USA: Weiße Evangelikale und Katholiken für Trump

US-Medien vom Mittwoch zufolge hat Donald Trump bei den weißen evangelikalen Wählern die höchste Zustimmungsrate eines republikanischen Kandidaten seit 2004 erreicht.

Trotz der Vorbehalte, die viele evangelikale und republikanische Führer ihm gegenüber zum Ausdruck brachten, gaben 81 Prozent der weißen evangelikalen Christen ihren Stimmzettel für den umstrittenen Immobilienmogul ab. Hillary Clinton erhielt demgegenüber nur 16 Prozent. 52 Prozent der US-Katholiken wählten demgegenüber Donald Trump.

Nichtweiße Evangelikale, die etwa 40 Prozent der Evangelikalen ausmachen, bevorzugen weitgehend Clinton. Aber ihre Performance war letztlich dann doch deutlich schwächer als jene, die Barack Obama unter Hispanics und Afroamerikanern erreicht hatte.

Evangelikales Segment unterschätzt

Während Clintons Kampagne weitgehend - und im Gegensatz zu Obama -, die Mobilisierungskraft des evangelikalen Segments unterschätze, suchte Trump während eines großen Teils der Monate vor dem Wahltag direkt die evangelikale Unterstützung. Diese Wähler - besonders in Swing States wie Ohio, North Carolina und Florida - erwiesen sich als eine seiner stärksten Unterstützungsbasen.

Donald Trump im Wahlkampf bei Präsidenten der evangelikalen Liberty Universität, Jerry Falwell Jr.

APA/AP/Jae C. Hong

Donald Trump im Wahlkampf bei Präsidenten der evangelikalen Liberty Universität, Jerry Falwell Jr.

Bei den Obama-Wahlen 2008 und 2012 stimmten jeweils 25 Prozent der Evangelikalen für den Demokraten, Clinton schaffte es nur auf 16 Prozent. „Tatsache ist, dass in diesem Rennen nur einer der beiden großen Parteikandidaten explizit damit warb, sich um weiße Evangelikale zu kümmern“, twitterte Obamas ehemaliger Berater für religiöse Fragen, Michael Wear.

Religiöse bevorzugten Trump

Amerikaner aller Glaubensrichtungen (Katholiken, nichtevangelikale Protestanten, Evangelikale, Orthodoxe, Juden), die wöchentlich den Gottesdienst besuchten, bevorzugten zusammengenommen ebenfalls Trump. Hier besteht aber eine schmälere Marge (56 Prozent) gegenüber Clinton (40 Prozent).

Der Siegeszug Trumps bei den Katholiken war die eigentliche Überraschung. Hier hatte praktisch alle Vorwahl-Erhebungen einen Vorsprung Clintons sehen wollen. 2008 und 2012 hatte die Mehrheit der Katholiken Obama die Stimme gegeben. Der Sieg Trumps kam insofern überraschend: er sicherte sich die meisten der umkämpften Wechselwähler-Staaten. Eigentlich war Clinton als Favoritin in die Wahl gegangen.

Überraschender Sieg unter Katholiken

Vor allem in den Bundesstaaten im sogenannten Rostgürtel der USA wie Wisconsin und Michigan lag die Demokratin überraschend hinten. Trumps Wahlkampf, in dem er auch gegen internationale Handelsabkommen und Globalisierung Stimmung gemacht hatte, verfing in diesen von Abschwung geprägten Gegenden offensichtlich sehr. Das hatten Meinungsforscher so nicht vorausgesehen.

Für die Republikaner deutete sich ein politischer Durchmarsch an. Sie dominieren weiter im Repräsentantenhaus. Auch im Senat sah es nicht nach einem Sieg für die Demokraten aus, die sich darauf große Hoffnungen gemacht hatten. Im Falle eines Wahlsieges könnte Trump mit einer Mehrheit in beiden Parlamentskammern reagieren.

Noch nie so unbeliebte Kandidaten

Noch nie in der Geschichte der US-Wahlen waren zwei Kandidaten gleichermaßen so unbeliebt: Trump wegen seiner Art und seiner Ausfälle, Clinton wegen ihrer „Skandale“ und ihrer Nähe zum bestehenden Machtsystem. In den vergangenen Wochen lieferten sie sich erbitterte Auseinandersetzungen.

Der Wahlkampf gilt als einer der härtesten und schmutzigsten der amerikanischen Geschichte. Er war geprägt von persönlichen Beleidigungen und Schmähungen. Fakten und Inhalte spielten kaum eine Rolle.

Katholiken warben für Trump

Vonseiten katholischer Würdenträger hatte es vor der Wahl keine Empfehlung für einen Kandidaten gegeben. Prominente praktizierende weiße Katholiken warben allerdings für Trump, allen voran Bill Donohue, Präsident der katholischen Bürgerrechtsorganisation „Catholic League“. Trump stimme in den wichtigsten gesellschaftspolitischen Fragen am ehesten mit der Lehre der katholischen Kirche überein, sagte Donohue der deutschen „Tagespost“ am Wochenende: „Es gibt kein wichtigeres Recht als das auf Leben, daher ist Abtreibung das Thema Nummer eins“, erklärte er gegenüber der Zeitung.

Klare Position gegen Abtreibung

Trump habe sich klar gegen Abtreibung positioniert, und die katholische Kirche lehre, dass Abtreibung „in ihrem Wesen böse“ sei. Von daher habe der Lebensschutz Vorrang unter allen gesellschaftspolitischen Fragen. Donohue machte bei den Themen des Wahlkampfes hierarchische Abstufungen. „Themen, die den Lebensschutz betreffen - Abtreibung, Euthanasie oder Stammzellenforschung an Embryonen - sind definitiv wichtiger als Einwanderung oder die Bekämpfung des Klimawandels“, erklärte er.

Zwar existiere ein moralischer Imperativ, den Armen zu helfen, jedoch herrsche unter den Katholiken in den Vereinigten Staaten große Uneinigkeit darüber, wie man Armut am besten bekämpfen könne.

„Familie verteidigen“

Ähnlich äußerte sich am Wochenende der katholische Moraltheologe P. Robert Gahl von der päpstlichen Santa-Croce-Universität in Rom: „Wer wird der Bessere sein, um die Ehe zu verteidigen, wer besser sein, um die Familie zu verteidigen? Wer wird der Beste sein, um das Gewissen und die Freiheit, und vor allem die Religionsfreiheit, zu verteidigen? Die Freiheit der Kirche in der Gesellschaft heute? Das sind entscheidende Themen bei dieser Wahl, denn da gibt es einen gewissen Unterschied zwischen den beiden Kandidaten“, so Gahl gegenüber dem Nachrichtenportal www.romereports.com.

Hillary Clintons von Wikileaks veröffentlichte E-Mails hätten „eine orchestrierte Kampagne zur Einführung der Gender-Ideologie in die Kirche von innen heraus“ gezeigt, so Gahl.

religion.ORF.at/KAP

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