Demenzfreundliche Gottesdienste

Themen: Demenz als Herausforderung für Pfarren; Sr. Birgit Weiler über die Spiritualität peruanischer Naturvölker; Die „Ahmadiyya“ als islamischer Sonderweg; Bibelessay von Regina Polak

Zeitlose Ewigkeit – „Demenzfreundliche Gottesdienste“

Nicht nur die politische Diskussion zur Pflege zeigt es. Es ist ein Problem von gesamtgesellschaftlicher Tragweite: Etwa 130.000 Menschen in Österreich leiden an einer demenziellen Erkrankung. Bis ins Jahr 2050 könnte sich die Zahl angesichts der steigenden Lebenserwartung verdoppeln.

Johanneskirche Wien-Liesing

ORF/Maria Harmer

Gottesdienst in der evangelischen Johanneskirche in Wien-Liesing

Das ist auch für Kirchengemeinden eine wachsende Herausforderung. Spielt das Leben doch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und kann ein Gottesdienst so etwas wie Gleichzeitigkeit erfahrbar machen, den offenen Himmel, zeitlose Ewigkeit – und ja, Geborgenheit und Vertrautes. Einige katholische und evangelische Pfarren möchten nun „demenzfreundlicher“ werden. Sie schulen ihr Personal und bieten spezielle Gottesdienste an, die, wie sich zeigt, von Betroffenen und Angehörigen mit Freude und dankbar angenommen werden. – Gestaltung: Maria Harmer

Gelebte Inkulturation – Sr. Birgit Weiler über die Spiritualität peruanischer Naturvölker

Wer das am 12. Februar im Gefolge der sogenannten „Amazonien-Synode“ veröffentlichte Schreiben „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien) von Papst Franziskus liest, der erfährt – neben der manche enttäuschenden, manche erleichternden Tatsache, dass der Papst offenbar nichts am priesterlichen Pflichtzölibat zu ändern gedenkt – vieles über die Einstellung von Franziskus zu Fragen der Inkulturation. Wie also soll sich die katholische Kirche zu religiösen und spirituellen Überzeugungen jener Naturvölker verhalten, denen sie den christlichen Glauben vermitteln will?

Lebenskunst
Sonntag, 16.2.2020, 7.05 Uhr, Ö1

Franziskus schreibt etwa in Punkt 79: „Es ist möglich, sich in irgendeiner Weise auf ein indigenes Symbol zu beziehen, ohne dass man es notwendigerweise als Götzendienst betrachten müsste. Ein Mythos von spirituellem Sinngehalt kann aufgegriffen und muss nicht immer als heidnischer Irrtum angesehen werden. Einige religiöse Feste enthalten eine sakrale Bedeutung und sind Gelegenheiten des Zusammenkommens und der Brüderlichkeit, auch wenn eventuell ein langsamer Reinigungs- oder Reifungsprozess erforderlich ist.“ Das sind Sätze, wie sie die deutsche Ordensschwester und Theologin Birgit Weiler formuliert haben könnte, selbst wenn sie wahrscheinlich von „Geschwisterlichkeit“ sprechen würde. Birgit Weiler lebt und forscht seit vielen Jahren in Amazonien, genauer gesagt an der Jesuitenuniversität in Lima, Peru. Brigitte Krautgartner hat sie bei einem Romaufenthalt getroffen.

Niemals Gewalt – Die „Ahmadiyya“ als islamischer Sonderweg

„Liebe für alle, Hass für niemanden“: So lautet das Motto der Anhängerinnen und Anhänger der islamischen Reformbewegung Ahmadiyya. Sie verpflichten sich dem Verzicht auf Gewalt bei der Verfolgung all ihrer Ziele. Ahmadis, wie sie genannt werden, gehen davon aus, dass der Zustand des „Dschihad", des Kampfes, endgültig vorbei sei. Denn der Messias, der sogenannte Mahdi der Endzeit – für sie ihr Gründervater Mirza Ghulám Ahmád - sei ihrer Auffassung nach bereits im 19. Jahrhundert in die Welt gekommen. Als letzter Prophet nach Muhamad. Und er habe Zeit seines Lebens auf die ursprüngliche Form des Islam, also auf Muhamads Lehren selbst, zurückverwiesen.

Andere muslimische Strömungen bezeichnen die Ahmadis auf Grund ihrer Glaubensausrichtung als muslimische Sekte oder sprechen ihnen komplett das Recht ab, sich muslimisch zu nennen. Besonders in Pakistan und Indonesien leidet die Gemeinschaft stark unter Diskriminierung und Verfolgung. Die Gemeinde existiert derzeit in 207 Ländern und zählt etwa zehn Millionen Mitglieder. Auch in Österreich gibt es eine kleine Schar von Ahmadis. Avia Seeliger hat sie in Gerasdorf in Niederösterreich besucht.

Bibelessay zu Matthäus 5,17-37 - Jesus und das jüdische Gesetz

„Ich aber sage euch…“ ist eine Wendung, die im Text der sogenannten Bergpredigt bei Matthäus einige Male enthalten ist, der in den katholischen Messfeiern am 6. Sonntag im Jahreskreis als Evangelium gelesen wird. Oft wird diese Wendung dahingehend interpretiert, dass Jesus damit die jüdischen Gesetze, also die Gesetze seiner eigenen Religion, aufheben wollte. Dem ist ganz und gar nicht so, meint die katholische Theologin und Religionssoziologin Regina Polak in ihrem für LEBENSKUNST verfassten Bibelessay.

Bibelessay zu Matthäus 5,17-37

Moderation: Martin Gross

Lebenskunst 16.2.2020 zum Nachhören (bis 15.2.2021):