-zertifizierte Lebensmittel erlaubt

Ob verarbeitete Lebensmittel den Vorschriften der „Kaschrut“ entsprechen, kann der jüdisch-orthodoxe Konsument nicht selbst feststellen, weil er in den Herstellungsprozess ja nicht eingebunden ist. Daher essen Gläubige nur Produkte, die koscher zertifiziert sind und einen „Hechscher“ (Koscher-Siegel) tragen. Den „Hechscher“ verleiht der „Maschgiach“, ein besonders ausgebildeter Aufseher über die Einhaltung der Speisegesetze. Nicht nur Lebensmittel, auch Arzneien, Hygieneartikel und Putzmittel müssen den „Kaschrut“-Vorschriften entsprechen.

Welche Restaurants und Produkte den „Kaschrut“-Vorschriften entsprechen, veröffentlicht die IKG Wien jährlich in einer umassenden Liste, dem „Hamadrich“ (Leitfaden).

In Israel und den USA ist der „Hechscher“ direkt auf das Produkt aufgedruckt, in Österreich gibt es Leitfäden, die koschere Lebensmittel und Produkte auflisten. Was koscher ist, ist dabei in gewissem Rahmen auch Auslegungssache. So kann ein „Maschgiach“ ein Produkt für koscher erklären, das ein anderer nicht auf seine Liste setzt. Außerdem gibt es in den unterschiedlichen Strömungen Abstufungen, wie streng die Speisegesetze ausgelegt werden. „Glatt koscher“ ist ursprünglich ein Ausdruck für besonders streng geprüftes Fleisch, gilt aber mittlerweile unter Aschkenasen, einer der Hauptströmungen im Judentum, als Begriff für besonders koscher. Das Siegel „kascher le-mehadrin“ (wörtlich: ausgeschmückt koscher) übertrifft die Speisegesetze noch in ihrer Strenge und wird umgangssprachlich auch als „super koscher“ bezeichnet.

Göttlicher Wille als Motiv für „Kaschrut“

Die jüdischen Speisegesetze werden häufig mit Hygiene- und Gesundheitsgründen argumentiert. Jüdische Gelehrte vertreten jedoch die Ansicht, dass es bei den Speisegesetzen nur darum gehe, den göttlichen Willen zu befolgen, wie er Moses beim Auszug aus Ägypten offenbart worden sei. Wissenschafter wie der Anthropologe Howard Eilberg-Schwartz vertreten die Ansicht, die jüdischen Speisegesetze dienten der scharfen Abgrenzung von „heilig“ und „nicht heilig“ wie auch andere Gesetze der „Halacha“.

„Nicht ganz koscher“

Umgangssprachlich hat sich der Begriff „koscher“ im Deutschen als Ausdruck für „in Ordnung“ etabliert, während sein Gegenteil „nicht (ganz) koscher“ andeutet, dass an einer Sache etwas faul sei.

Übersichtsartikel zum Judentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

Aus dem ORF-Medienarchiv:

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